Lokale Kultur

Durch Wettbewerb Leistungen dokumentieren und objektivieren

KIRCHHEIM An einem "pädagogischen Tag", den die Lehrkräfte der Kirchheimer Musikschule alljährlich hausintern veranstalten, wurde "QuaM" im Herbst 2003 geboren.

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PATRICK TRÖSTER

Dieses Kürzel steht für "Qualität an der Musikschule". An der Kirchheimer Musikschule werden über 1 100 Schüler von mehr als vierzig Lehrkräften unterrichtet. Im Unterschied zu herkömmlichen Schulen, gibt es kaum Möglichkeiten, die Leistungen der Instrumental- und Gesangsschüler zu objektivieren und zu dokumentieren, es sei denn, man nimmt an einem Wettbewerb teil.

Fast zwei Jahre hat die Arbeitsgruppe "QuaM" an der Musikschule daran gearbeitet, Ideen auszuarbeiten und schließlich durchzuführen, die die vorhandene Qualität der Kirchheimer Musikschule aufzeigt und womöglich sogar noch steigert. Bei allen Überlegungen stand das Wohl der Musikschüler immer im Zentrum: Wie können sie effizienter musikalisch gefördert werden? Wie kann man sie noch mehr motivieren? Welche Möglichkeiten habe sie, ihr Können vorzuführen? Was wirkt leistungssteigernd?

Viele Ideen zu solchen Fragen werden an der Kirchheimer Musikschule schon umgesetzt mit Klassen- und öffentlichen Schülervorspielen, mit Wettbewerben wie etwa dem "Kirchheimer Musikpreis" oder "Jugend musiziert" oder mit fächerübergreifenden Projekten wie Orchesterkonzerte, Chöre und Musicals. Eine Möglichkeit fehlt darunter: Prüfungen. Aber das ist nicht jedermanns Sache. Deswegen sollen sie auch freiwillig sein.

In vielen Ländern werden oder wurden Prüfungen für Kinder und Jugendliche als Instrumentalschüler durchgeführt, zum Beispiel in Österreich, England, und Ungarn oder auch in der ehemaligen DDR. In Deutschland findet man sie nur in bestimmten Nischen, etwa beim Blasmusikverband Baden-Württemberg. Innerhalb der Musik- und Stadtkapellen landauf landab werden dort regelmäßig jährliche anspruchsvolle Prüfungen mit viel Erfolg gleich zu Hunderten durchgeführt: Die jungen Blasmusiker sind mit Stolz erfüllt, wenn sie nach wochenlangen Vorbereitungen einem Fachgremium zeigen können, was sie alles gelernt haben und dafür nicht nur eine gute Note sondern auch noch eine Urkunde und eine Ehrennadel erhalten. Nebenbei wird damit natürlich das musikalische Niveau eines Blasorchesters beträchtlich angehoben zur Freude der Zuhörer in Konzerten.

Von solchen Überlegungen ausgehend, hat der Arbeitskreis "QuaM" der Kirchheimer Musikschule ein eigenes Prüfungsmodell entwickelt, das in Baden-Württemberg und womöglich in der ganzen Bundesrepublik einmalig ist. Diese Prüfungen sind im zeitlichen Abstand und im geforderten Niveau so angelegt, dass sie ein ganzes Musikschülerleben begleiten können.

Es sieht fünf Stufen vor und zwar zwei in der Unter-, zwei in der Mittel- und eine in der Oberstufe. Die Anforderungen der Prüfungen sind dabei so gehalten, dass ein Schüler, je nach Begabung und Fleiß, etwa alle ein bis zwei Jahre eine Prüfung ablegen kann. In den jeweiligen Prüfungen werden sowohl die Praxis als auch die Theorie eingefordert, denn die Erfahrung im Instrumental- und Gesangsunterricht hat gezeigt, dass beide Komponenten für eine "runde" Ausbildung gleich wichtig sind. Diesen Herbst will die Kirchheimer Musikschule mit den Prüfungen der Unterstufe beginnen. Von Jahr zu Jahr sollen dann die anderen Stufen mit aufgebaut werden, wenn die heutigen Anfänger im Laufe der Zeit das entsprechende fortgeschrittene Niveau erreichen. Am Samstag, 15. Oktober, ist es so weit, da finden die ersten "QuaM"-Prüfungen in der Kirchheimer Musikschule in den Kernfächern Gesang, Klavier, Violine, Viola, Quer- und Blockflöte, Oboe, Saxofon sowie Trompete und Posaune statt. Die Prüfungen sind grundsätzlich freiwillig und dienen vor allem der Leistungsmotivation, zur Orientierung, zur Objektivierung, zur Dokumentation und unter Umständen auch zur Qualifikation für ein Ensemble.

Die Schüler spielen dabei einer Kommission vor, die sich aus drei Fachkräften zusammensetzt. Insgesamt können 100 Punkte erreicht werden, maximal 60 in der Praxis und 40 in der Theorie. Alle Schüler, die eine Prüfung bestanden haben, erhalten eine Urkunde. Die beiden Prüfungen der Unterstufe sind für Anfänger gedacht und entsprechend leicht gehalten. In der Praxis werden die Grundtonarten abgefragt, dann soll ein leichtes, für alle verbindliches Pflichtstück einstudiert und eine kleine Etüde und ein selbst ausgesuchtes Wahlstück vorgetragen werden. In der Musiktheorie sollen die Prüfungsteilnehmer die Grundtonleitern notieren und ein Musikstück beschreiben können sowie einfache italienische Vortragsbezeichnungen beherrschen. Eine Prüfung dieser Stufe dauert ungefähr zehn Minuten.

Im Sekretariat der Musikschule ist eine Broschüre erhältlich, in der die Prüfungsprofile beschrieben sind und in der auch die Prüfungsordnung festgehalten ist. Wer sein Kind dazu anmelden möchte, sollte sich in den kommenden Tagen mit der jeweiligen Fachlehrerin oder dem Fachlehrer in Verbindung setzen, denn am Freitag, 30. September, ist Anmeldeschluss.