Lokale Kultur

Ein Rufmord und erbitterte Machtkämpfe

Manfred Bomm präsentierte in der Bücherei im Kapuzinerhaus in Weilheim seinen neuesten Häberle-Kriminalroman

Weilheim. Vor zehn Jahren hat Manfred Bomm seinen ersten Kriminalroman geschrieben und damit zu einem Zeitpunkt, der die Welt nachhaltig verändert habe. Damit bezog sich der routinierte und ironiesichere Geschichtenerzähler und Autor

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aber nicht allein auf seinen erfolgreichen Erstling „Himmelsfelsen“ oder den noch im selben Jahr erschienenen Krimi „Irrflug“, der mit dem Fund einer Leiche auf dem Kirchheimer Sportflugplatz Hahnweide spektakulär beginnt.

Neben den beiden Bomm-Büchern, die den viel schreibenden Lokalredakteur der Geislinger Zeitung mit seinen Schwaben-Krimis rasch weit über seine schwäbische Heimat hinaus bekannt machten, kam auch „Face-Book“ auf den Markt, das eine entscheidende Wende mit sich brachte. Ab diesem Moment sei es schließlich möglich geworden, ganz neue Kommunikationsformen zu erproben und plötzlich sehr viele Freunde zu haben, ohne sie eigentlich zu kennen.

Dass in diesem für Manfred Bomm zweifellos sehr wichtigen Jahr auch das erste Dschungelcamp über die Bühne ging und nicht allzu bedeutenden B-Promis erstmals Gelegenheit bot, sich entsprechend medial unterstützt in Erinnerung zu bringen, verstärkte eindeutig die Signalkraft dieses Jahres für den inzwischen sehr versierten Autor. Er ist längst bekannt dafür, dass er mit seinen viel beachteten Kriminalromanen nicht nur spannend unterhalten, sondern fast immer auch eine ihm wichtige Botschaft vermitteln kann. Manfred Bomm hat schließlich vielfältige Interessen, ist gesellschaftspolitisch engagiert und hat immer auch viel zu sagen.

Bei seiner inzwischen schon neunten Lesung in der Weilheimer Bücherei im Kapuzinerhaus konnte er jetzt nicht nur seinen neuesten veröffentlichten Titel „Machtkampf“ umfassend vorstellen, sondern auch mitteilen, wie sein längst angefangener 15. Krimi mit dem eigentlich überhaupt nicht alternden Kriminalkommissar August Häberle heißen wird.

Zu viel verraten hat der bekennende Schwabe aber weder über den neu erschienenen Band noch über das Buch, das er gerade schon wieder in Arbeit hat. Schließlich werden die von ihm in verlässlicher Regelmäßigkeit auf den Markt gebrachten Bücher von ihm auch gerne signiert und verkauft. Alles, was bei den mit Musik und Sirenenklängen unterlegten Lesungen an Informationen bewusst ausgespart wird, soll ja von dem immer sehr gut unterhaltenen und zudem gekonnt neugierig gemachten Publikum bei konzentrierter und mitdenkender Lektüre selbst nachvollzogen und gewissenhaft verfolgt werden.

Auch in seinem neuen Buch versteht es Manfred Bomm sehr gut, immer wieder an den spannendsten Stellen wirkungsvoll den Lesefluss zu unterbrechen, die Perspektive zu wechseln und rasch einen ganz anderen Erzählstrang weiterzuführen und genau damit dafür zu sorgen, dass man auch in dem neuen spannenden Wälzer sehr gut vorankommt und immer bemüht ist, mit den souveränen Ermittlern und den aktuellen Geschehnissen stets auf Augenhöhe zu bleiben.

Mit großem Interesse zur Kenntnis genommen wurde von der im Weilheimer Kapuzinerhaus versammelten treuen Fangemeinde vor allem auch, dass der Journalist und Polizeireporter sich wohl bald ausschließlich auf seine schriftstellerische Leidenschaft konzentrieren und sich vom derzeit noch aktiv betriebenen Tagesjournalismus verabschieden wird.

Die unheimlich schnell sich wandelnde mediale Welt spielt auch in seinem neuesten Kriminalroman eine große Rolle. Manfred Bomm gewährt darin nicht nur fundierte Einblicke in die Arbeit des längst vertrauten Ermittlerteams um Kommissar August Häberle, sondern auch in die ihm ja allerbestens geläufigen Rahmenbedingungen der Welt des Lokaljournalismus und der immer wieder neu zu beantwortenden schwierigen Frage, wie mit vorliegenden, aber noch nicht absolut verifizierten Informationen umzugehen ist. An zwei unterschiedlichen Redaktionsmitgliedern zeigt er überzeugend die schwerwiegenden Konflikte auf, die im Grenzbereich zwischen Informationspflicht und latenter Rufmordgefahr lauern und oft in der Erkenntnis kulminieren, dass besonnenes Zuwarten immer auch die riesige Gefahr in sich birgt, dass andere die fragwürdige Nachricht bedenkenlos streuen und damit als Erste auf dem Markt sind.

Wer Kriminalromane schreibt, steht bei Lesungen naturgemäß ohnehin schon vor der schwierigen Aufgabe, einerseits Neugierde wecken zu müssen, um sich das Interesse seines Publikums zu sichern, andererseits dabei aber nicht schon zu viel von dem zu verraten, was die Leserschaft zwischen den beiden weit auseinanderliegenden Buchdeckeln erwartet.

Manfred Bomm verstand es aber sehr geschickt, die Besucher auf den rätselhaften Selbstmord eines Viehhändlers einzustellen, der eng mit einem relativ skrupelresistenten Großgrundbesitzer befreundet war, der keinesfalls uneigennützig die Hofgüter von in finanzielle Schwierigkeiten geratenen kleinen Bauern auf der Schwäbischen Alb aufkaufte.

Eine ganz wichtige Rolle spielt auch ein evangelischer Pfarrer, der im Verdacht steht, einen Schutzbefohlenen sexuell missbraucht zu haben. Ein zwielichtiger Russe ist offensichtlich ebenfalls eng in die das vermeintliche Dorf-Idyll gefährdenden Machenschaften verstrickt und auch der honorige Bürgermeister oder die angesehene Schulleiterin bieten genügend Anhaltspunkte, für vorausahnende Spekulationen.

Dass der neue Schwaben-Krimi zuletzt weit über seine regionalen Limitierungen hinauswächst und in einem fernen Land zuletzt alle Fäden der abenteuerlichen spannenden Machenschaften zusammenlaufen und alle bis zuletzt noch offenen Zusammenhänge aufgedeckt werden, wird vermittelt, aber nicht einmal gesagt, wo die luxuriöse Hotelanlage steht, in der es dann zum spektakulären Showdown kommt.

Einmal mehr erweist sich Manfred Bomm auch in seinem neuen Roman wieder als ausgesprochen solider Handwerker, der sein Metier souverän beherrscht. Wenn Kommissar Häberle nach erneut erfolgreichen Ermittlungen die Akte schließt, sollen schließlich keine Fragen mehr offen bleiben.