Kirchheim

Die Kirche bleibt im (Lin)-Dorf

Die Matthäuskirche wird derzeit generalüberholt – Kosten belaufen sich auf 373 000 Euro

Die Evangelische Gesamtkirchengemeinde hat in Kirchheim viele „Baustellen“. Jetzt ist eine neue dazugekommen: in der Lindorfer Matthäuskirche.

Eine Kirche als Baustelle: So präsentiert sich seit Mitte April die Matthäuskirche in Lindorf. Bis Anfang September wird die Ele
Eine Kirche als Baustelle: So präsentiert sich seit Mitte April die Matthäuskirche in Lindorf. Bis Anfang September wird die Elektrik rundum erneuert - ebenso das Heizsystem. Der Gemeindesaal erhält eine Dämmung, es gibt einen neuen Boden und die Decken werden mit heller Farbe gestrichen.Fotos: Carsten Riedl

Kirchheim. Hauptbaustelle der Kirchheimer Kirchen ist sicherlich die Martinskirche, die sich gerade mitten im zweiten Bauabschnitt befindet – in der Außensanierung. Eine Nebenbaustelle der Martinskirche ist die Orgelinstandsetzung. Eine weitere Nebenbaustelle hat die Gesamtkirchengemeinde gerade erst abgeschlossen: die Innensanierung der Christuskirche. Fast zeitgleich mit dem Ende des Umbaus am Gaiserplatz hat in Lindorf der nächste Kraftakt begonnen. Beinahe 60 Jahre nach ihrem Entstehen erfährt die Matthäuskirche ihre erste umfangreiche „Schönheitsreparatur“.

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Allerdings steht die Ästhetik keineswegs im Mittelpunkt der aktuellen Arbeiten. Grundlegende Probleme stellten vielmehr die Elektro- und die Heiztechnik dar, die beide eng zusammenhängen. Anfang der 1960er-Jahre war im Fall der Lindorfer Kirche das Heizen mit Nachtspeicheröfen der letzte Schrei. Bis jetzt war das die einzige Heizmöglichkeit für den Gemeindesaal – mit der Schwierigkeit, dass sich die Heizung überhaupt nicht steuern ließ. Die eigentliche Kirche dagegen wurde mit Heizstrahlern unterhalb der Kirchenbänke beheizt. Diese Strahler waren aber schon seit geraumer Zeit defekt. Technische Mängel hatten sogar zu einer erhöhten Brandgefahr geführt.

Kirchenpfleger Bernd Kemmner spricht also von „akutem Handlungsbedarf“ in Lindorf. Begonnen hatte das Handeln mit der Abkopplung des Pfarrhauses von der Energieversorgung der Kirche und des Gemeindesaals. Seit drei Jahren hat das Pfarrhaus nun eine eigene Pelletsheizung. Für die Kirche kommt eine solche Lösung allerdings nicht in Frage. „Es gibt weder den Raum für eine Heizzentrale noch gibt es Lagermöglichkeiten für Brennstoffe“, stellt Bernd Kemmner bedauernd fest. Deshalb soll der Gemeindesaal auch nach Abschluss der Bauarbeiten wieder elektrisch beheizt werden – mit einer deutlichen Verbesserung: Die neue Heizung ist steuerbar. Auch die Heizstrahler in der Kirche werden nicht durch eine neue Technologie abgelöst, sondern nur durch neue Geräte.

Auch sonst verbessert sich die Energiebilanz des Gebäudes, wobei es eine Art Schmankerl beim Stichwort „Dämmung“ gibt. Bernd Kemmner: „Wir hatten die Befürchtung, dass wir es mit Asbest zu tun kriegen, wenn wir die alte Dämmung unter dem Dach des Gemeindesaals entfernen. Aber dann mussten wir feststellen: Es war überhaupt keine Dämmung vorhanden.“ Das wird nun nachgeholt: Die Dämmung soll dafür sorgen, künftig Heizkosten zu sparen.

Wenn nun aber schon die Heizung und die Elektrik ausgetauscht werden, wird auch gleich die ganze Kirche überholt. Sie werde zwar am Ende nicht sehr viel anders aussehen als vorher, betonen Kirchenpfleger Kemmner, Pfarrerin Rosemarie Fröhlich-Haug und Dekanin Renate Kath unisono. Aber es gibt einen neuen Boden und eine frisch gestrichene Decke, sodass die Räume insgesamt heller und freundlicher werden.

Die Kosten belaufen sich auf 373 000 Euro. 100 000 Euro hat die Kirchengemeinde Lindorf aus Eigenmitteln aufzubringen – vielmehr die inzwischen fusionierte Kirchengemeinde Lindorf und Ötlingen. 169 000 Euro steuert die Evangelische Gesamtkirchengemeinde bei. Der Rest wird über alle möglichen kirchlichen Zuschüsse finanziert. Vom Lindorfer Eigenanteil fehlen noch ungefähr 35 000 Euro, weshalb die Kirchengemeinde dringend um Spenden bittet.

Die Mithilfe der Gemeindeglieder ist allerdings auch schon tatkräftig erfolgt: Beim Ausräumen der Kirche gab es viele freiwillige Helfer. Etliche kamen auch aus Ötlingen, wie Pfarrerin Fröhlich-Haug betont: „Die Fusion wird dadurch schon viel selbstverständlicher.“ Überhaupt rücken Lindorfer und Ötlinger jetzt kirchlich enger zusammen: Gottesdienste finden in der Ötlinger Johanneskirche statt, von Lindorf aus wird bei Bedarf ein Fahrdienst organisiert. Ansonsten feiern die Lindorfer etliche Gottesdienste im Freien, unter anderem die Gottesdienste im Grünen an den Bürgerseen. Gruppen und Kreise müssen sich auch ein bisschen umstellen. Entweder machen sie Ausflüge oder sie sind vorübergehend in anderen Räumen untergekommen, beispielsweise im Rathaus oder im Bürgerhaus. Was dagegen bis zum Herbst ausfällt, ist das Mittagessen des „Kochtöpfle“-Teams.

Wenn alles nach Plan läuft, müssen die Lindorfer nur knapp fünf Monate auf ihre Kirche verzichten. Zum Ende der Sommerferien sollen wieder Gottesdienste in der Matthäuskirche stattfinden. Offizielle Wiedereinweihung ist dann am 25. September: mit einer gemeinsamen Erntedankfeier von Lindorfern und Ötlingern. Mit von der Partie sind auch die Schlepperfreunde. Auch das wird die Fusion wieder ein Stück voranbringen. Weiter wird sich zeigen: Die Kirche bleibt im Dorf – und noch ist Matthäi nicht am letzten.

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