Lokale Kultur

Eine beglückende musikalische Umarmung

KIRCHHEIM Eine aus der Musikbegeisterung geborene Idee war es, die die fünf jungen Blechbläser Christine Dobmeier, Christian Raichle (Trompeten), Carla Gedicke (Horn), Aaron Stilz (Posaune)

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REINER SCHREIER

und Johannes Kuhlmann (Tuba) zusammenführte: Sie gründeten kurz entschlossen ein Blechbläser-Quintett, um beim Wettbewerb "Jugend musiziert" im Jahr 2005 als Ensemble anzutreten. Nach jeweils ersten Preisen im Regional- und im Landeswettbewerb reüssierten sie schließlich auch im Bundeswettbewerb in Fürth, Nürnberg, Erlangen mit einem ersten Preis und wurden Stipendiaten der "Jürgen-Ponto-Stiftung".

Was die Zuhörer in der ehrwürdigen Sankt Georgskirche in Dettingen zu hören bekamen, war denn auch in jeder Beziehung preiswürdig. Wann hat man ein jugendliches Ensemble mit einem Durchschnittsalter von knapp 19 Jahren auf solchem Niveau spielen hören? Dabei war die präsentierte Literatur gleichermaßen anspruchsvoll und kräftezehrend wie virtuos und spektakulär. Wenn professionelle Weltklasse-Ensembles wie "German-" oder "Canadian-Brass" solche Stücke spielen, ist dies selbstverständlich. Wenn junge Leute wie die Mitglieder des Ensembles "emBRASSes" sich an die selbe Literatur wagen und dabei nicht nur "bestehen", sondern auch noch glänzen können, ist das fast sensationell.

Im ersten Teil des recht farbenreichen Programms standen seriös-klassische Werke von Mouret, Scheidt, Händel, Ewald und Bizet, die einen großen Bogen in der Chronologie der Blechbläsermusik schlugen. Virtuos und erstaunlich stilsicher gelang die "Battle-Suite" von Samuel Scheidt, rund und mit sehr guter Intonation die "Hornpipe" von Händel und das "Rondeau" von Mouret, mit dem das Konzert eröffnet wurde. Der junge Posaunist Aaron Stilz moderierte charmant und informativ mit selbstverfassten Anmerkungen das ganze Konzert und konnte damit eine weitere gelungene "Note" in der Ausstrahlung des Ensembles setzen.

Auch als Solist in Bizets "Torerolied" glänzte er mit prächtigem Ton und zwingender Gestaltung. Victor Ewalds Quintett Nr.1 op. 5 stellt professionelle Ansprüche an das Ensemblespiel und kann von "Anfängern" nicht bewältigt werden. Auch wenn hier gelegentlich die Grenzen der augenblicklichen Leistungsfähigkeit erkennbar wurden, war die Wiedergabe des Quintetts sehr klangschön und musikalisch reif in der Empfindung.

Der zweite Teil des Programms war eher unterhaltsamerer moderner Literatur gewidmet und sattelte in Sachen Spielfertigkeit noch eins drauf. Enrique Crespos "Ragtime" eröffnete den Reigen der humorigen Stücke, die dem Publikum ein ums andere Mal ein Schmunzeln entlockten. Joseph Horovitz "Music Hall Suite" gab den Spielern reichlich Gelegenheit zu brillieren, ebenso Chris Hazells "Four for the road" und als die musikalische Persiflage der Katze "Kraken" ebenfalls von Chris Hazell als letztes Stück erklang, war die Begeisterung der Zuhörer punktgenau auf dem Gipfel angelangt.

Was soll man in der Zusammenschau mehr loben: die immense Klangschönheit und technische Brillanz der beiden sauber aufeinander abgestimmten Trompeten von Christine Dobmeier und Christian Raichle, das flinke und tonreine Spiel der Hornistin Carla Gedicke, Aaron Stilz jugendliche Professionalität oder den Samtton und die Kondition des jungen Tubisten Johannes Kuhlmann? Herauszuheben ist vor allem die Ensembleleistung der Gruppe, die als geschlossenes Ensemble auftrat, ohne Allürchen und auch ohne Ausfälle, verbunden mit ausgezeichneter Intonationssicherheit, bemerkenswert reifer musikalischer Gestaltungskraft und dabei zugleich jugendlicher Frische.

Mit Spielwitz und Präzision gelangen auch am Ende des schwierigen Programms noch zwei mitreißende Zugaben, die das Publikum in bester Laune ganz im Sinne des Ensemblenamens musikalisch mit "einer Umarmung" in den Abend entließen. "Thank you for the music". Man darf dem Ensemble nur wünschen, dass es auf seinem Weg weiterhin vorankommt und von den besten Fachkräften unterstützt und weitergebildet wird, die es im Lande gibt. Hier wird im besten Wortsinne nicht Öl, sondern Gold gefördert.