Kirchheim

Die Ersten kommen, wenn der Kaffee noch nicht fertig ist

Weihnachtsfeier Ein richtiges weihnachtliches Festessen und heimelige Atmosphäre bot erneut das Café Eckpunkt an Heiligabend. Von Andrea Barner

Weihnachtslieder unterm Tannenbaum mit Klavierbegleitung. - Eine willkommene Gelegenheit für Menschen, die am Heiligabend nicht
Weihnachtslieder unterm Tannenbaum mit Klavierbegleitung. - Eine willkommene Gelegenheit für Menschen, die am Heiligabend nicht alleine sein wollen.Foto: Günter Kahlert

Geradezu überpünktlich stehen sie vor dem Café Eckpunkt in der Alleenstraße und warten auf Einlass. „Mit so vielen Leuten gleich zu Anfang haben wir nicht gerechnet“, sagt die Leiterin der Diakonischen Bezirksstelle Kirchheim, Ingrid Riedl. „Der Kaffee ist noch gar nicht fertig.“ Doch das macht nichts. Schnell sind alle liebevoll gedeckten Tische besetzt. Immer wieder geht die Tür auf und ein weiterer Gast findet noch ein Plätzchen. Einsame Menschen und solche, die am Rande der Gesellschaft stehen, kommen hier zusammen, um ein paar schöne Stunden zu erleben.

„Sehen Sie den Mann da drüben?“ fragt Ingrid Riedl. „Den habe ich in den ganzen Jahren schon mehrfach eingeladen, heute ist er zum ersten Mal da.“ Der Kontakt ist gewachsen, Beziehungen zu den Diakoniemitarbeitern sind entstanden. Und so überrascht es kaum, dass der Heilige Nachmittag in der Caféteria so gut besucht war wie noch nie zuvor. „Ein bisschen wundert mich das schon, aber wir haben natürlich viele Leute ganz gezielt angesprochen und auf unser Angebot aufmerksam gemacht.“

Die Gäste könnten unterschiedlicher nicht sein. Da gibt es ein paar ältere Damen, die sich in Schale geworfen haben. Dort ein paar junge Männer, die in der Couchecke lümmeln. Oder auch bunt gemischte Grüppchen, die sich aus den Vorjahren kennen. Mund-zu-Mund-Propaganda hat den Heiligen Nachmittag auf 50 Besucher anwachsen lassen. Sie kommen aus dem ganzen Stadtgebiet, einige aus Weilheim und Wendlingen. Auch eine junge Frau im Rollstuhl sitzt am Tisch, der wie überall im Raum mit Tannenzweigen, Mandarinen und Kerzen geschmückt ist.

„Was mich vor allem wundert: Es sind erstaunlich viele Kinder da.“ Einige Mütter und sogar eine ganze Familie sind gekommen. Ingrid Riedl betrachtet den 24. Dezember als besonderen Tag, der in vielen Menschen Erinnerungen weckt oder den Wunsch nach Gemeinschaft. „Manchen wird da erst so richtig bewusst, dass so eine heile Welt für sie selbst gerade nicht nachvollziehbar ist.“

Deshalb setzt sich Ingrid Riedl auch stark dafür ein, dass die Feier genau an diesem Tag stattfinden muss. – Wohl wissend, dass manche ihrer Mitarbeiter gerne frei hätten, um sich ihren eigenen Familien zu widmen. Denn es kostet dann schon Überwindung, bis 18 Uhr Gäste zu bewirten und danach noch „klar Schiff“ zu machen. Aber: „Man kann dieses Gebrochensein, dieses Nicht- mitmachen-Können mit den anderen nur an diesem Tag auffangen.“ Und deshalb bleibt’s für die Diakonieleitung auch dabei, dass für die einsamen oder sozial schwachen Menschen nur der Heilige Nachmittag eine kleine Alternative zur Familienweihnacht sein kann. „Das können wir nicht am 22. oder 23. machen, das geht nur an diesem 24. Dezember.“

Ein paar Stunden sitzen die Menschen zusammen, kommen ins Gespräch, manche Bekanntschaft entwickelt sich, die nach Weihnachten weitergeht. Die Weihnachtsgeschichte wird vorgetragen, gemeinsam singen die Besucher die traditionellen Lieder unterm Tannenbaum, untermalt von Klaviermusik.

Ein nettes Andenken für zu Hause kann jeder Gast noch mitnehmen: Ein kleiner Christstollen liegt für jeden bereit. Die Bäckerei Scholderbeck hat zum Kaffeetrinken auch heuer wieder eine große Menge „süße Stückle“ und reichlich Hefezopf gespendet. Das Festmahl von der Metzgerei Hepperle bestand in diesem Jahr aus Schweine- und Kalbsbraten mit vielen Beilagen, einer Markklößchenbrühe vorweg und Crème brulée beziehungsweise Schokomousse als würdigem Schlusspunkt.

„Der Baum steht, aber er ist noch nicht geschmückt. Das mache ich, wenn ich nach Hause komme.

Ingrid Riedl

Auskunft der Leiterin der Diakonischen Bezirksstelle auf die Frage nach dem Stand ihrer eigenen Weihnachtsvorbereitungen am Nachmittag des 24. Dezember.

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