Lokale Wirtschaft

Die Tonne kommt aus der Versenkung

Bissinger Anlagenbauer und Konstrukteur Martin Sigel entwickelt die versenkbare Kleingarage Siglift

Der Bissinger Unternehmer Martin Sigel, 36, ist ein Selfmade-Mann, wie er im Buche steht. Aus einer Garagenfirma in Bissingens Ortsmitte baute der Elektromechaniker rasch ein innovatives Unternehmen für Anlagenbau und Elektrotechnik im Gewerbegebiet Bodenäcker. Hier kreierte er auch den Siglift, eine versenkbare Mülltonnen-Garage.

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richard umstadt

Bissingen. Welcher Häuslesbesitzer oder Mieter kennt das Problem nicht? Blaue Tonne, gelbe Tonne, braune Tonne und Restmülltonne – in ihrer ganzen Hässlichkeit stehen sie immer im Weg. Martin Sigel wurde 2001 in einem Bissinger Wohnblock mit der Eimer-Frage konfrontiert. Weder in der Tiefgarage noch vor dem Wohnzimmer und erst recht nicht vor dem Schlafzimmer waren „die Dinger“ erwünscht. Auch der Garten war für die Eimer tabu. Doch wohin damit? Weg- und wieder herzaubern gelingt nur in Märchen oder in Science-Fiction-Filmen. Die Realität sieht anders aus.

Der schwäbische Tüftler, der damals noch Garagenantriebe vertrieb, geriet ins Grübeln. Die einzige freie Fläche vor dem großen Haus in der Karlstraße bestand aus einer Blumenrabatte. Was also, wenn man die störenden Eimer einfach unter den Blumen verschwinden lassen könnte, fast wie im Film?

Die Grundidee war geboren. Eine versenkbare Mülltonnen-Garage mit einem grünen „Dächle“.

Der Gedanke nahm in Martin Sigels Kopf Form an und die Neukreation gewann 3-D-Gestalt in dessen Computer. Dann wanderten die Pläne in die Schublade und schlummerten dort sieben Jahre lang. Sigel Anlagenbau und Elektrotechnik war inzwischen ins Gewerbegebiet Bodenäcker umgezogen – dort testete der findige Kopf im Vorfeld der ersten Bissinger Gewerbeschau einen Prototyp und siehe da, er funktionierte. Fünf Tage vor der Unternehmenspräsentation hob und senkte sich der Siglift auf Knopfdruck. Bei der Gewerbeschau demonstrierte die versenkbare Mülleimer-Garage ihre Alltagstauglichkeit und bildete so eine der Attraktionen der erfolgreichen Veranstaltung.

Für den Unternehmer Martin Sigel war damit das Thema noch nicht beendet. Wie muss der Siglift beschaffen sein, dass jemand das Ding kauft, stellte sich der innovative Konstrukteur die Frage und gab wenig später die Antwort darauf: „Vormontiert und fertig zum Anschluss an die Steckdose.“ In der Praxis bedeutet dies „Loch in Boden, Schotter rein, darauf die vorbetonierte Wanne setzen, mit Brunnenschaum abdichten, Schacht außen verfüllen, Innenbox einsetzen und verschrauben. Fertig.“ Wird der Siglift an einem Neubau eingesetzt, ist der Fall in zwei Stunden erledigt, sagt er. Beim nachträglichen Einbau dauert‘s etwas länger. Laut Sigel kann das Gerät, von dem es zwei Varianten gibt, 20 Jahre ohne mechanischen Verschleiß laufen. Und damit Außenstehende keinen Unfug mit dem Eimeraufzug treiben können, wird er mit einen Schlüsselschalter gesteuert.

Freilich ist der Siglift nicht nur Mülltonnen vorbehalten. Er taugt auch als unterirdische Abstellkammer für Fahrräder, Roller, Motorräder, Gartengeräte, Grill, Werkzeug und vieles mehr.

„Tante Anne“ und Martins Zahnrädlesmaschine

Der Siglift ist keine Spielerei, sondern belegt augenfällig die Findigkeit des Bissingers, der bereits als Bub im Höfles-Kindergarten die „Tante Anne“ mit einer selbst gebastelten Zahnrädlesmaschine in helle Aufregung versetzte. Und wer solchermaßen „Zahnrädla“ im Blut hat – Martin Sigels Urgroßvater war Uhrmacher –, dem fallen außer dem patentierten Siglift noch ganz andere Apparaturen ein. Etwa einen Eier-Verkaufsautomat, eine Durchlaufpresse für gefaltete Papiermüllsäcke, eine DIN A 4 große, rückschlagsfreie Stanzmaschine, eine Schneidvorrichtung für Laserdioden, einen Vollautomat zur Herstellung von Rollläden.

Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen und zeigt die Stärke der Sigel Anlagenbau GmbH. „Wir sind Sondermaschinenbauer und bieten von der Konstruktion über die Entwicklung bis zur fertigen Produktion ein Gesamtkonzept an.“ Trotz Krise hat Martin Sigel gut lachen, zumindest im Anlagenbau. Zwei Drittel der geplanten Jahresaufträge liegen bereits auf dem Tisch. Der Bereich Elektrotechnik freilich brach gegenüber 2008 um 40 Prozent ein.

Der Bissinger ist nicht nur ein heimatverbundener Schwabe, dessen Karriere mit 115 Mark, einer Werkzeugkiste und einer Schreibmaschine begann. Er sieht auch die Vorteile des Standorts Deutschland, vor allem für einen Sondermaschinenbauer. „Der Trend, heute bestellen, morgen liefern, erfordert kurze Wege. Da können Sie nicht in China ordern.“ Deshalb kommen Kunden aus den unterschiedlichsten Bereichen, wie der Kunststoff und Gummi verarbeitenden Industrie, der Elektroindustrie, aus der Sparte der Automobilzulieferer, Stanzereien und Zerspanungsbetriebe, aber auch Privatkunden zu Sigel in die Bodenäckerstraße 13. „Und die bringen viele Ideen mit und sagen relativ genau, was sie wollen.“

Die Idee allerdings, Mülleimer einfach von der Bildfläche verschwinden zu lassen, die kann nur von einem „schwäbischen Präzisionsbäschtler“ aus Bissingen kommen.