Lokale Kultur

Eat Art und andere Leckereien

Kunstverein Kirchheim feiert mit Ausstellung „Mahlzeit“ sein 25-jähriges Bestehen

Kirchheim. „Eat Art“ – da denkt man unweigerlich an Daniel Spoerri, einen der „nouveaux réalistes“, der in seinem legendären Galerierestaurant in der Düsseldorfer Altstadt

FLORIAN STEGMAIER

einst das Essensprozedere eines Gefängnisses nachstellen ließ oder seinen Gästen gebratenen Elefantenrüssel kredenzte.

In der aktuellen Ausstellung des Kirchheimer Kunstvereins im Kornhaus geht es zwar nicht ganz so exaltiert zu, wenn sich auch Anklänge an Spoerris Parodie der „haute cuisine“ in Form konkaver Nudelsuppe wiederfinden lassen oder ein Lichtobjekt zum dreidimensionalen Stillleben gerät, somit als vanitasgeladene, plastische Momentaufnahme eines beendeten Festmahls in Erscheinung tritt.

Unter dem Titel „Mahlzeit“ widmen sich die Künstlermitglieder vorrangig sinnlich-oppulenten Aspekten, würdigen das Malen als kunstschaffenden Repräsentanten gleichermaßen, wie das zum feierlichen Anlass rituell begangene Fest-Mahl.

Das 25-jährige Bestehen des Kirchheimer Kunstvereins bildet den inhaltlichen Fokus, dem sich Elise Allmendinger, Iris Alvarenga, Roswitha Eberspächer, Rosemarie Fano, Gabi Finkbeiner, Sabine Frasch, Inge Kodera, Ingrid Lorch, Edda Messner, Johannes Nagel, Mark Neubauer, Jürgen Roesner, Ursula Trautes-Walter, Ursula Warilek, Bertl Zagst und Erika Zoller-Bender in kreativem Stilpluralismus lukullisch genähert haben.

Eine schmucke, gemeinschaftlich „eingedeckte“ Festtafel steht als prunkvoller Blickfang mittig im Galerieraum, reflektiert – wie auch die Einzelexponate an den Wänden – Verwandlungen und Brechungen der Alltagswirklichkeit durch künstlerischen Zugriff, führt den Betrachtern aber auch die Offenheit und breit gefächerte Heterogenität der individuellen Auseinandersetzung als besondere Qualität vor Augen. Die Künstlergruppe vereint Gründungsmitglieder und Vereins-„Neulinge“, spannt damit auch personell den Bogen über ein Vierteljahrhundert Vereinsgeschichte.

Während der von Gittarist Thomas Walther musikalisch umrahmten Vernissage gaben Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker und der Vereinsvorsitzende Jürgen Roesner einen kurzen, umso prägnanteren Abriss der bewegten Geschichte des Kunstvereins und würdigten ihn als unverzichtbaren und bereichernden Bestandteil des regionalen Kunstlebens.

Die Oberbürgermeisterin nutzte die Gelegenheit, dem Kunstverein eine Jubiläumsgabe seitens der Stadt zu überreichen, einen Scheck in Höhe von 175 Euro sieben Euro pro bestehendes Jahr.

Die Austellung „Eat Art und andere Leckereien – 25 Jahre Kunstverein Kirchheim unter Teck“ kann noch bis Sonntag, 30. November, im ersten Obergeschoss der Städtischen Galerie im Kornhaus besucht werden.

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