Kirchheim

Die Teckstadt hat eine eigene „Währung“

Sachleistung Arbeitgeber können ihre Mitarbeiter mit dem „Kirchheimer Gutschein“ belohnen – steuerfrei mit einem Betrag von bis zu 44 Euro im Monat. Von Andreas Volz

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Arbeitgeber können ihre Mitarbeiter mit dem „Kirchheimer Gutschein“ belohnen.  Foto: Jean-Luc Jacques

Eine Abkürzung, an die man sich gewöhnen könnte: „KiGu“ steht für „Kirchheimer Gutschein“. Es handelt sich dabei um eine gemeinsame Aktion der Stadt Kirchheim, des Bunds der Selbständigen (BDS) sowie der Kirchheimer Händler-Gemeinschaft City Ring. Die Gutscheine gibt es allerdings nicht einfach so zu kaufen, um sie privat zu verschenken. Vielmehr stellen sie eine Möglichkeit dar, wie Arbeitgeber ihre Mitarbeiter zusätzlich entlohnen können. „Lohn“ im Sinne von Stundenlohn oder Gehalt ist dabei eigentlich das falsche Stichwort, denn Geld darf in diesem Fall nicht fließen. Es geht um Sachleistungen.

Der Reihe nach: Seit knapp zehn Jahren schon können Unternehmen ihren Mitarbeitern steuerfrei bis zu 44 Euro im Monat zusätzlich zum normalen Entgelt zukommen lassen. Zu besonderen Anlässen wie Jubiläen oder Geburtstagen sind außerdem - jeweils einmalig - weitere 60 Euro möglich. Nur darf es eben kein Geld sein, das der Arbeitgeber auf das Konto des Arbeitnehmers überweist.

 

„Es gibt einen enormen
Bedarf zur Mitarbeiterbindung."

Dietmar Ederle
über die Nachfrage von Unternehmen, die den „KiGu“ verteilen wollen.

„Anfangs gab es da den klassischen Tankgutschein“, sagt Dietmar Ederle, Kassier des City Rings. Inzwischen haben sich solche Gutscheinsysteme ausgeweitet: zu einer sachbezogenen Geldkarte. Wer eine solche Karte vom Arbeitgeber bekommt, kann damit in bestimmten Läden einkaufen oder an bestimmten Tankstellen tanken. Geld abheben lässt sich damit nicht, sodass es sich bei dieser Karte im Prinzip um einen erweiterten Warengutschein handelt.

Das System ist aber komplex und eignet sich vor allem für größere Ketten. Für Kirchheimer Einzelhändler würde es zu viel Aufwand bedeuten, ein extra Kartenterminal bereitzustellen, um eine solche Geldkarte annehmen zu können. Deshalb war für Kirchheim eine andere Lösung gefragt.

„Wir wollen, dass attraktive Arbeitgeber in Kirchheim weitere Leistungen für ihre Mitarbeiter anbieten können“, sagt Dietmar Ederle und fügt hinzu: „Wir wollen aber auch, dass die Kaufkraft dieses Sachlohns in Kirchheim bleibt.“ Die Lösung ist der „KiGu“ in Papierform. Wer diesen Gutschein erhält, kann ihn bei den verschiedensten Händlern und Dienstleistern in Kirchheim einlösen. Dietmar Ederle ist nicht nur vom grundsätzlichen Angebot eines „KiGu“ begeistert, sondern auch von dessen Optik: „Der Gutschein sieht sehr ,wertig‘ aus, der ist richtig gut geworden.“

Kirchheims Wirtschaftsförderin Saskia Klinger betont, dass es sich um einen Warengutschein handelt, bei dem man zwar noch Geld drauf legen kann, wenn die Ware teurer ist als der Gutscheinwert. Aber umgekehrt besteht keine Möglichkeit, sich den Differenzbetrag auszahlen zu lassen.

Das ist mit ein Grund, warum es den „KiGu“ in unterschiedlichen Stückelungen gibt: zu 44, zu 22 und zu zehn Euro. Letzteres ist vor allem für die Jubiläumsgabe vorteilhaft, weil sich hier die Höchstsumme von 60 Euro durch zehn teilen lässt - und weil der Kunde damit auch kleinere Einkäufe in verschiedenen Läden erledigen kann. Was sich für den Geburtstag ebenfalls anbieten kann, ist ein Restaurantbesuch, der sich auch per „KiGu“ zahlen lässt, wenn die Gaststätte sich daran beteiligt.

Es gibt dann aber doch eine Ähnlichkeit zwischen „KiGu“ und Bargeld: Auch der Kirchheimer Gutschein ist durchnummeriert. Die Nummer soll vor Missbrauch schützen. Ähnliches gilt für die glitzernde Prägefolie am linken Rand. Sie verhindert, dass sich der „KiGu“ per Farbkopierer fälschen lässt.

Unternehmen, die bereit sind, den „KiGu“ einzulösen, sind im Internet unter der Adresse www.ki-gu.de zu finden. Die Liste wird ständig aktualisiert. An den Start gegangen sind 32 Unternehmen, bei denen sich mittels Kirchheimer Gutschein zahlen lässt. Die genaue Zahl der Unternehmen, die die Gutscheine an ihre Mitarbeiter ausgeben, kann Dietmar Ederle nicht nennen. Aber er rechnet mit stetig steigender Tendenz.

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