Kirchheim

Die Gefahr lauert im kleinsten Tümpel

Rettung Kinder sind im Wasser weit größeren Risiken ausgesetzt als Erwachsene. Schon wenige Zentimeter Wasserhöhe können manchmal zum Verhängnis werden. Von Daniela Haußmann

Immer wieder werden an den Bürgerseen Rettungsringe zerstört, beklagt der DLRG-Vorsitzende Bastian Sturm.Foto: Daniela Haußmann
Immer wieder werden an den Bürgerseen Rettungsringe zerstört, beklagt der DLRG-Vorsitzende Bastian Sturm.Foto: Daniela Haußmann

Wenn Kinder im Wasser planschen, sollten Eltern die Augen offen halten, damit den Kleinen nichts passiert. Und das aus gutem Grund: Ertrinken gehört neben Ersticken zu den häufigsten Ursachen tödlicher Unfälle bis zum fünften Lebensjahr. Im Alter von eins bis vier rangiert es sogar an erster Stelle der tödlichen Unfälle. „Auch wenn ein Kind nur ‚beinahe‘ ertrinkt - was noch viel häufiger passiert als tödliche Ertrinkungsunfälle -, kann es infolge des Sauerstoffmangels zu bleibenden Behinderungen kommen“, warnt Bastian Sturm, Vorsitzender der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) im Bezirk Esslingen.

Immer wieder erlebt der Experte, dass Erwachsene den Nachwuchs an Gewässern wie den Bürgerseen aus dem Blick verlieren. Und das obwohl die Erfahrung zeigt, dass schon wenige Sekunden der Unaufmerksamkeit den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen können. Hinzu kommt, dass Kinder leichter ertrinken als Jugendliche oder Erwachsene. Der Grund dafür liegt in einigen körperlichen Besonderheiten, die laut Bastian Sturm dazu führen, dass Heranwachsende im Wasser besonderen Gefahren ausgesetzt sind. „Im Verhältnis zu ihrer Gesamtgröße haben Kinder einen sehr großen Kopf“, klärt der Fachmann auf. „Ihr Körperschwerpunkt liegt also höher.“ Wenn die Kleinen ins Wasser fallen, kommen sie deshalb nicht mehr - wie viele Eltern glauben - für einen kurzen Augenblick nach oben. „Sie sinken vielmehr wie ein Stein zu Boden“, so Sturm. „Eine Rolle spielt dabei auch, dass Kinder deutlich weniger Gewicht auf die Waage bringen als eine ausgewachsene Person.“ Der Auftrieb fällt daher deutlich geringer aus. Anders als Erwachsene gehen Kinder aus den genannten Gründen schneller unter. „Teilweise merken Eltern daher gar nicht, dass ihr Kind gerade neben ihnen ertrinkt“, so Bastian Sturm. Gerade deshalb appelliert der Esslinger DLRG-Vorsitzende, den Nachwuchs beim Badespaß nie aus den Augen zu lassen und die Aufsicht nicht auf ältere Geschwister zu übertragen.

Wer glaubt, dass das Risiko zu ertrinken für Kinder in offenen Gewässern am höchsten ist, täuscht sich. Die größte Gefahr geht laut Sturm von Planschbecken aus, in denen sich die meisten Kleinkinder aufhalten. Regentonnen, Bottiche, Springbrunnen, Zier- und Gartenteiche, ja sogar Pfützen können zum tödlichen Verhängnis werden, wie der DLRG-Mann weiß. „Aufgrund ihres hohen Schwerpunktes können Kinder die ins Wasser fallen, nicht einfach die Beine unter den Körper ziehen und wieder aufstehen“, erklärt der Experte. „Säuglinge und Kleinkinder können das Gesicht nicht aus dem Wasser heben, um zu atmen.“ Wenige Zentimeter flaches Wasser reichen aus, damit Kinder, die mit dem Gesicht zu Boden fallen, ertrinken. Zu solchen Zwischenfällen ist es laut Bastian Sturm auch schon im Landkreis Esslingen gekommen.

Um Kinder bestmöglich zu schützen, rät er, Regentonnen und Bottiche mit einem Deckel zu verschließen, Zier- und Gartenteiche einzuzäunen. „Das Kind eines unserer Mitglieder ist beispielsweise in Nachbars Garten in den Teich gefallen“, erzählt Bastian Sturm. „Passiert ist zum Glück nichts, da der Vater das Kind rechtzeitig gesehen hat.“ Dieser Vorfall zeigt, dass es Sinn macht, Zugänge auf das Nachbargrundstück zu schließen, wenn sich dort ein Teich befindet. „Trotzdem sollten Kinder, die sich im Wasser vergnügen, immer lückenlos und ununterbrochen beobachtet werden“, insistiert der Experte und warnt: „Schon nach drei Minuten Sauerstoffmangel sind irreparable Hirnschäden die Folge.“

In den Bürgerseen sieht Bastian Sturm oft Kinder mit Schwimmreifen oder Wassertieren. „Das ist Spielzeug und keine Schwimmhilfe“, so der Fachmann. „Gleiches gilt für Boote, die zudem die Gefahr bergen, dass sie kentern und Personen unter sich begraben. Auf diese Art sind schon Erwachsene ertrunken.“ Zudem rät Sturm vom Bad in fließenden Gewässern ab. Als Beispiel nennt er eine als Dettinger Lido bekannte Stelle in der Lauter, die hinterm E-Werk liegt. „Wenn es flussaufwärts irgendwo regnet, kann ein reißender Strom entstehen. Mit Kindern ist hier Vorsicht geboten“, sagt der DLRG-Vorsitzende, der auch vom Wasserspaß auf dem Neckar abrät. Auf dem Abschnitt zwischen Wendlingen und Plochingen hat er schon Eltern mit wenigen Monate alten Kindern im Bötchen den Fluss hinunterfahren sehen. „Wer mit seinen Kindern sicher schwimmen will, sollte lieber ins Freibad gehen, wo im Notfall stets Hilfe zur Stelle ist“, empfiehlt Bastian Sturm.

DLRG: Frühschwimmer sollten ins Freibad gehen

Viele Senioren gehen in den frühen Morgenstunden an den Bürgerseen schwimmen. Teilweise ziehen sie in dem Gewässer ganz alleine ihre Bahnen. Die DLRG im Bezirk Esslingen macht darauf aufmerksam, dass das im Notfall gefährlich ist, weil niemand da ist, der die Rettungskräfte verständigen kann. Die Organisation rät Frühschwimmern daher, ins Freibad zu gehen, wo Hilfe schnell zur Stelle ist. Außerdem werden an den Bürgerseen immer wieder Rettungsringe zerstört. Im Notfall kann ein intakter Ring Leben retten. Die DLRG bittet deshalb, das Hilfsmittel nicht zu beschädigen.dh

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