Kirchheim

Die Zugmaschine wird zum Zweitakter

Oldtimertreffen im Freilichtmuseum erhält Zwangspausen verordnet – bis zu 11 000 Besucher

Voranmeldung, limitierte Teilnehmerzahl und nur noch alle zwei Jahre – Der Kreis verpasst dem Oldtimertreffen in Beuren einen Drehzahlbegrenzer.

Hohes Verkehrsaufkommen in den Beurener Herbstwiesen. Wenn im August das Oldtimertreffen steigt, ist rund ums Freilichtmuseum  m
Hohes Verkehrsaufkommen in den Beurener Herbstwiesen. Wenn im August das Oldtimertreffen steigt, ist rund ums Freilichtmuseum meist kein Durchkommen mehr.Foto: Genio Silviani

Beuren. Am 20. und 21. August knattert und qualmt es wieder rund ums Beurener Freilichtmuseum. Das Oldtimertreffen ist seit zwei Jahrzehnten neben den Schäfertagen der größte Publikumsmagnet im Museumsdorf. Anfangs noch im überschaubaren Rahmen, hat sich der Motoristentreff für Nostalgiker mittlerweile zur größten Veranstaltung dieser Art in ganz Süddeutschland entwickelt. Mit mehr als 11 000 Besuchern in Spitzenzeiten und bis zu 1 700 Fahrzeugen, von denen etliche samt Besatzung bisher auf dem Museumsgelände übernachteten.

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Ein Erfolg, der seinen Preis hat: Verkehrschaos auf Zufahrtswegen rund ums Museumsgelände, fehlende Parkplätze und Personalnot beim Veranstalter. Kurz gesagt: Das Ganze wächst den Museumsmachern inzwischen über den Kopf. Ganz darauf verzichten will man dennoch nicht. Schließlich wird der Erfolg des Museums, an dem Eintritts- und Fördergelder hängen, in erster Linie an Besucherzahlen gemessen. In diesem Punkt ist die zweitägige Veranstaltung in den Sommerferien unschlagbar. Auch, wenn wegen des schlechten Wetters im vergangenen Jahr nur halb so viele Oldtimerfans nach Beuren strömten als zuvor und unterm Strich erstmals ein Minus stand. Die am besten besuchte Veranstaltung hat nebenbei auch eine Sogwirkung. Wer die Veteranenshow besucht, der kommt meist wieder und lernt auf diesem Weg auch andere Museumsangebote kennen.

Trotzdem sehen sich die Verantwortlichen inzwischen gezwungen, auf die Bremse zu treten. Das Treffen nur noch im zweijährigen Turnus zu veranstalten eröffne die Chancen, sich alternativen Themen zu öffnen. Aus dem Oldtimertreffen sei ein Rummel geworden, stellte Landrat Heinz Eininger fest. Vor allem das Übernachten der Teilnehmer auf dem Museumsgelände sei ohne entsprechende Sicherheitsvorkehrungen in Zukunft nicht mehr vertretbar. Die Veranstaltung in der seitherigen Form wird letztmals im August stattfinden. "Wir wollen uns um neue Veranstaltungen kümmern, die thematisch näher am Museum und seinem Auftrag liegen," sagte Eininger. Froh, dass regulierend eingegriffen werde, zeigte sich gestern im zuständigen Kulturausschuss auch Beurens Alt-Bürgermeister Erich Hartmann.

Alte Liebe

Nicht nur die Bevölkerung in diesem Land wird älter. Auch ihre Leidenschaft, dem eigenen fahrbaren Untersatz größtmögliche Liebe in fortgeschrittenem Alter angedeihen zu lassen, nimmt zu. Pflegenotstand? Beim heilix Blechle keine Spur. Mehr als 350 000 Pkw, die älter als 30 Jahre sind und damit per Definition als Oldtimer gelten, sind in Deutschland zugelassen – Tendenz rasant steigend. Dazu kommen Youngtimer, Fahrzeuge mit Sammlerkennzeichen und Museumsstücke. Ein Hobby, das verbindet und das fasziniert. Veteranentreffs und -rallyes sind landauf, landab der Publikumsrenner.

Das zu bewerten war nicht Aufgabe im Fachbeirat des Beurener Freilichtmuseums, als es darum ging, wie man dem wachsenden Zustrom der Oldtimerfreunde künftig noch Herr werden will. Im vorgegebenen Rahmen und mit vorhandenem Personal. Es geht dabei auch um die Frage, ob eine Veranstaltung dieser Größe und Ausrichtung dem Auftrag der Museumsmacher noch gerecht werden kann. Die Antwort muss heißen: Nein. Naturvielfalt, Artenschutz und Nachhaltigkeit sind seit jeher die Begleitthemen auf dem Weg, das Landleben vergangener Zeiten erlebbar zu machen. Auch wenn die historische Kulisse in Beuren passt: Ob Verkehrschaos, Motorqualm und öltriefende Karossen im gut erschlossenen Gewerbegebiet nicht besser aufgehoben wären als im Biosphärenreservat am Albtrauf, ist eine Frage, die erlaubt sein sollte.BERND KÖBLE