Lokale Wirtschaft

"Die Kosten müssen runter"

Der Kirchheimer Autositz-Hersteller Recaro will die Personalkosten drastisch senken. Unter anderem ist die unbezahlte Verlängerung der Arbeitszeit auf 40 Stunden ab Januar 2006 vorgesehen.

FRANK HOFFMANN

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KIRCHHEIM "Wir haben am Standort Kirchheim ein Kostenproblem", gibt Horst Kespohl, Vorsitzender der Recaro-Geschäftsführung, unumwunden zu. Der Grund seien vor allem deutlich geringere Deckungsbeiträge bei neuen Produkten und Aufträgen. "Die Verhandlungen mit unseren Kunden sind deutlich härter und die Gewinnmargen entsprechend kleiner geworden", beschreibt Kespohl das Dilemma. Wenn es nicht gelinge, die Produktionskosten zu senken, drohe ein Abrutschen in die Verlustzone. Die Geschäftsleitung des renommierten Unternehmens hat dem Standort Kirchheim deshalb ein Sparprogramm verordnet, das langfristig zu einer Kostensenkung in der Größenordnung von vier Millionen Euro führen soll.

In einem ersten Schritt fordert die Geschäftsleitung die unbezahlte Verlängerung der Arbeitszeit für die rund 380 Kirchheimer Recaro-Mitarbeiter auf 40 Stunden ab Januar kommenden Jahres. "Dadurch sparen wir 1,8 bis 1,9 Millionen Euro ein", sagt Horst Kespohl. Weitere Schritte müssten folgen, konkrete Vorschläge gebe es allerdings bislang noch nicht.

Diesen Weg zur Kostenreduzierung gehe die Geschäftsleitung im Einvernehmen mit dem Betriebsrat, betont der Manager und hofft auch auf die Zustimmung der Belegschaft. Das Unternehmen hat die Mitgliedschaft im Arbeitgeberverband auf Jahresende gekündigt und in dieser Woche damit begonnen, allen Beschäftigten Einzelarbeitsverträge auszuhändigen.

Für die IG Metall ist dieses Vorgehen "dreist und unverschämt", schreibt die Gewerkschaft in einer gestern Abend verbreiteten Pressemitteilung. Recaro fordere eine drastische Senkung der Personalkosten und drohe alternativ mit Verlagerungen, bis hin zur Schließung des Standorts. Die langfristig geforderten vier Millionen Euro entsprächen etwa einem Viertel der gesamten Personalkosten und würden für jeden Beschäftigten Einkommensverluste in Höhe von durchschnittlich 10 000 Euro pro Jahr mit sich bringen. "Eine Summe, auf die mit Ausnahme der leitenden Angestellten niemand verzichten kann," sagt Jürgen Groß-Bounin, Gewerkschaftssekretär bei der IG Metall Esslingen. Zumal die Recaro-Beschäftigten bereits in den vergangenen Jahren sowohl beim Lohn als auch den sonstigen Arbeitsbedingungen spürbare Einschnitte hätten hinnehmen müssen.

In den ersten Gesprächen zwischen IG Metall und Geschäftsleitung gab es keine Annäherung. Die Kompromissvorschläge der Arbeitnehmerseite wie Altersteilzeit, Einführung des Einheitlichen Entgeltrahmens (ERA) oder Arbeitszeitflexibilisierung wurden von der Geschäftsleitung als unzureichend abgelehnt. "Das hätte lediglich Einsparungen in der Größenordnung von 0,4 Millionen Euro pro Jahr gebracht", begründet Recaro-Geschäftsführer Kespohl die Haltung.

Eine unbezahlte Verlängerung der Arbeitszeit auf 40 Stunden kommt dagegen für die IG Metall nicht in Frage, "zumal nicht einmal klar ist, ob die neuen Aufträge eine Beschäftigung für 35 Stunden in der Woche sichern", betont Jürgen Groß-Bounin. Bei den derzeitigen Auftragsschwankungen in der Automobilindustrie sei zu befrüchten, dass eine Arbeitszeitverlängerung zum Abbau von Arbeitsplätzen führt. Die IG Metall hat deshalb alle Kirchheimer Recaro-Mitarbeiter gebeten, die Arbeitsverträge nicht zu unterzeichnen. Gleichzeitig fordert sie Recaro auf, von ihrer Maximalforderung abzurücken und an den Verhandlungstisch zurückzukehren.