Lokale Wirtschaft

Die Krankenkasse und die Gogo-Engel

Was dürfen Kranke und was nicht? Was sollen sie und was sollen sie nicht? Diese Frage wird in den letzten Wochen (seit die AOK die Bewegungsübungen im Beurener Thermalbad nicht mehr zahlt) heftig diskutiert. Für Kopfschütteln bei manchen sorgte nun eine Aktion der BKK Scheufelen: Sie sponserte eine "Dirty-X-Mas-Party" in einer Frickenhauser Diskothek.

JÜRGEN GERRMANN

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FRICKENHAUSEN Schon die Ankündigung derselben war höchst spektakulär: "Lasst euch von zwei heißen Gogo-Engeln verzaubern, die euch topless die ganze Nacht verführen", hieß es da. Zu allem Überfluss kam es am Ende der "Dirty Party" dann auch noch zu einer Messerstecherei, bei der zwei Männer im Alter von 25 und 24 Jahren schwer verletzt wurden.

Ob es zu den Aufgaben einer Krankenkasse gehört "Dirty Partys" zu unterstützen: Das ging so manchem schon vor der Veranstaltung durch den Kopf. Diese Frage beantwortete Wolfgang Allgaier, stellvertretender Vorstand der BKK Scheufelen. "Wir haben ein breit gestreutes Werbeumfeld", sagte der. So habe man sich auch bei der Weihnachtsaktion des Radiosenders Antenne 1 engagiert. Die Aktion in Frickenhausen habe "sicher ein paar Euro gekostet, aber eher im zweistelligen Bereich." Sollte es wahr sein, dass es dabei "zweifelhafte Aktionen am Rande" gegeben habe, werde man natürlich die Konsequenzen ziehen.

Ganz allgemein bemühe man sich aber, "mit unterschiedlichen Medien unterschiedliche Kreise zu erreichen." Allgaier: "Die 18- bis 25-Jährigen sind eben über die herkömmlichen Wege nur schwer zu erreichen. Wir aber wollen auch an die Berufsstarter und die Azubis ran." Wenn man derlei Aktivitäten kritisch beäuge, dann müsse man aber auch in die Tiefe einsteigen und "genau hinterfragen, was wie viel bringt." So setzten AOK und DAK Millionenbeträge für bundesweite Radio-Kampagnen ein: "Da sprechen wir über ganz andere Dimensionen. Was das Marketing von Krankenkassen anbelangt, so können sich unsere Zahlen wahrlich sehen lassen."

Der Vorstand konzedierte, dass eine "Dirty Party" nichts mit Gesundheitsförderung zu tun habe: "Das war eine reine Werbesache. Und es da allen recht zu machen ist fast unmöglich." In Zukunft werde man aber genau prüfen, ob man einen derartigen "Event" unterstütze: "Es steckte auf keinen Fall böse Absicht dahinter."

Ganz generell sei der Kurs seiner Kasse aber sicher richtig: "Mit einem Beitragssatz von 11,9 Prozent sind wir die günstigste Kasse, die ihren Sitz in Baden-Württemberg hat. Allein im letzten Monat hatten wir 2000 Neueintritte. Was andere Schulden haben, haben wir auf der hohen Kante. Als wir uns 2004 geöffnet haben (allerdings nur für Baden-Württemberger), haben wir 4000 Versicherte betreut. Jetzt sind es 35 000."