Kirchheim

Ein Spiegel der Gesellschaft

Stadtplanung Auf dem Kirchheimer Steingau-Areal, zwischen Bahnhof und Altstadt, entsteht bis Ende 2022 ein neues Quartier, das bundesweit Beachtung findet und seit acht Jahren geplant wird. Von Katja Eisenhardt

Stadtplaner Gernot Pohl zeigt, wie es auf dem Steingau-Areal vorangeht: 2022 soll alles fertig sein.Foto: Katja Eisenhardt
Stadtplaner Gernot Pohl zeigt, wie es auf dem Steingau-Areal vorangeht: 2022 soll alles fertig sein.Foto: Katja Eisenhardt

Stadtplaner Gernot Pohl, Leiter der Abteilung Städtebau und Baurecht der Stadt Kirchheim, erklärt: „Die Stadt soll stetig weiterentwickelt werden, dabei geht es nicht allein um die Nachverdichtung. Auch die Entsiegelung von Flächen zur Schaffung von Naherholungsbereichen gehört dazu.“ Vielmehr noch geht es beim Steingau-Areal aber um eine inhaltliche Weiterentwicklung der Stadt.

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Auf 3,5 Hektar Brachfläche entstehen hier rund 420 Wohnungen - darunter aktuell zwei Einfamilienhäuser sowie Wohn- und Geschäftshäuser mit maximal elf Einheiten pro Gebäude. Diese sollen pro Gebäude gemischt genutzt werden - als Wohnraum in Kombination mit ganz unterschiedlichen Projekten. Dazu gehören bislang beispielsweise eine offene Werkstatt, Räume für den Tageselternverein, eine Pflege-WG, so genannte „Coworking Spaces“, also mietbare gemeinschaftliche Büroräume, Cluster-Wohnungen, bekannt als Wohngemeinschaften, ein Biomarkt, Physiotherapie, eine Kieferorthopädiepraxis, ein Café, Gewerbeeinheiten und Sozialwohnungen. Das Steingau-Areal soll vielfältig werden, ein „Stück Stadt“, wie Gernot Pohl sagt. Ein Ort, der das gesamte Leben, die Gesellschaft widerspiegelt, in dem ganz unterschiedliche Menschen zusammengebracht werden: alle sozialen Schichten, Altersstufen und Herkünfte. Wohnen, Arbeiten, Freizeit - alles in einem Areal kombiniert. Eine vernetzte Nachbarschaft.

Für die Stadt und das Quartier

Zwei Vergabekriterien sind bei der Verteilung der einzelnen Baufelder zentral: Was leistet das Projekt für die Stadt- und die Quartiersgesellschaft? „Hier war und ist bei den noch freien Feldern Kreativität gefragt, um einen Bauplatz zu bekommen“, sagt Gernot Pohl. Dabei spielt besonders die Aufteilung innerhalb der Gebäude eine Rolle, genauso aber auch deren Architektur. Denn nicht jedes Gebäude des Steingau-Areals wird am Ende völlig gleich aussehen. Eines ist etwa komplett aus Holz.

Sieben unterschiedlich große Baufelder gibt es, jedes soll auch einen gemeinsamen Innenhof bekommen, der in seiner Nutzung individuell gestaltet werden kann. Pro Baufeld gibt es etwa Platz für drei bis elf Gebäude. Derzeit ist etwa die Hälfte vergeben, frei sind noch die Felder drei und sechs. „Hier könnten beispielsweise auch Wohnungen für die Anschlussunterbringung von Flüchtlingen genutzt werden - auch hier aber wieder in Kombination mit weiteren Projekten“, so Stadtplaner Gernot Pohl.

Die erste Vergaberunde der Baufelder endete im Januar dieses Jahres, das Interesse sei groß, sagt Pohl. Die zweite läuft bis Januar 2019 (Baufeld drei), Runde drei bis Januar 2020 (Baufeld sechs). „Für jedes Baufeld gibt es einen so genannten Ankernutzer, dieser baut das Gebäude und die zugehörige Tiefgarage für das gesamte Baufeld. Das kann ein Bauträger oder auch eine Baugruppe sein. Pro Baufeld kann es mehrere Projekte, also auch die Kombination aus Einfamilienhaus und mehrteilig genutztem Gebäude geben. Die Anzahl der Bauprojekte pro Feld ist nicht vorgegeben, es kommt dabei auf deren einzelne Größe an“, erklärt Gernot Pohl das Vergabeprozedere. Auf den noch freien Baufeldern drei und sechs gäbe es Platz für insgesamt bis zu 20 Projekte.

Das Gelände ist erschlossen, die Leitungen sind verlegt, die Baufelder sind bebauungsreif. Teils wurde mit den Tiefbauarbeiten begonnen, wie im Baufeld fünf. Im Januar 2019 soll mit den Tiefgaragen für die Baufelder eins, zwei, vier und sieben gestartet werden. Die Gebäude in diesen Bereichen sind bis Ende 2020 bezugsfertig. Das Gesamtprojekt soll nach aktueller Planung inklusive Fertigausbau der Straßen und gemeinschaftlich genutzten Plätze 2022 abgeschlossen sein.

Info: Am Montag, 5. November, findet ab 18 Uhr in der Stadthalle Kirchheim die nächste Stadthausbörse statt, bei der man sich informieren kann.