Lokale Kultur

Ein flammendes Plädoyer für die Gerechtigkeit

KIRCHHEIM Ein hoffnungsvolles Beispiel für die erfolgreiche Durchsetzung des Rechtsstaates in Kamerun zeigt der Dokumentarfilm "Sister In Law" von Florence Ayisi und Kim

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BRIGITTE GERSTENBERGER

Longinotto. Im Rahmen der Frauenkulturtage steht dieser bemerkenswerte Film im Original mit Untertiteln am Sonntag, 25. März, um 11 und um 20.15 Uhr auf dem Programm.

Die Dokumentation begleitet die Rechtsanwältin Vera Ngassa und die Richterin Beatrice Ntuba bei ihrem Engagement gegen Zwangsheirat, Gewalt in der Ehe und sexuellen Missbrauch und verfolgt die Gerichtsverhandlung dreier Delikte im kleinen Dorf Kumba im Südwesten Kameruns. Die Rechtshüterinnen helfen mutigen Frauen, sich gegen die tägliche Gewalt zur Wehr zu setzen.

Mit ruhiger, aber bestimmter Kamera, werden die Zuschauer mit realen Rechtsfällen ohne Klischees konfrontiert. Dieses bewegende, dokumentarische Werk, das außergewöhnliche Personen mit Menschlichkeit und Optimismus porträtiert, wurde unter anderem mit dem "Prix Art & Essay Award" beim Filmfestival in Cannes 2005 und beim "DOK FEST 2006" in München mit dem Preis "Der besondere Film" ausgezeichnet.

Bei ihrem Film arbeitete die aus Kamerun stammende Filmemacherin Florence Ayisi mit der britischen Dokumentarfilmregisseurin Kim Longinotto zusammen. Florence Ayisi, die auch als Dozentin an der International Film School Newport in Wales unterrichtet, hat vor kurzem ihren aktuellen Film "Zanzibar Soccer Queens" erfolgreich beim internationalen Film-Festival in Göteborg eingereicht eine ebenso vielversprechende Dokumentation über die schwierigen Verhältnisse fußballspielender muslimischer Frauen in Zanzibar.

Die Filmemacherinnen verstehen es geschickt, die Zuschauer ins Zentrum des Geschehens hineinzuziehen: in Gerichtssäle, auf Straßen und in Gefängniszellen. Florence Ayisi und Kim Longinotto haben sich beide dem Gestus des Direct Cinema verpflichtet und ihre Haltung und Parteinahme drückt sich in der Wahl ihrer Themen aus.

Vornehmlich Beamtinnen sind in Kumba Town in Kamerun mit Rechtsberatung und Rechtssprechung befasst. Die kleine Manka wird eingeschüchtert auf der Straße von einem Mann aufgegriffen. Der Körper des Mädchens weist unübersehbar Spuren von körperlicher Gewalt auf. Nach und nach lassen sich dem Kind sein Name entlocken und die Tatsache, dass seine Tante ihm diese Wunden zugefügt hat.

Die Schuldige wird ermittelt und unter Tränen gesteht sie die Tat. Sie möge aufhören zu heulen, bedeutet ihr die energische Schwester und stellt zudem unmissverständlich klar "Don't you sister me Sage nicht Schwester zu mir". Die Täterin wird vor Gericht gestellt und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

Unterstützung für ihre Rechte finden die Opfer meist sind es Frauen und Kinder bei den engagierten Anwältinnen. Das Erschreckende dabei ist auch, dass diese Fälle nach den Regeln der Tradition gar nicht den Weg vor ein Gericht finden sollten, wenn es nach dem Willen der männlichen Familienmitglieder ginge. "She became ungovernable sie wurde unbeherrschbar", empört man sich über Ladi, die vor Gericht geht, ihren Mann wegen körperlicher Misshandlungen anzeigt und dadurch ihre Freiheit erkämpft.

Dieser ungewöhnliche, ausdrucksstarke Film, gibt Unterdrückten ein positives Signal, dass sich Menschenrechte auch unter schwierigen Bedingungen durchsetzen lassen. Das flammende Plädoyer für Gerechtigkeit und filmische Dokument rechtsstaatlicher Errungenschaften ist nur im Rahmen der Kirchheimer "Frauenkulturtage" am Sonntag, 25. März, um 11 und um 20.15 Uhr im Kino Central zu sehen. Wer diese Gelegenheit verpasst, muss sich noch lange gedulden. Der bundesweite Filmstart ist erst im September.