Lokale Kultur

Dreieinhalb Minuten für Liebe, Freude und Hoffnung

NÜRTINGEN Blumen, Applau

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s und Tränen der Freude und der Erleichterung nach monatelanger Arbeit, vor und hinter den Kulissen, fand die Premiere des Hip-Hop-Videos der United Colours statt. Die

BARBARA GOSSON

Truppe um die deutsche HipHop-Meisterin Zejnep Demirova hatte im Juni in Zusammenarbeit mit der Esslinger Lazi-Akademie einen Clip zum Thema Völkerverständigung gedreht.

Es wurde eng im kleinen Kinosaal im Nürtinger Kinopalast. Viele fanden auf den roten Plüschsesseln keinen Platz mehr und standen auf den Treppen und an den Seiten. Neben den vielen Leuten, die bei der Produktion des Streifens mitgewirkt hatten, gab sich auch Oberbürgermeister Otmar Heirich mit seiner Mitarbeiterin Bärbel Igel-Goll die Ehre. Gefeierter Star des Nachmittages war Choreografin Zejnep Demirova, die in der HipHop-Szene auch als Lady Nep bekannt ist. Sie ist die geistige Mutter des Clips: "Seit 15 Jahren schon habe ich die Idee, ein Video zu drehen", bekannte sie in ihrer Rede. "Mit wenig Geld, aber viel Kraft, viel Liebe und viel Geduld sind wir ans Werk gegangen".

Sie dankte allen, die zur Vollendung beigetragen haben und widmete das Video einem lieben Menschen, den sie verloren hatte. Bei der Aufzählung der vielen Namen war zu erahnen, wie viele Menschen an der Produktion des Clips beteiligt waren. Für sie alle zündete Demirova drei Kerzen an, je eine für Glaube, Liebe und Hoffnung. Auch Regisseur und Lazi-Dozent Armin Vetter richtete ein paar Wort ans Publikum. Wissendes Grinsen zeigte sich auf den Gesichtern, als er eine recht schwarze Atemschutzmaske aus der Tasche zog. Sie erinnerte an die Dreharbeiten in der THW-Bundesschule in Neuhausen auf den Fildern, wo man in einem rußigen Kohlenkeller gefilmt hatte. Über 60 Stunden hatte das Team an vier Tagen gedreht, bis zu 40 Menschen vor und nochmals so viele hinter der Kamera waren beschäftigt. "Als ich schon völlig mit meinen Kräften am Ende war, kam jemand und hat mich ganz fest gedrückt. Das hat mir wieder Kraft gegeben", lobte Vetter die menschliche Atmosphäre am Set.

Spontan zu einer Rede genötigt, erzählte er, wie Demirova im März zu ihm gekommen war und bei der Stadt angefragt hatte, ob man einen Zuschuss zu dem geplanten Video bekommen könnte. "Wir als Stadt sind stolz darauf, dass so etwas bei uns passiert", betonte Heirich. Den Zuschuss habe es natürlich gegeben. Als sich die Tänzerinnen und Tänzer bei ihrer Chefin bedankten, flossen die Tränen. Von den vielen Mitwirkenden hatten drei Gruppen aus den Jugendhäusern Zentrum, Neuffenstraße in Wendlingen und Kiwi in Wernau kleine Tanzeinlagen einstudiert. Kleine Pannen mit dem Sound taten dem Applaus für ihre professionell einstudierten Nummern keinen Abbruch.

Perfekt hingegen der Sound des Videos. Lady Nep ist der Engel, der in eine düstere Welt voll Trümmer fällt. Durch Musik und Tanz bringt sie den Menschen die Hoffnung zurück. Die Musik stammt von der Göppinger Crew P-Force, bestehend aus Paolo Montagni und Alex Kleymann. Den Text rappt und singt Demirova selbst: "Liebe, Freude, Hoffnung" ist ein zentraler Satz.

Darsteller sind neben den United Colours die Plochinger Break-Dancer Battle Toys und Kinder und Jugendliche aus dem Kiwi und dem Zentrum Neuffenstraße. Die jüngsten Mitwirkenden sind gerade einmal sechs Jahre alt. Im Abspann konnte man sehen, von wie vielen verschiedenen Seiten dem Projekt Unterstützung zu Teil wurde. Alle Mitwirkenden durften sich nach den 3:20 Minuten in tosendem Applaus baden.

Einen Namen hat das Video nicht. "Den soll sich jeder wählen. Wichtig ist die Botschaft", so Demirova im anschließenden Pressegespräch. Die CD von P-Force mit der Musik dazu heißt "A different Style". Zejnep Demirova hat noch keine Ahnung, was sie ihre Herzensangelegenheit bisher gekostet hat. Ideen hat sie aber reichlich. "Ein ganzes HipHop-Musical um die Geschichte, die im Video nur angedeutet werden kann, deutlich zu transportieren", schwebt ihr vor.

Zu sehen sein wird der Clip nun in allen Kinos der Speiser-Gruppe von Aalen bis Weinheim sowie im Traumpalast, dem ehemaligen Dick in Esslingen. Er soll vor dem Hauptfilm laufen. "Klar wählen wir aus und zeigen es nicht vor einem Krawallfilm", so Theaterleiter Winfried Baca. Zunächst ist ein halbes Jahr Laufzeit vorgesehen.