Lokale Kultur

Dramatik und Virtuosität

KIRCHHEIM Nach seiner über sechsjährigen Tätigkeit als Bezirkskantor an der Martinskirche Kirchheim wechselt Samuel Kummer im Juli an die Frauenkirche Dresden. Am morgigen Samstag, 23. April, wird er um 19 Uhr in der Martinskirche letztmalig als Organist im konzertanten Rahmen zu hören sein, es folgt ein weiteres Konzert mit der Kantorei im Juni.

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Auf dem Programm des Konzertes stehen Concerto C-Dur "Grosso Mogul" von Bach/Vivaldi, Präludium und Fuge in h-Moll und As-Dur aus den "Sechs Präludien und Fugen für Klavier" von Mendelssohn Bartholdy, bearbeitet für Orgel, sowie August Gottfried Ritters Sonate Nr. 3 a-Moll. Im Anschluss daran wird Samuel Kummer über musikalische Themen aus dem Publikum improvisieren. Themen werden bis fünf Minuten vor Konzertbeginn am Eingang entgegen genommen.

Das Concerto C-Dur, BWV 594, nach dem so genannten Concerto "Grosso Mogul" von Antonio Vivaldi, ist mit Abstand die längste der von Bach in Weimar angefertigten Konzerttranskriptionen. Die Faszination dieses Konzertes liegt in der Art, wie Vivaldi mit einfachstem musikalischen Material enorme musikalische Spannungsbögen schafft.

Mendelssohns "Sechs Präludien und Fugen für Klavier" sind in den Jahren 1832 bis 1837 entstanden. Sie sind ebenso wie seine drei Orgelpräludien ein lebendiges Zeugnis seiner Auseinandersetzung mit Johann Sebastian Bach. Während manche der genannten Orgelwerke eher brav daher kommen, entfesselt Mendelssohn in diesen Klavierwerken Dramatik und Virtuosität, eingebunden in Spannungsbögen symphonischen Ausmaßes. Rätselhaft bleibt, warum diese Klavierwerke nur sehr selten in Konzertsälen zu hören sind.

August Gottfried Ritter war nicht nur einer der begabtesten, sondern auch einer der fleißigsten deutschen Kirchenmusiker des 19. Jahrhunderts. Geboren 1811 in Erfurt, stand er durch seine Ausbildung bei Michael Gotthard Fischer in der thüringischen Bachtradition. Seinen Klavierunterricht genoss er bei Johan Nepomuk Hummel in Weimar. Nach Anstellungen als Organist in Erfurt und als Musikdirektor am Merseburger Dom war er fast 40 Jahre lang bis zu seinem Tod Domorganist in Magdeburg. Von dort aus entfaltete er eine reiche Tätigkeit nicht nur als geschätzter, besonders für seine Improvisationen gerühmter Orgelvirtuose, sondern auch als Pianist und Dirigent. Als höchst produktiver Komponist wusste er die konservativen Tendenzen der Bach-Schule mit fortschrittlichen Elementen der Wiener Klassik zu einer zukunftsweisenden Synthese zu verbinden.

Ritters dritte Sonate entstand 1855 und ist Franz Liszt gewidmet. In Hinsicht auf Virtuosität und formale Geschlossenheit erreicht sie auf dem Gebiet der Orgel durchaus das Niveau des Widmungsträgers.

Eintrittsprogramme sind an der Abendkasse erhältlich.

pm