Lokale Kultur

Die fantastischen Zehn

Junge israelische Jazzband „Ten Species“ begeisterte in der Bastion

Kirchheim. Die Ensemble- Mitglieder der Jazzband „Ten Species“ sind sechzehn Jahre jung und kommen aus der Talentschmiede der Thelma

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Yellin High School of Arts in Givatayim. Im Rahmen der Schulpartnerschaft mit der Jakob-Fried­rich-Schöllkopf-Schule in Kirchheim gehört das Konzert in der Bastion schon zur Tradition. Innovativer Jazz, mit jugendlicher Dynamik erfrischend präsentiert. Ein ganz spezieller Hörgenuss, den das Publikum mit vielfachem Zwischenapplaus honorierte.

Die zwei Sängerinnen und acht Instrumentalisten erstaunten ob ihres musikalischen Talentes, sodass sich der geneigte Zuhörer fragte, wie Tair Visel und Maya Shoer erst singen mögen, wenn sie ein paar Jahre älter sind. Selbige Frage stellte man sich allerdings auch bei den acht Instrumentalisten, Dor Chaviv, Alt Saxophon, Eyal Zur, Tenor Saxophon, Assa Kook, Trompete, Assaf Lokay, Posaune, Asaf Even-Zur, Bariton Saxophon, Joy Shechter, Piano, Daniel Michael Aloni, Bass, und Itamar Katzir am Schlagzeug. Letzterer muss eine besondere Erwähnung finden, spielte Katzir doch trotz fieberhafter Erkältung bravourös. Seinem fabelhaften Drive verdankten die Stücke ihre Intensität. Auch der Verband am linken Handgelenk des Bassisten Aloni war nicht zu übersehen. Die Handicaps in der Rhythmussektion wurden mit erstaunlicher Professionalität und durch das kunstfertige Pianospiel von Shechter mit jugendlichem Elan bestens gemeistert.

Gesungen wurde auf Hebräisch und mit glasklaren Stimmen. Die stimmliche Entwicklung von Tair Visel und Maya Shoer wird mit zunehmender Reife zweifelsfrei noch Erstaunliches hervorbringen. All jenes, was an Seele und Herz und Tiefe in jedem Ton mitschwingt, die Saat des Jazz-Grooves, scheint bei der Jazzband „Ten Species“ aufzugehen. Wie beispielsweise in den Titeln „When god spoke on the first time“ oder „See long see clear“ wunderbar zum Ausdruck kam.

Imponierend vor allem die Arrangements der Band, allesamt Eigenproduktionen der Ensemble-Mitglieder. Eine prickelnde, rasante Mischung aus modernem und traditionellem, zuweilen mediterran swingendem jüdischen Jazz. Raffinierte Partituren zusammengeführt zu reizvollen Arrangements, die Räume öffnen für improvisatorische Ausgelassenheiten.

Die Saxophon-Familie, zusammen mit Trompete und Posaune, versprühten ihre ausdrucksstarken, kontrastreichen Melodien im großartig angelegten Spannungsfeld zur Rhythmusabteilung. Wer in jungen Jahren so zusammenspielt, der muss einen besonderen Unterricht genießen. In der Jazz-Sektion der Thelma Yellin High School werden die Schüler in Arrangement, Harmonielehre, Gehörbildung, Jazzgeschichte, Improvisation, Computertechnik und Ensemble-Spiel unterrichtet.

Die Kulturschule, ein besonderes Aushängeschild Israels, vermittelt neben Jazz auch klassische Musik, Gesang, Malerei, Bildhauerei und Ballett. „Ten Species“, ein aufgewecktes, energiegeladenes Ensemble mit klugen Arrangements, bereitete den Jazzfans große Freude. Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude und so darf man gespannt sein, welche Jazz-Band aus Givatayim nächstes Jahr in der Bastion konzertieren wird.