Lokale Wirtschaft

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt bleibt angespannt

Trotz konjunktureller Erholung ging auch im Agenturbezirk Göppingen die Zahl der Arbeitslosen im September nur leicht zurück. Die Erwerbslosenquote sank um 0,1 Punkte auf 5,2 Prozent.

GÖPPINGEN "Es ist ernüchternd, wenn sich die erfreuliche Entwicklung der Auftragseingänge des für uns so wichtigen Maschinen- und Werkzeugbaus nicht positiv durch weniger Arbeitslosmeldungen niederschlägt", zeigt sich Bernd Hofmann, Direktor der Agentur für Arbeit in Göppingen, besorgt über die ungebrochen hohe Zahl an Menschen, die Monat für Monat den Job verlieren. "Seit Monaten finden Arbeitslosmeldungen in Größenordnungen statt, die früher nie erreicht wurden. Allein im vergangenen Monat haben sich mehr als 4 400 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet, fast 2 200 waren unmittelbar davor erwerbstätig. Das gab es in einem September noch nie."

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Hofmann macht aber auch deutlich, dass der Markt dennoch reichlich Chancen bietet. Immerhin haben mehr als 1 700 Personen im September eine Arbeit aufgenommen, 13 700 seit Jahresbeginn. Dass die Arbeitslosigkeit sinkt, obwohl mehr Menschen ihre Erwerbstätigkeit verloren haben, ist im September auf den Beginn von schulischen und betrieblichen Ausbildungen zurückzuführen, vor allem aber auf die Ausweitung der aktiven Arbeitsmarktpolitik. Fast 400 Menschen haben eine Ausbildung begonnen, knapp 800 eine Arbeitsförderung, wie zum Beispiel eine berufliche Weiterbildung oder eine Trainingsmaßnahme.

Die Entwicklung ist im September in den beiden Landkreisen des Bezirks ziemlich ähnlich verlaufen. Das kann allerdings nicht darüber hinweg täuschen, dass die Arbeitsmarktlage trotz der räumlichen Nähe innerhalb des Bezirks erstaunlich unterschiedlich ist. Die Arbeitslosenquote reicht von 4,1 Prozent bei der Geschäftsstelle Leinfelden-Echterdingen bis zu 7,4 Prozent bei der Geschäftsstelle Geislingen. Der Landkreis Esslingen steht mit einer Arbeitslosenquote von 4,8 Prozent noch gut da. Dagegen verliert der Landkreis Göppingen mit einer Quote von 6,2 Prozent immer mehr an Boden. Wie stark die beiden Landkreise auseinander driften, macht der Vergleich mit dem Vorjahr deutlich: Im Landkreis Göppingen hat die Zahl der erwerbslosen Menschen um mehr als zehn Prozent zugenommen, im Landkreis Esslingen um 1,6 Prozent. Während in Göppingen die Arbeitslosenquote um 0,6 Punkte kletterte, waren es in Esslingen, wie auch im Durchschnitt Baden-Württembergs, nur 0,1 Punkte.

Mit der aktuellen Arbeitslosenquote von 5,2 Prozent belegt der Bezirk Göppingen in Baden-Württemberg den dritten Rang; nur Ludwigsburg und Ravensburg haben weniger Arbeitslose. Im Bereich der Geschäftsstelle Kirchheim sank die Arbeitslosenquote im September von 5,4 auf 5,3 Prozent.

Wegen des Ausbildungsbeginns waren Ende September wieder weniger als 3 000 jüngere Menschen unter 25 Jahren arbeitslos. Ihre Zahl ging um fast 250 auf etwas mehr als 2 850 zurück. Dagegen verfestigt sich die Arbeitslosigkeit bei immer mehr Frauen und Männern. Derzeit haben schon mehr als 5 800 Personen seit mindestens einem Jahr keine Erwerbstätigkeit mehr ausgeübt. Hofmann befürchtet, dass die Zahl zum Jahresende deutlich über 6 000 liegen wird. Bei den Stellenangeboten ist der erhoffte Anstieg auch im September ausgeblieben. Das ist vor allem deswegen bedauerlich, weil die Unternehmen nach dem beendeten Betriebsurlaub ihren Personalbedarf für das Restjahr planen und üblicherweise im September und Oktober vermehrt einstellen. Auch wenn das Vorjahresniveau fast erreicht ist, sind die etwas mehr als 1 300 gemeldeten freien Arbeitsplätze dafür zu wenig. Die Zahl der Kurzarbeiter hat im September, wie immer nach der Urlaubszeit, zugenommen. Insgesamt hatten etwa 160 Betriebe mit knapp 1 400 Beschäftigten wegen Auftragsmangels auf Kurzarbeit umstellen müssen. Vor allem sind Beschäftigte aus dem Baugewerbe und dem Maschinenbau betroffen.

aa