Kirchheim

Ein Treffen gegen das Vergessen

Tradition Die Bulkeser Heimatortgemeinschaft feierte am Pfingstwochenende in der Stadthalle in Kirchheim ihr bereits 35. Heimattreffen. Erfreuliches Signal: Die Kirche in Bulkes wird renoviert. Von Cornelia Wahl

Angelika Matt-Heidecker und Wilhelm Bauderer sprachen beim Bulkeser Heimattreffen in der Stadthalle. Fotos: Cornelia Wahl
Angelika Matt-Heidecker und Wilhelm Bauderer sprachen beim Bulkeser Heimattreffen in der Stadthalle. Fotos: Cornelia Wahl

In einem liebevoll mit Blumen geschmückten kleinen Saal der Stadthalle kamen die einstigen Bewohner aus dem früheren Ort Bulkes, dem heutigen Magli´c, am Pfingstsonntag zusammen zu einem „Tag des Wiedersehens, an dem wir uns austauschen und berichten können, wie es uns seit dem letzten Heimattreffen ergangen ist“, wie Wilhelm Bauderer, die Anwesenden begrüßte. Er leitete letztmalig als Mitglied des Heimatausschusses das Treffen der Heimatortgemeinde in der Stadthalle in Kirchheim.

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Rund 50 Bulkeser folgten der Einladung zum 35. Treffen in ihre Patenstadt unter der Teck. Sie sind ein kleiner Teil einer großen Schar Deutscher, die vor mehr als 70 Jahren die Gräueltaten des damaligen Tito-Regimes im ehemaligen Jugoslawien überlebten, vertrieben wurden und unter anderem in Kirchheim eine neue Heimat gefunden haben. Dort kommen sie alle zwei Jahre zusammen, um sich zu erinnern und sich unermüdlich gegen das Vergessen des Geschehenen einzusetzen und die Geschichte für die Nachkommen wach zu halten.

Der Vizepräsident des Weltdachverbandes der Donauschwaben, Josef Jerger, der krankheitsbedingt nicht vor Ort sein konnte, forderte in seinem übermittelten Grußwort seine Landsleute zum Zusammenhalt auf. „Wir sind in dem Stadium, dass die überlebende Generation immer kleiner wird und unsere donauschwäbischen Gemeinschaften ihre Aktivitäten einstellen müssen. Der Zusammenhalt in der Gemeinschaft wird diesen Prozess nicht aufhalten können, was er aber kann, ist das endgültige Aus zu verzögern.“

Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker ging zunächst auf das unermessliche Leid ein, das den Bulkesern vor 74 Jahren widerfahren ist, auf die Erinnerungen daran, die noch heute große Trauer auslösen und auf die Bereicherung, welche die Bulkeser und ihre Landsleute für die Stadt bedeuten. Sie legte den Fokus auf die im Mai 2017 getroffene Begründung einer Städtepartnerschaft zwischen Kirchheim und der Gesamtgemeinde Backi Petrova´c. Darin wurde vereinbart, das Bulkeser Kulturerbe, insbesondere das Kirchengebäude in Magli´c, dem ehemaligen Bulkes, zu bewahren.

„Ich denke die ersten Früchte dieser Städtepartnerschaft durften Sie als Geschenk von allergrößter Bedeutung am Festwochenende der Partnerstädte bereits entgegennehmen, als Ihnen eine Delegation der serbischen Partnerstadt die Pläne zur Innen- und Außensanierung der Kirche von Bulkes mitgebracht hat“, sagte die Oberbürgermeisterin. Diese sehen eine Sanierung bis zum Jahr 2020 vor, dem 200-jährigen Bestehen des Gotteshauses, um es in altem Glanz erstrahlen zu lassen und es einer zeitgemäßen Nutzung als Kultur- und Dokumentationsstätte zu zuführen.

Auch die Stadt Kirchheim werde „alles tun, um das, was geplant ist, auch umzusetzen“, versicherte Angelika Matt-Heidecker. So werde eine kleine Delegation im August in die Partnerstadt reisen. Für das Ansinnen eines wirtschaftlichen Miteinanders werde es in wenigen Wochen ein Treffen zwischen Kirchheimer Unternehmen und Vertretern der Industrie- und Handelskammer geben. Es soll ein Förderverein ins Leben gerufen werden, um mögliche Geldgeber für die Kirchen-Sanierung aufzutun. „Ich glaube, dass da etwas an finanzieller Unterstützung auch von unserer Seite kommen muss“, sagte Angelika Matt-Heidecker. Auch habe sie ein Gespräch mit der Leiterin des Mehrgenerationenhauses geführt, „um einen Austausch zwischen Jugendlichen in Kirchheim und Backi Petrova´c zu vereinbaren. Ich bin auf großes Interesse bei ihr gestoßen. Sie sagt: ‚Wir müssen die Jugend zusammen bringen, ihr vor Augen führen, was die Vergangenheit war. Denn auf der Vergangenheit basiert unsere Zukunft‘.“

35. Heimattreffen Bulkeser
35. Heimattreffen Bulkeser
35. Heimattreffen Bulkeser
35. Heimattreffen Bulkeser