Lokale Wirtschaft

Die Trendwende lässt weiter auf sich warten

Bei den Handwerksbetrieben in der Region Stuttgart hat das dritte Quartal dieses Jahres ein leichtes Plus bei den Aufträgen gebracht. Von einer deutlichen Trendumkehr in Richtung dauerhafte Konjunkturverbesserung kann jedoch noch keine Rede sein. Zu diesem Ergebnis kommt die Umfrage der Handwerkskammer bei den knapp 28 000 Betrieben in der Region.

STUTTGART Zwar hat sich der durchschnittliche Auftragsbestand merklich verbessert von knapp viereinhalb Wochen im zweiten Quartal auf nun 5,8 Wochen. Maßgeblichen Anteil daran haben aber die metallverarbeitenden und industrienahen Zulieferhandwerke. "Bei der Beurteilung der Geschäftslage scheint sich wieder mehr Hoffnung breit zu machen", beurteilt Ulrich Bär, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart, die aktuelle Lage. Knapp 32 Prozent der befragten Handwerksmeister beurteilen ihre Geschäftslage mit "gut", im Vorquartal waren dies nur 27 Prozent. Mit der Gesamtnote "schlecht" bezeichnet ein Viertel der Inhaber die Lage in ihren Betrieben. Zur Jahresmitte waren dies noch 28 Prozent.

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Noch keinen positiven Effekt hatte dies bei der Zahl der Beschäftigten: Lediglich zwei von 100 Unternehmern gaben an, mehr Mitarbeiter in den Sommermonaten beschäftigt zu haben als im ersten Halbjahr.

Dabei ist die Lage von Branche zu Branche, aber auch von Betrieb zu Betrieb sehr unterschiedlich. Wiederum im unteren Bereich der Konjunkturskala des Handwerks bewegt sich das Bauhauptgewerbe. Zwar bezeichnen über 50 Prozent der Betriebsinhaber ihre Geschäftslage als gut. Diese Einschätzung resultiert aber aus der negativen Entwicklung, dass Betriebe seit Jahren ihre Produktionskapazität zurückfahren. Zum einen hat sich die Anzahl der Baubetriebe insgesamt in den letzten Jahren deutlich verringert. Zum anderen haben die am Markt tätigen Betriebe auch in diesem Quartal ausscheidende Mitarbeiter nicht ersetzt. Neun Prozent der Betriebe gaben an, ihre Mitarbeiterzahl gegenüber dem Jahresanfang und dem Vergleichszeitraum des Vorjahres reduziert zu haben. Vor dem Hintergrund plädiert Ulrich Bär für endgültige Klarheit beim Kündigungsschutz. "Unsere Betriebe hätten eine Sorge weniger, wenn das Arbeitsrecht jetzt vollends geregelt wird". In der Situation sei die hohe Flexibilität in der Personalpolitik einfach überlebenswichtig.

Nach wie vor in einem konjunkturellen Schwebezustand sind die Kraftfahrzeugbetriebe in und um Stuttgart. 45 Prozent der Meister sagten, ihre Werkstätten seien zu nicht einmal 60 Prozent ausgelastet. Dies spiegelt sich auch im Auftragsbestand wider. Dieser betrug in den Sommermonaten lediglich 1,4 Wochen, der niederste Stand seit knapp zwei Jahren.

Nach der Einschätzung für das kommende Quartal befragt, gaben 30 Prozent aller befragten Betriebe an, dass sich ihre Geschäftslage verbessern wird. Dagegen schätzen 22 Prozent die Konjunktur in ihrem Beruf eher schlechter ein. Besondere Erwartungen in das vierte Quartal setzen die Nahrungsmittelhandwerke, die traditionell im Dezember Umsatzzuwächse verbuchen können.

"Die Handwerksunternehmer in der Region Stuttgart müssen sehr flexibel auf die Marktanforderungen reagieren", schätzt Ulrich Bär die Situation ein. Auch eine verschärfte Wettbewerbssituation komme hinzu. Durch die neue Handwerksordnung drängten mehr und mehr Kleinstbetriebe in den zulassungsfreien Handwerken auf den Markt. Diese verzerrten die Preissituation innerhalb einer Branche und kämpften bald ums Überleben, so Bär. "Auf der einen Seite Kleinstbetriebe, auf der anderen der Trend zu größeren Betriebseinheiten die gesunde Mitte wird immer weniger."

pm