Lokale Wirtschaft

Eine gute Idee alleine reicht nicht

Die Zahl der Existenzgründungen ist im vergangenen Jahr deutschlandweit und auch in der Region zurückgegangen. Der Mut, eine eigene Firma zu gründen, hat nachgelassen, bedauert Willy Roßbach, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen. Von denen, die es dennoch gewagt haben, wurden die besten nun beim Wettbewerb Start-Up ausgezeichnet.

KORNELIUS FRITZ

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ESSLINGEN Dass in Deutschland nicht gerade das Gründungsfieber grassiert, führt Roßbach zum einen auf die allgemeine, schwierige Wirtschaftssituation zurück. Zum anderen dürfte es aber auch damit zusammenhängen, dass die Anforderungen an einen Existenzgründer gestiegen sind. Ein gute Idee alleine genügt schon lange nicht mehr, wer eine Chance auf Fördermittel und Kredite haben will, benötigt einen sauber ausgearbeiteten Businessplan: Je intensiver sich ein Existenzgründer mit seinem Vorhaben auseinander setzt, desto größer ist die Chance, dass er auch die Risiken richtig erkennt, weiß Günter Wiedmann, der bei der Kreissparkasse die dreiköpfige Abteilung für Existenzgründerberatung leitet. Denn schließlich macht eine Firmengründung nur dann Sinn, wenn das Unternehmen auch langfristig eine Überlebenschance hat. "Wir wollen nur solche Gründungen begleiten, bei denen wir wirklich überzeugt sind, dass das Konzept tragfähig ist", betont Roßbach. Der Lohn dieser Strategie: Rund 70 Prozent der Betriebe, die die Sparkasse beim Start begleitet, etablieren sich dauerhaft am Markt.

Beste Chancen dürften auch die diesjährigen Preisträger des Wettbewerbs haben. Besonders freut man sich bei der Sparkasse, dass der Regionalsieger, die Firma Robomotion aus Stuttgart-Vaihingen, auch den Landeswettbewerb für sich entscheiden konnte. Und dass aus Erfolg versprechenden Gründern rasch erfolgreiche Unternehmer werden können, zeigt das Beispiel der Vorjahressieger. Die Firma Performtec aus Kirchheim hat inzwischen rund 300 Stück der von ihr entwickelten Waschanlage für Autoreifen verkauft.

Die Preisträger 2005: 1. Preis (2000 Euro): Robomotion GmbH, Stuttgart-Vaihingen: Roboter spielen in der Industrie eine immer wichtigere Rolle. Schwierig ist ihr Einsatz bislang allerdings beim Verpacken von Lebensmitteln. Zum einen, weil zum Beispiel Fleischstücke nie exakt die gleiche Form haben, zum anderen wegen der strengen Hygienevorschriften. Die Firma Robomotion entwickelt und programmiert mit sechs Mitarbeitern Robotertechnik, die solche komplizierten Aufgaben lösen kann.

2. Preis (1500 Euro): Ingenieurbüro Johannes Moerschner, Filderstadt: Der Ingenieur berät Kommunen über alternative Energieformen wie Biogas oder Holzheizwerke. Er erstellt Gutachten, welche Energiequellen zur Verfügung stehen und ob sich ihre Nutzung lohnt. Bislang ist Moerschner Einzelkämpfer, doch die Geschäfte laufen gut: Ich habe vor, Anfang nächsten Jahres ein bis zwei Mitarbeiter einzustellen.

3. Preis (jeweils 500 Euro): Firma HuPS 24, Esslingen: Gründer Richard W. Malone hat eine Hausnotrufzentrale für Senioren eingerichtet. Mit einem Sender, den sie am Körper tragen, können alte Menschen zum Beispiel nach einem Sturz rund um die Uhr Hilfe holen. Mit vier Krankenschwestern betreut Malone bereits 230 Kunden im Raum Esslingen und Sindelfingen. Künftig wird er seine Leistung auch in Stuttgart anbieten.

Firma Long Life Center, Unterensingen: Studien haben gezeigt, dass Pflegekräfte in Heimen und Krankenhäusern 40 Prozent ihrer Zeit für Verwaltungsarbeit benötigen. "Eigentlich bräuchte jede Schwester eine Sekretärin", sagt Brigitte Schober-Schmutz. Sie hat mit ihrer Partnerin Susanne Mayer ein Gerät entwickelt, das die Bürokratie reduziert. Direkt am Krankenbett spricht die Pflegerin Patientendaten wie Blutdruck oder Puls in einen kleinen Computer. Dieser erkennt die Stimme und überträgt die Daten in die Krankenakte.