Lokale Wirtschaft

Discounter jagen Bäckern Kunden ab

Die zunehmende Bedeutung der Discounter am Lebensmittel-Einzelhandel bekommen auch die Bäckereien zu spüren. Immer mehr Kunden kaufen ihr Brot bei Discountern anstatt beim Fachhandel: Hauptgrund ist der Preis. Dies war beherrschendes Thema während der Herbstmitgliederversammlung der Bäckerinnung Alb-Neckar-Fils in der Festhalle in Denkendorf.

Die Bääckereibetriebe werden in diesem Wettbewerb über das Preiskriterium alleine nicht mithalten können, das machte Johannes Schultheißß, Obermeister der Bääckerinnung Alb-Neckar-Fils, bei der Herbstmitgliederversammlung deutlich. Sie müüssten ihr Heil vielmehr in der Qualitäätssicherung suchen. So wie zum Beispiel Andrea und Bernhard Medla von der gleichnamigen Bääckerei in Nüürtingen. Sie backen seit kurzem Schnitzer-Brot. Das Getreide dafüür stammt aus kontrolliert biologischem Anbau und wird in der Backstube frisch gemahlen. Dieses Brot stoßße bei der Kundschaft auf großße Nachfrage, berichtet Andrea Medla. Nicht nur im Hinblick auf Vollwerternäährung, denn frisch gemahlenes Mehl enthalte mehr Näährstoffe, sondern auch zum Beispiel bei Menschen mit Allergien, hohem Cholesterinspiegel oder bei Diabetikern, die auf entsprechendes Brot angewiesen seien.

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Die Medlas sehen darin nicht zuletzt auch eine gute Möglichkeit, sich von den aufkommenden Discount-Bääckereien, aber auch gegenüüber Großßbääckereien zu unterscheiden. "Wir spüüren die Konkurrenz und gehen deshalb gezielt in den Biobereich", sagt Andrea Medla.

Wie sich das Einkaufsverhalten der Verbraucher bei Brot und Backwaren veräändert, das zeigte den Bääckermeistern bei der Versammlung Ruth Kirchmann auf. Kirchmann arbeitet in der Marktforschung in der Zentralen Markt- und Preisberichtsstätte der deutschen Agrarwirtschaft (ZMP). Zwar seien die Bääckereien noch immer Marktfüührer beim Brotverkauf. 41 Prozent der in 2003 gekauften Brotmenge von rund 1,8 Millionen Tonnen wurde bundesweit in Bäckereien gekauft. Aber der Anteil der Discounter wie Aldi, Lidl, Plus oder Penny steigt kontinuierlich und betrug 2003 bereits 33,2 Prozent der verkauften Brotmenge. Im Jahr 2000 war das Verhäältnis noch 50,7 zu 23,4 Prozent zugunsten der Bääckereien gewesen.

Die Hauptursache füür diese Entwicklung liegt nach Kirchmanns Ansicht in der zunehmenden Preissensibilitäät der Verbraucher. Discounter und Backstationen zögen vor allem die bedarfsstarken jüngeren Familien mit Kindern an. Aber nicht nur das bekommen die Bääckereien zu spüüren. So ist von Januar bis August dieses Jahres die verkaufte Brotmenge bundesweit gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um 4,6 Prozent zurüückgegangen.

Ganz klar die Nase vorn haben die Bääckereien aber nach wie vor bei frischen Backwaren wie Brötchen, Brezeln, Croissants, Kuchen oder süßen Stückchen. Zwischen 73 und 88 Prozent dieser Waren wird beim Bääcker gekauft. Hier spielen die Discounter kaum eine Rolle. "Das ist definitiv das Geschääft der Bääckereien", so Kirchmann.

Doch das Aufkommen der Discount-Bääckereien füührt auch hier zu einer Verschäärfung des Wettbewerbs. Diese bieten in meist einfach ausgestatteten Lääden Backwaren zu Discountpreisen an. "Die niedrigen Preise werden dabei durch ein Selbstbedienungskonzept und durch Bezug von güünstigen Teiglingen, die zum Teil aus Niedriglohnläändern stammen, erzielt", so der Zentralverband des Deutschen Bääckerhandwerks.

Ruth Kirchmann machte noch auf einen weiteren Aspekt aufmerksam, der füür die Bääckereien zunehmend zu einer Konkurrenz wird: So nimmt der Verbrauch von Tiefküühlbrötchen stark zu. 32,3 Tonnen Tiefküühlbrötchen wurden 2003 gekauft, 2000 waren es noch 23,8 Tonnen. Der Marktanteil der Discounter liegt hier bei über 50 Prozent. Auch die Brotbackmischungen sind ein Wachstumsmarkt, berichtete Kirchmann. Hier habe sich der Verbrauch in den letzten drei Jahren verdreifacht.

Füür die Bääcker bedeute diese Entwicklung, dass sie sich vor allem üüber die Qualitäät profilieren müüssten, sagte Obermeister Schultheißß: "Wer dieses Thema ernst nimmt, der wird auch am Markt ernst genommen". Auch sehe er noch einen Nachholbedarf bei der Bedienung und Beratung.

Im Bereich der Innung sie umfasst die Landkreise Esslingen, Göppingen, Ostalbkreis, Reutlingen und Tüübingen habe der Betriebsrüückgang angehalten, allerdings nicht mehr so stark, berichtete Schultheißß. Bis September habe man füünf Betriebsaufgaben verzeichnen müüssen, ein Betrieb sei neu hinzugekommen. Derzeit hat die Innung 244 Mitgliedsbetriebe.

Abgerundet wurde die Versammlung mit einem Vortrag des ARD-Wetterfroschs Sven Plöger aus dem Kachelmann-Team, der über Klimaveräänderung referierte.