Lokale Kultur

Ein gewinnbringender Abend

DETTINGEN Einen wahrlich zauberhaften Abend konnten diejenigen erleben, die auf Einladung des Vereins "kultur ecce" in die fast intime Atmosphäre des Silchersaals der Schlossberghalle gekommen waren, um sich einmal mehr von Multitalent Helge Thun und Toningenieur Thommy begeistern und beschallen

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zu lassen. Gleich zu Beginn wurde der nadelgestreifte Held mit zu diesem Zeitpunkt noch völlig unverdientem Applaus und gleich anschließend auch noch mit Münzen geradezu überschüttet. Aus dem Dunkel der hintersten Reihen wurde dem Allround-Talent angeblich sogar gleich ein liebevoll zusammengefalteter Schein zugeworfen.

Noch bessere Geschäfte als der fingerfertige Magier machte allerdings nur kurze Zeit der von sparsamen Schwaben umlagerte und bei aller Skepsis doch sehr risikobereite Afan. Sein dem "Zaubersassa" ausgeliehener Zehn-Euro-Schein verwandelte sich vor den Augen des gewissenhaft mitrechnenden und alle physikalischen Gesetzte miteinbeziehenden "Klaus" eindeutig in einen Hundert-Euro-Schein. Bürgermeister Haußmann dachte zu dieser Zeit sicher schon ernsthaft über mögliche Ehrenbürgerschaften für diese Algerien und Kiel verbindende multikulturelle Zusammenarbeit und eine unkündbare Stelle in der Stadtkämmerei für den virtuosen Geldvermehrer nach.

Mit einem immer wieder pünktlich von Froschgedichten nicht aber vom Zersägen von Jungfrauen und anderen "Klassikern" unterbrochenen magischen Abend kannte der atemberaubende "Abreimer" offensichtlich nur ein mit bewiesener Fingerfertigkeit klar und konsequent verfolgtes Konzept: sich nie allzu genau in die von "Klaus" gewissenhaft gemischten Karten schauen zu lassen, solange die aufeinander gestapelten Würfel nicht gefallen sind. Unbedingt wissen wollte er zudem, wo Physiklehrer ihre nie in Mode kommenden Pullover kaufen, und ließ sich gerne an allen denkbaren Stellen intensiv von "Steffi" nach versteckten Kartenspielen abtasten. Allen Neidern riet er, einfach selbst Zauberer zu werden, verzichtete dann aber doch auf die angedrohte Gegenkontrolle bei "Steffi".

In einem nicht zu verhindernden Zugabenteil stellte er sich der schweren Herausforderung, in einem spektakulären sommernachtstraumesken Reimfinale alle Nationalspieler unterzubringen eine Aufgabe, bei der selbst magische Hände nur bedingt helfen. Auch wenn sich die von Ball- und Becher- über Karten- und Würfel- bis zu Seiltricks steigernde Dramaturgie nicht allzu atemberaubend anhört, warb Helge Thun souverän für sich und seine unterschiedlichsten Comedy-Angebote.

Sich über die Runden kalauernd, reimend und singend präsentierte er seine verblüffenden Tricks eigentlich nur so nebenbei. Er tat vor allem eines und das kann er besonders gut: Er spielte mit dem Publikum, dass es für alle, die von ihm "verschont" blieben, eine wahre Freude war.