Lokale Kultur

Eine idealer Haltepunkt nicht nur für Durchreisende

LENNINGEN Als "ein Ort für Alt und Jung in Lenningen, an dem man sich treffen, unterhalten oder einfach unter Menschen sein kann", firmiert das "CafeLe", das im Bürgerhaus im liebevoll restaurierten ehemaligen Bahnhof von Unterlenningen dank des ehrenamtlichen Engagements

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WOLF-DIETER TRUPPAT

"starker Helfer" dienstags, freitags und sonntags jeweils von 14.30 bis 17.30 Uhr seine Pforten öffnet und Besucher in einem Ambiente empfängt, wie es sich ehrenamtliche Café-Betreiber eigentlich nur wünschen können.

Dass Bahnhöfe eine lange Tradition als wichtige Treffpunkte nicht zuletzt auch für Angehörige unterschiedlicher Nationalitäten hatten und wohl noch immer haben, ist bekannt. In Unterlenningen wurde diese "Schlüsselqualifikation" geschickt genutzt, um auf einen so wichtigen Ort der Begegnung mit der einem denkmalgeschützten Gebäude zustehenden Sensibilität zu reagieren. Mit dem umfassend renovierten Bahnhofsgebäude und der im Sommer 2003 erfolgten Gründung des Vereins "Engagierte Bürger Bürgertreff Lenningen" wurden die entscheidenden Voraussetzungen geschaffen, einen Treffpunkt zu etablieren, der tatsächlich ideale Voraussetzungen bietet, um generationsübergreifend Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammenzubringen.

Aus der Agenda-Arbeitsgruppe Lenningen 21 "Soziales Leben" hervorgegangen, hat sich im Jahr 2003 der Verein "Engagierte Bürger Bürgertreff Lenningen" etabliert, der in der Präambel seiner Satzung sein Ziel klar definiert. "Lebensqualität hängt vom Miteinander der Generationen und von der gemeinsamen sozialen Kultur aller gesellschaftlichen Gruppen ab", lautet die Überzeugung aller an diesem Projekt Beteiligten, die sich der Aufgabe verpflichtet fühlen, mit ihrem gemeinsamen ehrenamtlichen Engagement Bürgerinnen und Bürger anregen und unterstützen zu wollen, "sich gemeinschaftlich und selbst bestimmt für die Anliegen des Gemeinwesens und gleichwertig für die Verbesserung der eigenen Lebensqualität, generationen- und nationenübergreifend einzusetzen".

Betont wird, dass freiwilliges Engagement, insbesondere auf sozialem und kulturellem Gebiet sowie der Austausch und Einsatz von Fähigkeiten und Fertigkeiten dabei im Vordergrund stehen sollen. Dass der Verein allen Bürgerinnen und Bürgern aus Lenningen und Umgebung offen steht und der Bürgertreff "auf keine bestimmte Altersgruppe, Partei, Konfession, Geschlecht, Nationalität und ethnische Zugehörigkeit ausgerichtet" ist, wird genauso klar festgeschrieben wie die Definition, dass er "eine auf Austausch und Kommunikation zwischen den Generationen, sozialen Schichten und Gruppierungen gerichtete Kontakt-, Informations- und Vermittlungsstelle" darstellt und damit die Möglichkeit eröffnet, "Aktivitäten und Projekte zu entwickeln und zu realisieren, die dem sozialen und bürgerschaftlichen Verständnis dienen".

Als "absoluten Glücksfall" für die Umsetzung ihrer Ziele können sich der Erste Vorsitzende, Uli Stiefelmaier, und die Zweite Vorsitzende, Petra Feller, alle Vereinsmitglieder, die erfreulicherweise noch größere Zahl der zusätzlich sich engagierenden Helferinnen und Helfer mit den Besuchern zusammen darüber freuen, dass ihnen mit dem umfassend sanierten, denkmalgeschützten Unterlenninger Bahnhof Räumlichkeiten zur Verfügung stehen, die zweifellos ihresgleichen suchen.

Neben dem ehrenamtlich drei Tage pro Woche betriebenen Café, das sich nicht nur durch sein hohe Erwartungen weckendes, überzeugendes Ambiente, sondern vor allem auch durch seine in einem so modern daherkommenden Umfeld ganz besonders angenehm auffallenden moderaten Preise empfiehlt, steht im Erdgeschoss auch noch ein Saal zur Verfügung, der für unterschiedlichste Veranstaltungen genutzt werden kann.

