Lokale Kultur

Ein herrlicher Abend für den Leib und die Seele

KIRCHHEIM Für das Wohl von Leib und Seele der Beteiligten und Zuhörer sorgte am vergangenen Samstag ein Sommerkonzert der Kirchheimer Musikschule in den Räumen der Waldorfschule in der Ötlinger Fabrikstraße.

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HEINZ BÖHLER

Mit Mozarts Singspiel "Bastien und Bastienne" erfreuten Michaela Cummerow, Tabea Junker, Peter Schinko und das Symphonieorchester unter der Leitung von Johannes Stortz Herz und Ohren der zahlreichen Gäste.

Zuvor hatte das Orchester in kleinerer Formation den "Sommer" aus Vivaldis "Vier Jahreszeiten" akustisch höchst aktuell beschrieben. "Dergleichen Unschuld wird man selten auf dem Lande finden", beschreibt der Zauberer Colas die Liebe seiner beiden Schützlinge Bastienne und Bastien treffend. Bassist Peter Schinko zeigt den beiden verstockt Streitenden mit viel "lirum-larum" und anderen Zaubersprüchen, vor allem aber mit der souverän dargestellten Lebensklugheit eines weit Herumgekommenen den Weg zurück zueinander.

Johannes Stortz' Bearbeitung des Mozartschen ganz in der Tradition der süddeutschen Liedform gehaltenen Singspiels glänzte vor allem durch die sorgfältige Betonung der in eine ansprechende Melodik eingeflochtene rhythmische Feinheit. Durch den fast drollig zu nennenden Umgang der Protagonisten mit ihrem Liebeskummer und dessen Heilung, bewahrt das in der Art einer französischen "opéra comique" gehaltene Singspiel einen heiter-pastoralen Charakter, den das Orchester fast plastisch darzustellen vermochte. Drollig auch das Spiel der beiden weiblichen Darsteller: Während Tabea Junker ihre klangvoll-mezzosoprane Stimme dem Jungen Schäfer Bastien leiht und es prächtig versteht, den jungenhaften Hang zur Verstocktheit herauszuheben, zieht die Sopranistin Michaela Cummerow alle Register weiblichen Charmes bis hin zur zickenhaften Trotzigkeit. Da hilft tatsächlich nur noch die Klugheit des Wahrsagers, der am Schluss die Hände der beiden zusammenfügt und im Finalterzett mit seinem Bass die Szene harmonisch abrundet.

Zuvor hatte der Raum seine guten akustischen Eigenschaften schon von einem auf die Streicher und ein Cembalo reduzierten Rumpforchester darstellen lassen. In all seinen oft wechselhaften Erscheinungsformen verströmte im zweiten Teil von Antonio Vivaldis berühmtem Opus VIII der "Sommer" seine Hitze und seine Gewitterschauer. Das von Johannes Stortz geführte Orchester trug die Violinklänge des Solisten Christian Fischer-Sitte durch die hitzeflirrenden Tonlandschaften bis hinein in die beängstigende, elektrizitätsgeladene Stimmung vor einem gewaltigen Gewitter.

Um die bei mäßigen Temperaturen recht angenehme Sommerstimmung des Samstagabends in der Waldorfschule zu komplettieren, hatten die Verantwortlichen nicht versäumt, auch das leibliche Wohl ihrer Gäste im Auge zu behalten, schließlich hatte man sich für den Abend das Motto "Für Leib und Seele" auf die Fahnen geschrieben. Über einen mit bunten Kois besetzten Teich führte der Weg zu einer Theke, wo man den Abend bei italienischen Köstlichkeiten ausklingen lassen konnte.