Lokale Kultur

Die Orgelmaus als Fernsehstar im Kirchenschiff

KIRCHHEIM An die Tradition der letzten Jahre anknüpfend, die Orgel aus ihrer nach Ansicht vieler verstaubten Ecke zu holen und eine Begegnung anderer Art zu ermöglichen, stand in der Ulrichskirche die "Orgelmaus" von Karl-Peter Chilla auf

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WINFRIED MÜLLER

dem Programm. Musiziert wurde dabei auf der 1999 erbauten Orgel der Firma Göckel. Das Instrument wusste dabei wiederum wie in der Orgelnacht im Juli durch seine klangliche Konzeption und die Fülle faszinierender Klangfarben zu gefallen.

Schon der Beginn weckte bei den vielen Besuchern große Spannung, weil das Geschehen auf der Orgel mittels einer Kamera direkt auf der Großleinwand im Altarraum der Kirche zu verfolgen war. Fasziniert lauschten die Besucher dem einleitenden Orgelstück von Justinus Heinrich Knecht, gespielt von dem Göppinger Dekanatskirchenmusiker Thomas Gindele, der im weiteren Verlauf die Rolle des von vielen Fragen "gelöcherten" Organisten übernahm. Besonders beeindruckend war es auch für die vielen Erwachsenen, einem Organisten einmal quasi über die Schulter schauen zu können.

Doch bald wurde in der Ulrichskirche die Bahn eines gewöhnlichen Gesprächskonzerts verlassen und mit dem Auftreten der Orgelmaus "Charly" gespielt von der Ulmer Schauspielerin Hanna Münch begannen die beiden Protagonisten einen launigen Dialog über Aufbau und Funktionsweise der Orgel. Das vom Organisten vorgesehene Stück, Johann Sebastian Bachs bekannte Toccata d-Moll, wurde von da ab ständig durch neugierige Fragen der Maus unterbrochen.

Ohne pädagogischen Zeigefinger erfuhren die Besucher, aus welchem Material die Pfeifen gefertigt sind, wie der Ton entsteht, warum es so viele Pfeifen gibt, wo der Ton herkommt, wozu die vielen Knöpfe dienen, seit wann es Orgeln gibt und vieles mehr. Zur Verdeutlichung wurde unter anderem auf einzelnen Pfeifen geblasen oder die Funktionsweise einer Trompete demonstriert. Dazu erklang immer wieder schöne Musik die mal auf Kinderliedern basierte oder auf bekannte Melodien zurückgriff eine schöne und gelungene Idee, das große Ausdrucksspektrum der Orgel vozustellen.

Durch das hinreißende, ausdrucksstarke Spiel der Schauspielerin Hanna Münch, die nicht nur durch ihre in kindlicher Naivität gestellten Fragen zu begeistern wusste, sondern auch besonders bei den Orgelstücken mitlebte und die Kinder immer wieder einbezog, verfolgte das Publikum aufmerksam das Geschehen ohne die sonst oft entstehenden "Konzentrationslöcher". Unterstützt wurde sie dabei von Thomas Gindele, der die Rolle des ob der Unterbrechungen der vielen Fragen etwas genervten Organisten bravourös spielte und mit großer Spielfreude zwischen seinem Part als launigem Antwortgeber und professionellem Organisten wechselte.

Als dann die Kinder die Gelegenheit erhielten, ihren Platz zu verlassen und die Orgel aus der Nähe zu besichtigen, gab es kein Halten mehr.

Auch mit diesem Gesprächskonzert wurde das Anliegen des Kirchenmusikers Thomas Specker aufs Vortrefflichste unterstützt, Orgelmusik und Orgelbau einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die große Begeisterung, die solche Konzerte stets hervorrufen, ist ein Indiz dafür, dass es auch heute noch gelingen kann, die Orgel aus ihrem Schattendasein herauszuholen und als die Königin der Instrumente vorzustellen.

Diese Bereicherung des städtischen Kulturangebots wird zusätzlich durch die enge Kooperation von Thomas Specker mit Kindergärten und Schulen vorbildlich umgesetzt. Die großzügigen Spenden werden alle für das Orgelprojekt Maria Königin verwendet. Hier wird demnächst der Auftrag zum Bau einer Orgel erteilt. Baubeginn soll in ungefähr zwei Jahren sein.