Lokale Wirtschaft

Die Innenentwicklung fördern

Mitgliederversammlung von Haus und Grund Kirchheim und Umgebung

Wahlen und ein Referat von Stadtplaner Gernot Pohl über die Stadtentwicklung in Kirchheim waren die Themen der Frühjahrsmitgliederversammlung von Haus und Grund Kirchheim und Umgebung.

Kirchheim. Über zweihundert Interessierte konnte Reinhard Spieth, der Erste Vorsitzende von Haus und Grund, begrüßen. Spieth informierte über die Initiative des Landesvorsitzenden von Haus und Grund, Michael Hennrich, der die Forderung an die Bundesregierung gerichtet hatte, die Kosten der energetischen Sanierung von Immobilien von der Steuer absetzen zu können.

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Auch auf das Thema der demografischen Entwicklung ging Reinhard Spieth ein. Es gebe momentan einen Trend zur Reurbanisierung. Menschen, die in den 70er- und 80er-Jahren aufs Land zogen, würden wieder verstärkt in die innerstädtischen Bereiche ziehen. Dort hätten sie kurze Wege zum Einzelhändler und zur ärztlichen Versorgung. Spieth prognostizierte für den Landkreis Esslingen einen deutlichen Wohnungsbedarf. „Im ländlichen Raum wird es allerdings Probleme geben, weil dort der Bedarf an Wohnungen sinkt.“

Weil der Verein für die Mitgliederzeitung einen steigenden Preis erwartet, werde ab 2014 der Mitgliedsbeitrag von Haus und Grund angehoben werden müssen, kündigte Reinhard Spieth an. Er dankte den Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle Elfriede Natto und Marianne Fischer. Insgesamt 780 Beratungen hätten die Mitglieder in Anspruch genommen. Spieth wertete dies als Zeichen dafür, dass der Verein mit seinen Beratungsangeboten richtig liege. Gut angenommen würden auch die Seminare. Für dieses Jahr sind laut Spieth je ein Informationsseminar zum Mietrecht und zum Thema Patientenverfügung geplant.

Momentan prüfe der Verein, der aktuell rund 2 150 Mitglieder hat, die Ausweitung des Vereinsleistungsspektrums. Es werde vonseiten des Vorstands erwogen, die Vereinsmitglieder bei der Abnahme von Wohnungen zu unterstützen.

Einstimmig wählte die Versammlung die bisherigen Ausschussmitglieder Eberhard Bischof, Stefan Hägele, Stephanie Heemann, Günter Lang und Ulrich Schäufele für weitere sechs Jahre in ihr Amt. Für zwei Jahre bestätigten die Mitglieder Edith Fuchs und Thomas Weise als Kassenprüfer.

Anschließend stellte Gernot Pohl, der Leiter des Geschäftskreises Planung der Stadt Kirchheim, das Thema Stadtentwicklung aus Sicht der Verwaltung dar. Bis zum Jahr 2030 werde die Zahl der über 50-jährigen Menschen deutlich zunehmen, während die Zahl der unter 50-Jährigen abnehme. Das beeinflusse die Art der Immobilien, die nachgefragt werden. „Junge Familien wollen das Haus immer noch auf der Wiese, schätzen aber zunehmend auch die Innenstadt mit ihren kurzen Wegen als Wohnort“, sagte Pohl. Ältere Menschen ziehen ebenfalls vermehrt in die Stadt, um die nahen Wege zur Infrastruktur zu nutzen.

Die Altersgruppe der 30- bis 45-Jährigen seien diejenigen, die vorrangig Immobilienersterwerber seien. Deren Zahl nehme in den nächsten 15 Jahren um 20 Prozent ab, teilte Pohl mit. Die Stadt Kirchheim setze deshalb auf die Innenentwicklung. 1998 sei in Nabern das letzte Baugebiet erschlossen worden. Um die Innenentwicklung voranzubringen, sei ab 2006 ein Baulückenkataster erstellt worden. 250 Baulücken sind dadurch in Kirchheim entdeckt worden. Seit 2009 konnten 16 dieser Baulücken an Interessierte vermittelt werden.

Im Fokus stehen zudem laut Pohl ehemalige Fabrikgelände. Das Otto-Ficker-Areal soll zu einem Freizeitzentrum umgewidmet werden. Pohl nannte auch das Gelände des ehemaligen Hallenbads. Dort werden Einfamilienhäuser für junge Familien entstehen. Auch der Güterbahnhof sei jetzt von der Stadt erworben worden. Ziel sei es, durch die Stadtentwicklung das Bahnhofsareal näher an die Stadt heranzuführen. Die Stadt habe deshalb den Güterbahnhof erworben und beabsichtige, das Steingauareal als Stadtquartier mit einer Mischung aus Gewerbe, Kultur und Wohnen zu erschließen. Vorbild hierfür sei das Französische Viertel in Tübingen, wo auf dem Gelände einer ehemaligen Kaserne eine vorbildliche Stadtentwicklung geschehen sei. Pohl möchte dadurch die Stadt in Richtung Bahnhof entwickeln.

Erfreut zeigte sich der Redner darüber, dass im Einzelhandelsgutachten 2004 Kirchheim bescheinigt wurde, dass insgesamt 150 000 Kunden aus der Region dort einkaufen. Ein zunehmendes Problem sei der Leerstand, der sich in den nächsten Jahren in den Wohngebieten bemerkbar machen werde. Von den rund 9 600 Menschen, die in den Wohngebieten aus der Zeit von den 60er-, 70er- und 80er-Jahren erschlossen worden sind, seien 26 Prozent über 65 Jahre alt. Die Wohnwünsche dieser Altersgruppe würden sich in Zukunft wandeln, wodurch weitere rund 1 000 bestehende Wohneinheiten aus dieser Zeit zusätzlich auf den Immobilienmarkt kämen. Es träfe hier ein ansteigendes Angebot von unterschiedlichen bebauten und unbebauten Grundstücken auf eine demografisch bedingt abnehmende Nachfrage nach Immobilien.