Lokale Kultur

Ein Kleinod Mozarts

WEILHEIM "Mozarts kleine Oper" so wird "Bastien & Bastienne" in der Regel angekündigt. Keines der großen Werke wie die "Hochzeit des Figaro" oder gar die "Zauberflöte" suggeriert dieser Titel. Weit gefehlt. Die "Operetta in teutsch", wie Vater Leopold das

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NICOLE MOHN

Singspiel nennt, ist ein oft übersehenes Kleinod im großen Schatzkästchen seines Filius. Am Freitagabend war die kleine Rarität in der Limburghalle Weilheim in einer bezaubernden Neuinszenierung zu sehen. "Bastien & Bastienne" ist eines der frühesten Singspiele Wolfgang Amadeus Mozarts und entstand wahrscheinlich im Jahr 1768. Zarte Zwölf war der Komponist damals und bekam die Arbeit an dem Stück vermutlich als Hausaufgabe von seinem Vater auf. Einfach scheinen die Melodien daher zu kommen, gestaltet der große Sohn Salzburgs den stimmigen Rahmen für die ländlich angehauchten Geschichte, für die Friedrich Wilhelm Weisskern, Johann H. F. Müller und Johann Andreas Schachtner das Libretto lieferten.

Doch die Einfachheit täuscht. Schon in diesem Frühwerk Mozarts erspürt der Kenner Themen, die der Komponist später in seinen großen Werken aufgreift und verfeinert, blitzt das Genie des Zwölfjährigen unverkennbar aus dem liedhaft anmutenden Charakter. "Schwieriger zu spielen als Don Giovanni", sagt Heinrich Graf von der Weissenhorner Kammeroper. Eine echte Herausforderung also an die Mitglieder der Philharmonischen Kammersolisten.

Zudem gewann die Weissenhorner Kammeroper mit der spanischen Sopranistin Itziar Real, Alexander Efanov in der Rolle des Bastien sowie dem bekannten Kammersänger Karl Friedrich Dürr eine hervorragende Besetzung für das musikalische Verwirrspiel um die Liebe zwischen der reizenden Bastienne und dem flatterhaften Bastien. Nicht nur stimmlich überzeugten alle drei Akteure eindrucksvoll: So würzt die temperamentvolle Spanierin die Rolle der naiven, treuherzigen Schäferin, die sich nach ihrem untreuen Verlobten sehnt, mit herzerfrischendem Mienenspiel.

Und auch Dürr in der Rolle des Dorfwahrsagers und Zauberers Cola verleiht seiner Figur Substanz und Präsenz und läuft beim großen Hokuspokus, mit dem er die Liebenden vermeidlich wieder zusammenzaubert, zu Hochform auf. Beim neckischen "Hasch mich" der beiden Liebenden im zweiten Teil verlieh auch Alexander Efanov dem Treiben Frische und Humor.

Liebevoll hat sich das Ensemble des Singspiels angenommen, später entstandene, längst vergessene Rezitative zum Stück ausgegraben, ergänzt und aufgearbeitet. In der so entstandenen Neufassung wirkt das Stück nun rund und harmonisch. Allerdings hatten sowohl Sänger als auch das Ensemble aus Bläsern, Streichern und Cembalo erheblich mit der unzureichenden Akustik in der Limburghalle zu kämpfen. Obwohl das kleine Orchester bemüht war, sich so weit wie möglich zurückzunehmen, ohne dabei den harmonischen Klang zu zerstören, schluckte der Guckkasten der Bühne und die Bauweise der Mehrzweckhalle vor allem die herrliche Stimme Itziar Reals stellenweise so stark, dass in den hinteren Reihen der Hörgenuss geschmälert wurde. Auch Tenor Efanov hatte mit den Bedingungen zu kämpfen. Lediglich Dürr mit seinem sonoren Bass konnte dem etwas entgegenhalten. Trotz dieses Mankos: Es ist schade, dass die wirklich gelungene Inszenierung der Opera Comique nach Ludivine Petit nur rund 80 Zuhörer in die Limburghalle lockte. Das Gastspiel der Weissenhorner Kammeroper hätte mehr Zuspruch wahrlich verdient.