Europawahl 2019

Die Grünen sind der große Gewinner

Europawahl Im Kreis Esslingen reihen sich die wichtigsten Parteien in derselben Rangfolge ein wie im Bund. Nur die Linke liegt hier hinter den Freien Wählern. Die Verluste der CDU sind überdurchschnittlich hoch. Von Andreas Volz

Weitgehend ins Wasser gefallen ist das Europa-Fest auf dem Platz der kleinen Freiheit in Kirchheim am Samstagabend. Die Talkrund
Weitgehend ins Wasser gefallen ist das Europa-Fest auf dem Platz der kleinen Freiheit in Kirchheim am Samstagabend. Die Talkrundenteilnehmer schützten sich mit Schirmen. Das Foto zeigt von rechts den CDU-Landtagsabgeordneten Karl Zimmermann und den Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Landtag, Andreas Schwarz, Moderator Marc-Oliver Buck, den Landesvorsitzenden der Jungen Europäer, den FDP-Europakandiaten Hubert Romer und den SPD-Landtagsabgeordneten Andreas Kenner.Foto: Markus Brändli

Der Landkreis Esslingen liegt im Trend: Wie im gesamten Bundesgebiet, hat die SPD auch südöstlich von Stuttgart die größten Verluste eingefahren, gefolgt von der Union. Auf der Sonnenseite stehen dagegen die Grünen - mit Steigerungen, die in ihrer Höhe den Verlusten der SPD gleichen. Trotz Unterschieden in den politischen Programmen, die teilweise erheblich sind, gibt es drei weitere Gewinner - im Bund wie im Landkreis: AfD, FDP und Freie Wähler. Zu den Verlierern zählt außer der großen Koalition auch die Linke.

Die Rangfolge der wichtigsten Parteien - die mehr als zwei Prozent für sich verbuchen können - ist im Landkreis fast so wie auch sonst in Deutschland: Vorne liegt die Union mit 29,85 Prozent der gültigen Stimmen, gefolgt von den Grünen (23,16), die die SPD mit 13,69 Prozent deutlich hinter sich lassen. Viertstärkste Kraft im Kreis ist die AfD (9,62) vor der FDP (7,22), die bundesweit mit der Linken ziemlich gleichauf liegt. Im Kreis sieht das ganz anders aus: Hier kommen die Freien Wähler auf 4,64 Prozent, während die Linke nur 2,97 Prozent erreicht.

Auch in den Nuancen gibt es gewisse Unterschiede zwischen der gesamten Republik und dem Landkreis Esslingen: Als Faustregel für die meisten Ortschaften im Kreis gilt ein steter Wechsel von Plus und Minus gegenüber den deutschlandweiten Ergebnissen: Die CDU schneidet hier noch etwas besser ab, die SPD dafür etwas schlechter. Auch die Grünen können im Landkreis mehr Prozentanteile für sich verbuchen als im Bund, die AfD dagegen hat hier etwas weniger Erfolg. So geht es weiter mit FDP (plus) und Linken (minus). Die Freien Wähler wiederum verkaufen sich hier besser als im Bundesschnitt.

Trotz der deutlicheren Unterschiede bei den einzelnen Ergebnissen vom gestrigen Sonntag fallen Gewinne und Verluste gegenüber 2014 im Landkreis häufig geringer aus als in Deutschland allgemein. Zwar verliert die CDU hier immerhin 7,75 Prozentpunkte (gegenüber 7,1 im Bundesdurchschnitt - nach der ZDF-Hochrechnung von 21.45 Uhr), die SPD aber nur 9,82 (statt 11,8). Die Linke fällt im Kreis nur um 0,38 zurück, im Bund um 1,9. Die Grünen gewinnen 9,26 Prozentpunkte hinzu (gegenüber 10,1), und die AfD 2,05 (statt 3,8). Lediglich FDP und Freie Wähler legen im Kreis Esslingen deutlicher zu als in der Bundesrepublik: um 3,02 (2,1) sowie um 1,54 (0,6).

In Kirchheim wiederum fährt die CDU Verluste gegenüber dem Bundestrend ein und landet mit 26,94 Prozent nur noch hauchdünn vor den Grünen (26,75). Die SPD sackt auf 13,31 Prozent ab, was aber ebenso nahe am Landreisdurchschnitt liegt wie die Kirchheimer Ergebnisse der AfD (9,56) und der FDP ((7,41). Die Linke kommt in Kirchheim auf 3,25 Prozent, die Freien Wähler erhalten 3,99.

CDU-Hochburg im Kreis ist Neidlingen (38,61). Die SPD kommt in Altbach auf 17,50 Prozent, das Spitzenergebnis der Grünen beträgt 26,75 in Kirchheim. Erkenbrechtsweiler hat den höchsten AfD-Anteil (15,25).

Ein positiver Trend ist für die Demokratie als solche zu verzeichnen: Unabhängig davon, wer nun welche Partei gewählt hat und wem welche Partei passt oder nicht passt, haben sehr viel mehr Menschen von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht als bei den zurückliegenden Europawahlen: Bundesweit lag die Wahlbeteiligung gestern bei 60,0 Prozent, während es 2014 nur 48,1 Prozent waren. Im Landkreis Esslingen ist dieser Trend in gleicher Weise festzustellen. Lag die Wahlbeteiligung vor fünf Jahren noch bei 53,86 Prozent, hat sie jetzt deutlich angezogen: In den 44 Kommunen in Landkreis lag sie gestern bei durchschnittlich 65,70 Prozent.

Die stärkste Wahlbeteiligung haben traditionell die kleineren Kommunen zu bieten. Ganz vorne liegt Notzingen mit 77,37 Prozent. Abgeschlagen, aber immer noch über dem Schnitt von 2014, belegt Neckar­tenzlingen den hintersten Rang mit 55,26 Prozent. Esslingen, Nürtingen und Kirchheim kommen auf Werte zwischen 61,49 und 61,86 Prozent.

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