Kirchheim

Ein „Kriegskind“ feiert voller Stolz den 75. GeburtstagInfo

Die Kirchheimer Freihof-Realschule begeht ihr Jubiläum in der Stadthalle mit Rück- und Ausblicken von 1559 bis 2091

Schulleiter Clemens Großmann begrüßt die Gäste in der Kirchheimer Stadthalle zur 75-Jahr-Feier der Freihof-Realschule. Neben ihm
Schulleiter Clemens Großmann begrüßt die Gäste in der Kirchheimer Stadthalle zur 75-Jahr-Feier der Freihof-Realschule. Neben ihm auf der Bühne die „Big-Bandits“, die der Feier musikalischen Glanz verliehen.Foto: Thomas Kaltenecker

Die Freihof-Realschule feiert Jubiläum: Vor 75 Jahren als reine Mädchenrealschule gegründet, war nun bei einem Festakt Zeit für Aus- und Rückblicke.

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Andreas Volz

Kirchheim. Der Zeitraum, um den es bei der Jubiläumsveranstaltung in der Kirchheimer Stadthalle ging, reichte weit über die 75 Jahre hinaus, die es da zu feiern galt. Auch in Bezug auf die Geschichte bezeichnete Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker die Freihof-Realschule nämlich als eine „Schule der Superlative“. Unter Einbeziehung der Vorgängerschulen existiere die Freihof-Realschule eigentlich schon seit 457 Jahren. Schließlich habe Herzog Christoph bereits 1559 die Einrichtung von Mädchenschulen in Württemberg angeordnet. Die spätere Gründung der Mädchenrealschule stehe somit in dieser langen Tradition.

Auch wenn die 75 Jahre an der Freihof-Realschule grundsätzlich ei­ne „Zeit voller Veränderungen und Herausforderungen“ gewesen seien, ging die Oberbürgermeisterin vor allem auf die Herausforderungen der vergangenen zehn Jahre ein – als die Stadt als Schulträger einen neuen Klassen- und Verwaltungstrakt bauen musste. Auch dabei kam es zu Superlativen: Immerhin hätten sich 385 Büros für den Wettbewerb gemeldet, von denen schließlich 30 per Los ermittelt wurden. Für die Umsetzung des Neubaus gab es dann 2013 gar einen Preis für beispielhaftes Bauen.

Angelika Matt-Heidecker ging aber auch noch kurz auf ihre ganz persönliche Geschichte ein: „Ich bin stolz darauf, selbst ein Kind der Freihof-Realschule zu sein. Und ich bin froh, dass an dieser Schule die Grundlagen für mein weiteres Leben gelegt wurden.“

Nach diesem persönlichen Rückblick überreichte sie namens der Stadt einen jungen Ginkgo-Baum an Schulleiter Clemens Großmann. Der nutzte die Gelegenheit für einen ersten Ausblick und sagte zur Oberbürgermeisterin: „Ich bin mir sicher, wir werden an unserer Schule auch diesen Baum großziehen. Vielleicht können wir dann zur 100-Jahr-Feier der Schule gemeinsam im Freihof sitzen – im Schatten des Baumes.“

Schulrätin Kirstin Braun blickte sogar noch weiter in die Zukunft voraus – bis die Freihof-Realschule doppelt so alt ist wie heute: „Ob es in 75 Jahren noch die Schulart Realschule gibt, kann niemand voraussagen. Aber es wird auch in 75 Jahren Schüler geben, denen die Schule gerecht werden muss.“ So wenig wie man sich diese Schüler heute schon vorstellen kann, hatte man damals – 1941, also mitten im Zweiten Weltkrieg – an die Schüler von heute gedacht. Wie sehr sich die Zeiten seither gewandelt haben, zeigte die Schulrätin durch die schlichte Aufzählung der beliebtesten Vornamen des Jahres 1941: Ingrid, Karin, Renate, Elke oder Bärbel nannte sie ebenso wie Hans, Heinz, Rolf oder Dieter. So heißen heute allenfalls noch ein paar Lehrer. Aber wer weiß schon, wie das in 75 Jahren aussieht – also 2091?

Kurz nach dem Krieg jedenfalls sei das Gedränge an der Schule im Freihof so groß geworden, dass für den Unterricht ein Schichtbetrieb eingeführt werden musste, berichtete Kirstin Braun weiter. So schlimm ist es aber längst nicht mehr: Aktuell seien es über 550 Schüler in 19 Klassen, die Profile wählen können wie die Bläserklasse – in Kooperation mit der Stadtkapelle Kirchheim – oder, vom kommenden Schuljahr an, den neuen bilingualen Zug.

Die Vorgängerschulen der Freihof-Realschule als Mädchenschule verortete die Schulrätin zwar nicht schon im 16., aber doch immerhin bereits im 19. Jahrhundert. Damals seien im Zuge der Industrialisierung viele Mädchenmittelschulen entstanden, an denen unter anderem Fächer wie „weibliches Arbeiten“ auf dem Stundenplan standen. Inzwischen aber habe sich „unsere Gesellschaft und damit auch die pädagogische Arbeit grundlegend verändert“. So werde sich der Unterricht auch immer mehr auf die individuellen Lernwege einstellen müssen.

Diesen Gedanken griff der Schulleiter auf, der noch einmal an die Bauphase zwischen 2009 und 2011 erinnerte – unter seinem Vorgänger Eberhard Schweizer. Nicht zuletzt durch die Umgestaltung des Lindachufers finde seither so manche Biologiestunde „an beziehungsweise in der Lindach“ statt. Und selbst im Schulhaus gibt es seit 2013 die „Lerninseln“, die individuelles Lernen ermöglichen. Für ein gelingendes Schulleben am Wohlfühlort Freihof-Realschule dankte Clemens Großmann allen Beteiligten: der Stadt als Schulträger, dem Schulsozialarbeiter Martin Lempp, Schülern und Lehrern ebenso wie den Eltern und dem engagierten Förderverein. Sie alle tragen dazu bei, dass sich auch die heutigen Schüler in 50 oder mehr Jahren so gerne an ihre Schulzeit im Freihof zurückerinnern können wie die Ehemaligen, von denen Clemens Großmann berichtete: „Bis heute fühlen sich viele Abschlussjahrgänge ihrer Freihof-Realschule noch so verbunden, dass sie bei ihren Feiern gerne an diesen Ort zurückkehren.“

Während des Festakts in der Stadthalle haben die unterschiedlichsten Ensembles das Publikum vom hohen musikalischen Niveau an der Freihof-Realschule überzeugt. Im zweiten Teil hielt Professor Dr. Felix Wichmann von der Universität Tübingen einen Vortrag über den Zusammenhang von Gehirnforschung und Lernen. Ein ausführlicher Bericht über diesen Vortrag folgt noch. – Wer die Freihof-Realschule vor Ort in ihrer ganzen Vielfalt erleben will, hat beim Lindachfest am morgigen Dienstag die Gelegenheit dazu. Beginn ist um 17 Uhr.