Lokale Kultur

Eine Frau mit Herz und Leidenschaft

Nürtingen ehrt Hildegard Ruoff zu ihrem 95. Geburtstag mit einem Empfang

Nürtingen. Sie lebt ein Leben voller Leidenschaft für die Kunst und nicht minder für die Menschen; der Nürtinger Kunst- und Kulturszene ist sie

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so eng verbunden wie kaum jemand anderes: Hildegard Ruoff. Anlässlich ihres 95. Geburtstages richtete die Stadt Nürtingen in der Ruoff-Stiftung einen feierlichen Empfang aus.

Die komplette Spitze der Stadtverwaltung war vertreten, ebenso zahlreiche Gemeinderäte, befreundete Künstler und Weggefährten wie die Künstlerin Ursula Stock. Sie hatte für die Jubilarin ein ganz besonderes Geschenk dabei: „Sie hat das erste Porträt von mir gemalt“, erzählte Hildegard Ruoff. Nur ihr Mann, sagte sie, hat sie sonst porträtiert. Auf einer Vitrine im Flur fand das Porträt seinen Ehrenplatz, umrahmt von den vielen Präsenten, die Hildegard Ruoff zum Geburtstag erhielt.

Die goldene Bürgermedaille der Stadt Nürtingen zählte nicht dazu: Die bekam die rührige Schwäbin bereits zum 90. Geburtstag, wie sich Oberbürgermeister Otmar Heirich erinnert. Als erste Frau habe sie die Ehrung erhalten, so das Stadtoberhaupt. Warum, das brachte Heirich in seiner Festrede nochmals klar zum Ausdruck. Er würdigte Hildegard Ruoff als herausragende Persönlichkeit, die Nürtingen nachhaltig geprägt habe. Und sich mit Leidenschaft und Überzeugung für die Sache einsetzt. „Ohne Sie wäre die Kulturlandschaft in unserer Stadt deutlich ärmer“, so der Oberbürgermeister. „Ich bin froh, dass Sie uns geschenkt worden sind“, betonte Heirich.

Schwäbisch, so der OB, habe die gebürtige Stuttgarterin ja erst bei Fritz Ruoff gelernt. Im renommierten Kunsthaus Schaller, wo sie zur Kunsthändlerin ausgebildet wurde, begegnete sie dem aus Nürtingen stammenden Künstler. „Wesensverwandt“ nannte Heirich das Paar, sowohl im Kunstverständnis als auch in Literatur und Politik; das habe ihren Weg ausgezeichnet.

1963 zog das Ehepaar Ruoff in das Haus in der Schellingstraße, das damals noch der Kunstsammlerin Gustl Pfänder gehörte. Für die Ruoffs stets mehr als eine reine Wohnstätte, wie Heirich betonte. Vielmehr Heimat und Hort für künstlerisches Schaffen und Verständnis. Ihre eigene Karriere stellte Hildegard Ruoff zurück, sie begleitete Fritz Ruoff in seinem Schaffen, arbeitete künstlerisch mit ihm zusammen.

Nach seinem Tod im Jahr 1986 regte Hildegard Ruoff den Erhalt des Hauses mit dem Werk ihres Mannes an. Alt-Oberbürgermeister Alfred ­Bachofer kann sich noch gut daran erinnern, wie sie bei Tee und Brötchen dazu erste vorsichtige Hinweise ins Gespräch einfließen ließ. Im Gemeinderat stieß Bachofer mit der Idee allerdings zunächst auf Skepsis. Wohl auch, weil nicht jeder mit dem Werk bekannt war. Bis er das Gremium mitnahm zu Hildegard Ruoff. Im Fundus habe sie ein Werk nach dem anderen herausgezogen: „Mit einem Schlag hatten wir eine ganz andere Stimmung“, erinnerte sich der Vorstand des Freundeskreises der Fritz-und-Hildegard-Ruoff-Stiftung.

„Sie bleiben den Menschen im Gedächtnis“, kennt Heirich diesen Effekt von vielen Besuchen. Wer in die Stiftung Ruoff komme, verlasse sie wieder als Entdecker, beschrieb er es. „Sie hauchen diesen Räumen Leben ein“, bedankte er sich für ihre Arbeit.

Mit ihren guten Kontakten zu vielen Künstlern konzipiere Hildegard Ruoff zudem immer wieder herausragende Ausstellungen, die die Stiftung weit über die Region hinaus zu einer festen Größe und zu einem Kleinod für die Stadt gemacht haben. Dabei gelinge es ihr, das Besondere im Werk der Künstler herauszustellen.

Ihr Wirken beschränke Hildegard Ruoff jedoch nicht nur auf die Stiftung und den Nachlass ihres Mannes: Vielmehr sei sie stets eine große Förderin der Jugend gewesen. Als Jurymitglied begleitete sie beispielsweise das Kunstprojekt für Schüler und Jugendliche anlässlich des 80. Geburtstages von Peter Härtling im vergangenen Jahr. Für das neue Kunstprofil des Peter-Härtling-Gymnasiums übernahm sie vor Kurzem die Patenschaft, ergänzte Heirich.

Ihrer kreativen Ader lasse sie als Fotografin freien Lauf, wie Ausstellungen in der Kreuzkirche anlässlich ihres 90. Geburtstages und die Retrospektive ihres Schaffens von 1976 bis 2011 deutlich bewiesen. „Wir als Stadt sind ausgesprochen stolz auf Sie“, schloss Heirich seine Rede.