Lokale Wirtschaft

Die Maut zahlt der Kunde

Auch wenn die Spediteure im Landkreis Esslingen bestätigen, dass die Lkw-Maut ohne größere Probleme gestartet ist, haben sie dennoch Grund zum Stöhnen. Die neue Gebühr verursacht viel Verwaltungsaufwand, der Zeit und damit Geld kostet. Wer die Maut letztlich bezahlen wird, steht fest: der Kunde.

PETRA PAULI

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KREIS ESSLINGEN "Wer behauptet, dass auf die Verbraucher kein Cent an Mehrkosten zukommt, der lügt schlichtweg", sagt Oliver Blickle, Geschäftsführer der gleichnamigen Spedition in Nellingen. Für sein Unternehmen sei von Anfang klar gewesen, "dass die Maut zu 100 Prozent an den Kunden weitergegeben wird".

Allen, die anderes behaupten, steht Blickle skeptisch gegenüber: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die sich das lange leisten können. Irgendwann ziehen sie nach oder gehen pleite." Denn die Spediteure seien ohnehin durch hohe Dieselpreise, Ökosteuer und gestiegene Lohnkosten "geplagt und gepeitscht". Um fünf bis zehn Prozent hat Blickle deshalb die Preise angehoben.

Auch Timo Stephan, Leiter der Speditionsabteilung von Rhenus in Plochingen, sieht keinen anderen Ausweg, als die Kosten weiterzugeben: "Wir können das auf keinen Fall tragen". Doch beliebig lässt sich an der Preisschraube nicht mehr drehen, meint Oliver Blickle: "Der Markt gibt nicht mehr viel her." Zudem werde auf die Speditionen der Druck steigen, Leerfahrten seien auf jeden Fall zu vermeiden, so Timo Stephan, denn die kommen die Unternehmen fortan doppelt teuer.

Bevor die Maut startete, waren die Spediteure auch damit beschäftigt, bei ihren Kunden, die die Maut durch höhere Preise auffangen sollen, Überzeugungsarbeit zu leisten. "Das war teilweise harte Verhandlungsarbeit", sagt Erika Seibt von der Esslinger Spedition Diehl.

Um den Kunden vor Augen zu führen, wie die neuen, gestiegenen Preise zu Stande kommen, weist beispielsweise die Firma Rhenus auf ihren Rechnungen die Maut extra aus. So wie es derzeit aussieht, dürften die Transportunternehmen aber auf jeden Fall auf einigen Kosten, die die Maut mit sich bringt, sitzen bleiben: Vor allem der Verwaltungsaufwand sei gestiegen, sagen die Spediteure übereinstimmend. So müssen die Abrechungen von Toll Collect intensiv geprüft werden und die Fahrer müssen künftig noch genauer Buch darüber führen, welche Strecke sie gefahren sind. Auch die fehlgeschlagenen Versuche, die Maut einzuführen, haben bereits Geld gekostet. "Für den Ein- und Ausbau der so genannten On-Board-Units standen die Lastwagen jedes Mal in der Werkstatt konnten also nicht eingesetzt werden", sagt Erika Seibt.

Dass die Maut doch noch pünktlich zum neuen Jahr startete, hatten viele nicht mehr für möglich gehalten. "Ich hab' nicht mehr recht daran geglaubt", sagt Thomas Strehl. Der Disponent der Spedition Ludwig Meyer aus Neuhausen hat sich in der Nacht auf Montag selbst ans Steuer eines Lastwagens gesetzt und sich persönlich davon überzeugt, wie das Mautsystem in der Praxis funktioniert. Sein Urteil, das sich mit dem der anderen Spediteure deckt: "Es lief alles gut."

Kleinere Probleme gab es lediglich, als er sich für zwei Fahrzeuge, bei denen noch kein Mautcomputer eingebaut war, online registrieren lassen wollte. Zweimal sei der Computer abgestürzt, möglicherweise einfach deshalb, weil das System überlastet war.