Junge Zeitung

Die Strandbar

Wenn dir jemand einen Sack voll Geld geben würde, um in Kirchheim eine Geschäftsidee umzusetzen, was würdest du tun? Linda Heimisch möchte am liebsten eine Strandbar eröffnen.

Wer sagt eigentlich, dass für die Eröffnung einer Strandbar zwingend ein Strand vorhanden sein muss? Für die Umsetzung meiner Geschäftidee würde ich jedenfalls großzügig darüber hinwegsehen, dass Kirchheim einige Hundert Kilometer vom Meer entfernt im Mittelgebirge liegt. Meine Strandbar ist das ultimative Heilmittel gegen Herbst- und Winterdepression, Midlife-Crisis und all die psychischen Wehwehchen, von denen der moderne Mensch eben so geplagt werden kann. Denn vom Moment des Betretens an ist gute Laune garantiert. Die große, lichtdurchflutete Bar besticht durch einen runden Pavillon in der Mitte, der als Barthresen dient und in dessen Innerem braungebrannte Barkeeper einem von Tequila Sunrise über Campari Soda bis hin zu einer nahezu unendlichen Palette alkoholfreier Cocktails jedes Getränk zusammenschütteln und rühren, das für Sommergefühle und somit für gute Laune sorgt. Und den proklamierten Strand gibt es natürlich trotz auf den ersten Blick ungeeigneter Lage auch: Statt mit herkömmlichem Parkett, Linoleum oder Fliesen ist der Boden meiner Bar komplett mit Sand bedeckt, auf dem sommerliche Klapp- und Liegestühle zum Verweilen einladen. Zur Vollendung des Urlaubsfeelings darf natürlich auch die passende Musik – Reggae-Sounds im Wechsel mit Panflöten-Gedudel, das an Strandmusiker erinnert – sowie die Imitation einer sommerlichen Strandbrise durch vereinzelt an den Wänden angebrachte Ventilatoren nicht fehlen. Die Bedienungen stelle ich mir in Baströcken und Hawaii-Blusen vor, geschmückt mit Blumen wahlweise im Haar oder als Kette um den Hals. Strahlender Sonnenschein ist in meiner Strandbar völlig unabhängig von Jahreszeit und Wetter garantiert, dafür sorgen die Tageslichtlampen, deren Farbe je nach Uhrzeit eine südlich brennende Mittagssonne oder einen stimmungsvollen Sonnenuntergang imitieren. Einen strengen Dresscode, wie er in anderen Lokalitäten teils obligatorisch ist, gibt es für meine Strandbar nicht: Das Entspannen mit Urlaubsfeeling in Badeshorts, schlabberigen T-Shirts und Flip-Flops ist hier ausdrücklich erlaubt. Willkommen in meinem kleinen Urlaubsparadies mitten in der süddeutschen Provinz!

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