Kirchheim

„Die rote Zora“ ist noch immer aktuell

Theaterstück Die Klasse 8 der Waldorfschule Kirchheim wagte sich in ihrer jüngsten Inszenierung an den Kinderbuchklassiker „Die rote Zora“ von Kurt Held – mit Erfolg. Von Ulrich Staehle

Fotos: Carsten Riedl
Fotos: Carsten Riedl

Schülertheater total - „Die rote Zora“ in der dramatischen Umsetzung des 1941 erschienen Kinderbuchklassikers von Autor Kurt Held, der wegen seines Engagements in der KPD 1933 in die Schweiz emigrieren musste. Eine Fernsehserie und eine Verfilmung mit Mario Adorf, zeugen von der zeitlosen Brisanz des Werkes. Es geht um verwaiste Kinder, die Hilfe nötig haben - man muss nicht lange suchen, um aktuelle Bezüge zur heutigen Flüchtlingsproblematik herzustellen. Im Roman versammeln sich um die rothaarige Zora, ein besonders couragiertes Mädchen, die Kinder, die auf sich selbst angewiesen sind. Sie schließen sich zu einer Bande zusammen, die ihnen Heimat und ein Auskommen gibt. Not kennt kein Gebot. „Alle Hungernden stehlen“, stellt Zora fest.

Anzeige

Nicht nur wegen des Themas eignet sich „Die rote Zora“ für ein Schultheater, es passt auch gut zum Lehrplan der Klasse 8 der Waldorfschule. Sechs bis acht Wochen steht Theaterspiel im Mittelpunkt des Unterrichts. Alle Schüler sollten mitspielen. Bei „Die rote Zora“ sind eine Anzahl Rollen gleich in der „Bande“ untergebracht, ebenso in der Gegenbande, den bösen „Gymnasiasten“, den Feinden der „Uskoken“ der „roten Zora“.

Um solche Scharen auf der Bühne bändigen zu können, war neben dem hingebungsvollen Einsatz des Klassenlehrers Martin Jäger professionelle Hilfe nötig. Die Theaterpädagogin Sabine Riedl führt die Spieler sicher durch den bunten Szenenreigen des Spieltextes, in den immer wieder Erzählpassagen eingeflochten sind. Vor allem in den heiklen Kampfszenen zeigt sich die Handschrift der Regisseurin. Sie nützt die reichlich vorhandenen Spielstätten, inklusive einer Hebebühne vor der Hauptbühne.

Man staunt über die verschiedenen Bühnenbilder und über die farbigen Kostüme. Aber natürlich steht das erfrischende und authentische Spiel der Achtklässler im Mittelpunkt. Gewaltige Textmassen werden bewältigt. Um dies aufzufangen, und um einen gerechten Ausgleich zu schaffen, werden die beiden Hauptrollen, die der Zora und die des Gruppenneulings Branko, nach der Pause neu besetzt. Es ist immer wieder erfreulich zu sehen, wie frei gespielt sich Waldorfschüler auf der Bühne bewegen, natürlich mit Unterschieden. Ein besonderes Schulterklopfen verdient der Darsteller des alten Fischers Gorian. Der weise Mann gibt den Mitgliedern der Bande am Schluss die ersehnte Heimat und eine materielle Existenz. Das Klassenspiel wurde fünf Mal aufgeführt, einmal auch für Schüler anderer Schulen im Rahmen von „Szenenwechsel“, den verdienstvollen Kirchheimer Kinder- und Jugendtheaterwochen. Zurecht, denn hier wird exemplarische Schultheaterarbeit vorgeführt. Die Schüler setzen sich mit dem Text auseinander und machen im Spiel und beim Singen Erfahrungen fürs Leben. Die Klassengemeinschaft wird durch die Zusammenarbeit gestärkt. Eltern können sich über ihre Kinder freuen, wenn diese in andere Rollen schlüpfen.

Der Schluss-Applaus ist garantiert. In der Pause kann die Schulgemeinschaft die angebotene Verpflegung genießen und sich näher kennenlernen. Alles wichtige Erfahrungen - auch für den Schulalltag.