Auch direkt unter dem Dach des liebevoll restaurierten Bahnhofsgebäudes befindet sich ein weiterer Raum, der sich ebenfalls ideal eignet für Lesungen, Vortragsabende oder andere Kulturangebote in einigermaßen "intimem Rahmen".

Die erfreulich starke Nachfrage, die dem "CafeLe" im Bahnhof von Unterlenningen von Anfang an entgegengebracht wurde, hatte zunächst dafür gesorgt, dass die zusätzliche kulturellen Begleitangebote erst einmal noch etwas hintangestellt werden mussten. Nachdem der Cafébetrieb inzwischen reibungslos funktioniert, besteht natürlich noch

O:7060503.JP_ immer allergrößtes Interesse an zusätzlichen Kuchenbäckerinnen oder an Menschen, die Zeit und Interesse haben, sich nach ihren eigenen Vorstellungen und zeitlichen Möglichkeiten in die Arbeit des schon eingespielten ehrenamtlichen "CafeLe-Teams" einzubringen. Über den reinen Kaffeehaus-Betrieb hinaus sollen schließlich verstärkt noch mehr zusätzliche kulturelle Angebote entwickelt werden.

Seit Juni 2004 bietet Gudrun Fuchs gemeinsam mit der sie dabei unterstützenden und bei Verständnisproblemen vermittelnden Fatma Özcan im Vereinszimmer des Bürgerhauses im "Bahnhöfle" türkischen Frauen Gelegenheit, Kenntnisse der deutschen Sprache zu erwerben oder zu erweitern. Damit soll sich das der Begegnung dienende einstige Bahnhofs-Areal über die vielfältigen Veranstaltungs-Angebote hinaus auch als wichtiger Ort aktiv betriebener nationenübergreifender Integrationsbemühungen etablieren.

Nach der Sommerpause steht am Mittwoch, 11. Oktober, um 19 Uhr eine in Zusammenarbeit mit der Bücherei Lenningen und dem Förderkreis Schlössle veranstaltete "heiter-ironische Reise durch Leben und Werk Kurt Tucholskys" auf dem Programm. Am Samstag, 21. Oktober, sind ab 20 Uhr die bekannten "Blue Valentines" zu Gast, die sich ganz dem traditionellen Blues verschrieben haben und an diesem Abend im "Bahnhöfle" eigenständige Interpretationen von Bluesklassikern präsentieren werden.

"Eindrücke aus einem westafrikanischen Land" vermitteln dann am Samstag, 11. November, ab 18 Uhr Elli Mettang aus Notzingen und ihr aus Ghana stammender Mann Victor Mainoo. "Adepa eine gute Sache spricht für sich selbst" ist der Abend überschrieben, an dem das Ehepaar die Besucher in das dörfliche Leben im fernen Ghana entführen und ihnen zeigen möchten, wie dort kunsthandwerkliche Gegenstände gefertigt werden. Abgerundet wird die Veranstaltung noch durch ein afrikanisches Abendessen.

Am Sonntag, 10. Dezember, steht von 14.30 bis 17.30 Uhr einmal mehr das von Christina Kulhanek und Susanne Wiesinger erfolgreich betriebene und sehr beliebte "Tanz-CafeLe" auf dem Programm. Versprochen wird dabei nicht mehr und nicht weniger als "ein vergnüglicher und bewegter Nachmittag", an dem zum Mitmachen "leichte Tänze aus der internationalen Folklore" angeboten werden.

An guten Ideen mangelt es zweifellos nicht. Gut wäre, wenn der Kreis der bislang schon Aktiven durch weitere "starke Helfer" ergänzt werden könnte. Unterstützung bei der viele Kräfte bindenden Kaffeehaus-Initiative könnte zusätzliche Freiräume schaffen, die es dem für das "CafeLe" verantwortlichen Team möglich machen würde, weitere Programmangebote für das Lenninger Bahnhöfle vorzubereiten, das schließlich weit mehr sein will, als "nur" ein Ort, an dem man sich zu Kaffee und Kuchen und unverbindlichen Gesprächen trifft.