Lokale Kultur

Ein Geschenk für alle Freunde der Sangeskunst und der Orchestermusik

KIRCHHEIM Der Frauenchor "anima musica" aus Neidlingen veranstaltete zu seinem zehnjährigen Bestehen ein Jubiläumskonzert zugunsten der Teckboten-Weihnachtsaktion in der Martinskirche. Als

Anzeige

RENATE SCHATTEL

Kleinod in der musikalischen Landschaft wurde der Chor bereits mehrfach prämiert und sein Name bürgt für qualitativ beste Kunst. Immer wieder stellt sich die Sängerinnengemeinschaft mit ihrem Leiter, Christian Vogt, neuen Herausforderungen, wie auch am Samstagabend in der Martinskirche.

Zum ersten Mal musizierte das bisher bis aufs Feinste a cappella aufeinander eingestimmte Ensemble mit einem Orchester, dem "collegium musicum ulm". Gemeistert wurde die Herausforderung in überlegener Weise und "anima musica" bescherte mit dem "collegium musicum ulm" gemeinsam den Zuhörern ein herausragendes Konzert, das seinesgleichen im Laienchorbereich so nicht finden wird. Ein großes, nachträgliches Weihnachtsgeschenk an die vielen Zuhörer, ein Geschenk an alle Freunde der Sangeskunst und gepflegter Orchestermusik. Auserwählte Solisten und Solistinnen krönten das Meisterkonzert. Die Gesamtleitung oblag Christian Vogt, der nicht nur die "anima musica" bestens präpariert hat, sondern auch den Frauengauchor des Karl-Pfaff-Gaues, der sich mühelos ins Gesamtensemble einfand.

Henning Kussel hatte das Streicherensemble exakt und präzise einstudiert. Als Solistinnen brillierten Haeyoung Shin, Sopran, Hilde Scheerer, Mezzosopran und Evelyn Weidenhausen, Alt. Dass hohe künstlerische Qualität nicht von ungefähr kommt, sondern konsequentes Üben der richtigen Technik und Geduld beim Reifen erfordert, zeigt die stimmliche Eleganz des Chores. Seit sieben Jahren gibt Astrid Sawilla den Sängerinnen Stimmbildungsunterricht und sorgt so für den sängerischen Glanz, auch beim jungen Vorbereitungschor der "anima musica", der ebenfalls bei einigen Stücken mitsingen durfte und sich homogen ins Ensemble integrierte.

An der Orgel und am Cembalo begleitete mit der richtigen Mischung aus Einfühlsamkeit und Führung Martin Straub, an der Oboe spielte Willi Emmrich ein warmes Timbre, Glanzpunkte an der Trompete setzte Johannes Knoblauch.

Das Hauptwerk des Konzertes war zweifelsohne das Gloria in D-Dur von Antonio Vivaldi, für Soli, Frauenchor und Orchester, arrangiert von Desmond Ratcliffe. Vivaldi, italienischer Komponist und Violinist, Vielschreiber unter den barocken Musici und besonders bekannt und musikgeschichtlich prägend durch den Konzertzyklus "Die vier Jahreszeiten", legte mit dem Gloria ein Werk mit neuartiger Prägnanz und Akzentrhythmik seiner Themen vor. Festliche Klangpracht mit vollendet formaler Ausgeglichenheit bestimmen den Lob-, Dank- und Bittgesang. Die virtuosen Partien entwickelten die drei Solistinnen bravourös. Chor und Orchester, mit großem Gestus dirigiert von Christian Vogt, waren bestens aufeinander eingestimmt und agierten flexibel in einem wunderschönen Gesamtklang miteinander.

Was in diesem zweiten Teil des Konzertes, dem Gloria von Vivaldi, wie selbstverständlich schien, zeigte sich im ersten Teil des Konzertes noch etwas schüchtern und zaghaft: das Zusammenspiel von Chor und Orchester mit präzisen, klaren Einsätzen, rhythmischer Übereinstimmung und gleichem Duktus. Insbesondere bei Ritter von Herbecks "Pueri concinite" riss der Spannungsbogen etwas, wurde aber durch das perlende Solo von Haeyoung Shin aufgefangen und zeigte letztendlich die Entwicklungsfähigkeit des Chores.

Mit Mendelsohn-Bartholdys Gesang der Engel begann das Konzert, engelsgleich und zart gesungen. Hilde Scheerer zeigte an zwei Kantatenausschnitten von Johann Sebastian Bach ihren klaren, warmen Mezzosopran und die "anima musica" strebte mit dem "Ave verum corpus" von Mozart seinem ersten, geradezu Gänsehaut erzeugenden Höhepunkt zu. Mit "anima nostra" von Michael Haydn überzeugten die drei Solistinnen mit reichen Klangfarben. Hochartifiziell gelang auch "Die Nonne" von Brahms. Mit dem Engelsgesang des Gloria von Vivaldi endete das Ausnahmekonzert, himmlischer Genuss, weltlich sinnlich und technisch auf hohem Niveau dargeboten.