Kirchheim

Die Ruhe vor dem Sturm

Der Rücklauf von VW-Dieselfahrzeugen kommt im Kreis langsam in die Gänge

Viele Autofahrer halten dieser Tage einen Brief von ihrem Autohaus in den Händen: Seit Februar ruft der Volkswagen-Konzern (VW) infolge des Abgas-Skandals Fahrzeuge zur Nachrüstung in die Werkstätten zurück. Im Landkreis Esslingen sind 67 974 Pkws von der Firma VW gemeldet, davon 5 585 in Kirchheim.

Die Kfz-Mechatroniker haben dank des Abgas-Skandals in den nächsten Wochen viel zu tun.Foto: Carsten Riedl
Die Kfz-Mechatroniker haben dank des Abgas-Skandals in den nächsten Wochen viel zu tun.Foto: Carsten Riedl

Kirchheim. Bereits im Februar flatterten die ersten Briefe der Firmen VW, Audi, Seat und Skoda in Haushalte mit Dieselautos: „... wir möchten Sie darüber informieren, dass der in Ihrem Fahrzeug eingebaute Dieselmotor mit einer Software ausgestattet ist, durch die die Stickoxidwerte (NOx) im Vergleich zwischen Prüfstandlauf (NEFZ) und realem Fahrbetrieb verschlechtert werden.“ So oder ähnlich der Wortlaut.

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Einfacher formuliert heißt das: Die Abgasreinigung wurde bei vielen Dieselfahrzeugen nur im Testmodus voll aktiviert. Im Fahrbetrieb war der Stickoxid-Ausstoß um ein Vielfaches höher. Der VW-Skandal unter dem Stichwort „Dieselgate“ ist inzwischen hinlänglich bekannt.

Wie aber wirkt sich die Rückrufaktion auf die Autohäuser im Kreis aus, die Pkws des Herstellers verkaufen? Im Autohaus Ramsperger in Kirchheim und Nürtingen, das Autos der Modelle Audi, Volkswagen und Skoda führt, herrscht derzeit noch die Ruhe vor dem Sturm. Die Mitarbeiter rechnen erst im Lauf der nächsten Wochen mit erhöhtem Andrang. Mehr Fachkräfte haben sie daher bislang noch nicht eingeplant. „Wir sind gespannt, was auf uns zukommt“, sagt eine Mitarbeiterin.

Und auch beim Autohaus Piper in Oberboihingen, das Autos des Modells Seat vertreibt, läuft bislang noch alles wie gewohnt. Die Rückrufschreiben für die Seat-Modelle werden vom Hersteller erst in den kommenden Wochen verschickt, wie der Serviceleiter Rolf Werner mitteilt.

Deutschlandweit sind 2,5 Millionen Dieselfahrzeuge aus dem VW-Konzern vom Rückruf betroffen. In der Regel genügt ein Update der Software. Bei größeren Modellen muss auch ein Bauteil ausgetauscht werden. Volkswagen geht davon aus, dass ein Fünftel der betroffenen Autos zurückgekauft werden muss.

Seit im September 2015 bekannt wurde, dass VW-Mitarbeiter die Software in Dieselfahrzeugen manipuliert hatten, hat der VW-Konzern immer wieder negative Schlagzeilen hervorgerufen. Erst im März dieses Jahres wurde bekannt gegeben, dass VW und die Konzerntochter Porsche weltweit nun weitere rund 800 000 Fahrzeuge zurückrufen, davon etwa 88 000 in Deutschland. Der Grund: Ein möglicherweise gelöster Sicherungsring am Lagerblock der Pedale bei den Modellen der Typen VW Touareg und Porsche Cayenne. Betroffen sind die Modelljahrgänge 2011 bis 2016.