Lokale Kultur

Eine Lanze für die unbeschwerte Welt der Operette

KIRCHHEIM Die Mezzosopranistin Katja Rommel gastierte im historischen Vortragssaal des Schlössle

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RENATE SCHATTEL

im Freihof. Lieder und Operettenarien, die thematisch die ewige und vergängliche Liebe umkreisten, standen auf dem gut gefüllten Programm. Am Flügel begleitete Margarete Schurmann-Spengler. Franz-Josef Schwarz sprach erklärende und belustigende Zwischentexte. Der erste Teil des Konzertes stand ganz im Zeichen der Romantik und begann mit dem bekanntermaßen großen Feind der Ehe, Johannes Brahms: "Ich war leider nie verheiratet und bin es Gott sei Dank immer noch nicht", zitierte Sprecher Schwarz den Komponisten.

Dass dieser der Liebe als solcher nicht abhold war, drückte er in zahlreichen Liedern hinreißend aus. "Von ewiger Liebe" und das "Vergebliche Ständchen" brachten die Musikerinnen zu Gehör. Katja Rommel zeigte beim ersten Stück bereits ihre glasklare, starke und voluminöse Stimme, konnte aber beim zweiten die Leichtigkeit der Intervallsprünge nicht immer aufnehmen. Margarete Schurmann-Spengler begleitete souverän und eindrücklich, im akustisch heiklen Saal des Schlössle war die Begleitung gelegentlich einen Hauch zu vorstechend.

Edvard Grieg, der norwegische Romantiker hat mit "Ich liebe dich" einen heute populären Klassiker des Liebesliedes geschrieben. Nach einem Text von Hans Christian Andersen umspannt die gedrängt kurze Komposition die ganze Bandbreite innigster Leidenschaftlichkeit. Ein wenig mystisch klingt Griegs "Der Schwan", ein musikalisches Stimmungsbild der reinen Liebe. Mit ihrer klangvollen, festen Stimme lotete Katja Rommel die Crescendo-Stellen eindrucksvoll aus, ließ aber Sinnlichkeit und Innigkeit der Griegschen Romantik nicht voll aufleben.

Auch Hugo Wolf beschäftigte sich kompositorisch mit der Liebe, war allerdings, wie Franz-Josef Schwarz dokumentierte, gefühlsmäßig oft mit seinem Widersacher Brahms beschäftigt und von der Liebe abgelenkt. Beide sprachen sich gegenseitig jegliches musikalische Können ab. Wolf hat dennoch die Ausdrucksmöglichkeiten des Klavierliedes bis heute unübertroffen entwickelt. "Das verlassene Mägdelein", nach einem Text von Eduard Mörike, und "Tretet ein, hoher Krieger" zeugen davon. Klavier und Stimme stehen bei Wolf gleichberechtigt nebeneinander, von den beiden Künstlerinnen gelungen austariert. Katja Rommel traf den dramatisch süffisanten und ironischen Ton Wolfs genau.

Auswahl und Darbietung der drei Korngold-Lieder waren besonders gelungen. Erich W. Korngold schrieb die drei Liebeslieder "Schneeglöckchen", "Ständchen" und "Liebesbriefchen" schon im zarten Alter von 13 Jahren. Diese jugendlichen Kompositionen zeigten, so Erzähler Schwarz, die unverstellte Handschrift eines ausgewachsenen Künstlers. Zartheit, Vieldeutigkeit und in der Schwebe gehaltene Empfindungen der Lieder drückte Katja Rommel mit schlichter Interpretation und direktem Stimmenstrahl anmutig aus, wunderbar untermalt von Margarete Schurmann-Spengler am Klavier.

Der zweite Teil des Abends war ganz der Operette gewidmet. Die schönsten Arien aus der "Maske in Blau", "Frau Luna" oder "Gräfin Mariza" versetzten das Publikum in die heiter-unbeschwerte Welt der Liebe. "In der Operette wird niemandem das Herz gebrochen, sondern höchstens der Kopf verdreht", konstatierte Franz-Josef Schwarz. Im feuerroten Kleid schlüpfte Katja Rommel mühelos in die verschiedensten Rollen, versprühte ungarisches Paprika, Wiener Charme und Berliner Schnauze. Schauspielerisches Talent, gepaart mit einer voluminösen, gut sitzenden Stimme beeindruckten das Publikum.

Dass bei aller forcierter Leidenschaft die leisen, weichen Ausdrucksformen auf der Strecke blieben, minderte den Genuss der sonst bravourösen Darbietung etwas. Spätestens mit "Du sollst der Kaiser meiner Seele sein" von Robert Stolz und "Die Männer sind alle Verbrecher" von Walter Kollo brachen die Künstlerinnen beim Publikum eine Lanze für die heiter-unbeschwerte Liebeswelt der Operette.