Lokale Kultur

"Die Geschäftsleitung läuft Amok"

Beim Kirchheimer Autositzhersteller Recaro spitzt sich die Auseinandersetzung um den von der Geschäftsleitung verordneten Sparkurs zu: Am Dienstag wurden zwei Betriebsratmitglieder, die nicht die Linie der Geschäftsleitung befürworten, unter Fortzahlung der Bezüge von der Arbeit freigestellt. Des Weiteren wurden ihnen Aufhebungsverträge angeboten.

KIRCHHEIM Nachdem die Firma zum Jahresende 2005 die Mitgliedschaft im Arbeitgeberverband gekündigt hat, hat sie Anfang Juli allen Tarif-Beschäftigten Einzelarbeitsverträge angeboten, mit denen alle tarifliche Leistungen wegfallen würden. Ein Großteil der Beschäftigten habe diese Verträge jedoch nicht unterzeichnet, schreibt die Gewerkschaft in einer Pressemitteilung. Alleine bei der IG Metall in Esslingen seien knapp 90 Verträge was mehr als einem Viertel der Betroffenen entspricht hinterlegt worden.

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"Scheinbar ist die Geschäftsleitung deshalb etwas in Panik geraten. Anders ist es nicht zu erklären, dass sie jetzt Amok läuft und versucht, einzelne, unbequeme Beschäftigte mit allen Mitteln los zu werden", so Jürgen Groß-Bounin von der IG Metall Esslingen. "Zudem wird dies der Geschäftsleitung aber gar nicht gelingen. Beide Kollegen werden sich durch die bezahlte Freistellung von der Arbeit nicht von ihrer Betriebsratstätigkeit abhalten lassen. Im Gegenteil: Die Kollegen haben dann sogar noch mehr Zeit für Betriebsratsarbeit", so Groß-Bounin weiter.

Um doch noch mehr unterschriebene Verträge zu bekommen, lade die Personalabteilung die Mitarbeiter zu Einzelgesprächen. Hier rät die IG Metall immer, einen Betriebsrat seines Vertrauens mitzunehmen. Und manche Vorgesetzte würden auch nicht davor zurückschrecken, mit Unwahrheiten Druck auf die Beschäftigten zu machen, schreibt die IG Metall. So werde behauptet, dass diejenigen, die den Vertrag nicht unterschreiben, gekündigt würden. "Das ist juristisch absoluter Nonsens", so Jürgen Groß-Bounin von der IG Metall Esslingen. "Auch Recaro kann sich nicht über das Kündigungsschutzgesetz hinwegsetzen."

Die IG Metall fordert von der Geschäftsleitung eine Tarifvereinbarung über den 31. Dezember 2005 hinaus. Eine betriebliche Tarifkommission wurde bereits gebildet. Diese wird Ende Juli die konkreten Forderungen für die Tarifverhandlungen beschließen.

pm