Kirchheim

Die Fenster für Hecker und Helfferich

Unternehmer 1904 stifteten zwei Schwestern der Martinskirche kunstvolle Fenster zum Andenken an ihre Ehemänner.

Foto: Andreas Volz
Foto: Andreas Volz

Kirchheim. Von Lutherjahr zu Lutherjahr: 2017, im Jahr des Gedenkens an die Thesenveröffentlichung von 1517, wird in Würzburg das mittlere Chorfenster der Martinskirche restauriert, dessen Entstehungsgeschichte ins Jahr 1883 zurückreicht - das Jahr, in dem Martin Luthers 400. Geburtstag begangen wurde. Ausgeführt wurde das Fenster freilich erst 1886 von der Firma Waldhausen und Ellenbeck in Stuttgart, wie Günther Erb auf der Fahrt nach Würzburg berichtete.

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Sein besonderes Interesse galt aber den beiden Fenstern links und rechts - vor allem deren Stiftern. Die Fenster wurden 1904 hergestellt, in der Glasmalerei-Anstalt H. Beiler sen. in Heidelberg. Die Stifter waren zu diesem Zeitpunkt bereits beide verstorben. Deswegen handelt es sich bei den beiden Herren - Theodor Hecker und Emil Helfferich - streng genommen auch gar nicht um die eigentlichen Stifter.

Hecker und Helfferich waren miteinander verschwägert: Sie waren verheiratet mit den Schwestern Pauline und Luise Dauer. Kurz vor der Jahrhundertwende starben beide Schwager innerhalb eines halben Jahres. Die verwitweten Schwestern beschlossen darauf­hin, zur Erinnerung an die Ehemänner die Chorfenster zu stiften.

Der Name Emil Helfferich ist in Kirchheim nach wie vor geläufig: Die gleichnamige Flanschenfabrik existierte immerhin bis 1981. Anders sieht es bei Theodor Hecker aus, den Günther Erb deshalb in den Mittelpunkt stellte. Geboren 1840 in Flacht bei Ludwigsburg, machte er in Kirchheim eine Kaufmannslehre bei August Traub, dem Vater des kirchlichen Wohltäters Ernst Traub. 1868 hat Hecker dieses Geschäft übernommen, in dessen Räumlichkeiten im selben Jahr der Grundstein für den Evangelischen Jünglingsverein gelegt wurde, den späteren CVJM.

Hecker ist in Kirchheim kaum mehr bekannt, wohl aber in Zell im Wiesental, bei Lörrach: Dort war der Unternehmer an der einstigen Spinnerei Feßmann & Hecker beteiligt. Die Firma existiert heute noch: Ans Firmengelände schließt sich sogar eine Theodor-Hecker-Straße an.Andreas Volz