Lokale Kultur

Ein Handwerker, der nie als Künstler bezeichnet werden wollte

KIRCHHEIM Eine Retrospektive erinnert derzeit im Untergeschoss des Städtischen Museums im Kornhaus an den Kirchheimer Maler und Kunsthandwerker Otto Stach. Der 1914 in Kirchheim geborene Otto Stach absolviert in den Jahren 1928

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FLORIAN STEGMAIER

bis 1931 eine Lehre bei Malermeister Schüler am Rossmarkt. Um seinen vielfältigen gestalterischen Interessen gerecht zu werden, besucht er kunstgewerbliche Kurse, später auch Fernkurse in Malen und Zeichnen.

Der Zweite Weltkrieg führt ihn ab Juni 1941 nach Russland. Gerade in diesen bitteren Kriegs- und Notzeiten entstehen viele seiner eindrucksvollsten Bilder. Die Jahre 1944 bis 1949 verbringt Otto Stach in russischer Kriegsgefangenschaft, wo ihm seine künstlerische Arbeit Zeichnen und Schnitzen eine große Hilfe ist, sein Schicksal zu ertragen. Nach fünfjähriger Gefangenschaft nimmt er, kaum nach Kirchheim zurückgekehrt, seine Arbeit bei der Firma Stadelmayer wieder auf.

Die Feierabende widmet Otto Stach, der sich selbst als Handwerker verstand und nie als "Künstler" bezeichnet werden wollte, dem Zeichnen, Malen, Schnitzen und Modellieren. Nicht nur die heimatliche Landschaft der Schwäbischen Alb, auch seine Urlaube in den Bergen Allgäu, Südtirol, Schweiz in der Provence oder an der Nordsee inspirieren ihn zu zahlreichen Werken. Mit dem "Ruhestand" 1979 geht es für Otto Stach erst richtig los. Nicht umsonst sprach Bürgermeister Günter Riemer in seinem Grußwort zur Ausstellungseröffnung von einem regelrechten "Aufatmen".

Otto Stachs Schaffenskraft erreicht zu dieser Zeit ihren Höhepunkt: es entstehen Plastiken aus Ton, Krippefiguren, Linol- und Holzschnitte, Ölbilder, Schriften, Urkunden, Entwürfe für Schilder, Stelen und Wandfriese. Im Oktober 1989 wird er mit einer Einzelausstellung anlässlich seines 75. Geburtstages im Kornhaus geehrt. Nach einem erfüllten, arbeitsreichen Leben stirbt Otto Stach am 3. Dezember 1997 in seiner Heimatstadt Kirchheim. Otto Stachs Arbeiten sind im Kirchheimer Stadtbild auf Schritt und Tritt präsent, man denke etwa an die zahlreichen Schilder in der Markt- und Max-Eyth-Straße oder an das Wollmarkt-Relief.

Mit seinen einführenden Worten würdigte Peter Baumhauer die Meisterschaft Otto Stachs im Umgang mit Material, Farbe und Schrift und den grundsätzlich heiteren Charakter seiner Werke. Otto Stach sei ein Mensch gewesen, der "mit und aus den Augen" gelebt habe. Seine Motive seien durchweg einfach gewesen, jedoch nie simpel. Für Otto Stach, den Baumhauer als "behausten Menschen" charakterisierte, sei gerade die Heimat diejenige prägende Kraft gewesen, die ihn künstlerisch ergriffen habe. Seine Arbeiten seien stets mit Liebe und Akribie gestaltet, Ausdruck eines von großer Humanität geprägten Menschen. Selbst die Erfahrung der Kriegsgefangenschaft habe Otto Stach nicht verbittert, im Gegenteil, zeigen doch die Portraits russischer Soldaten durchweg friedliche und vor allem menschliche Gestalten.

Die verdienstvolle Retrospektive wäre in dieser Form nicht möglich gewesen ohne das große Engagement von Wolfgang Znaimer, der bei Otto Stach seine Ausbildung erhalten hat. Schon seit vielen Jahren ist sein uneigennütziger Elan dem Ausstellungsgeschehen im Städtischen Museum eine große Stütze. In seinen abschließenden Worten wurde die große Verbundenheit Wolfgang Znaimers zu, wie er sich ausdrückte, "seinem" Otto Stach deutlich. Die Retrospektive gestalten zu dürfen, sei ihm geradezu als ein "Vermächtnis" erschienen.

Die Ausstellung ist noch bis Sonntag, 26. Juni, im Untergeschoss des Kornhauses zu sehen und zwar dienstags von 14 bis 17 Uhr, mittwochs, donnerstags und freitags von 10 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr sowie samstags, sonntags und an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr.