Lokale Kultur

Eine Ortschronik zum Abschluss des Jubiläumsjahres

Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde am Wochenende zum Abschluss des Jubiläumsjahres die neu erstellte Beurener Ortschronik in der Kelter vorgestellt.

BEUREN Die würdige Feierstunde wurde mit Beiträgen von Schülerinnen der Beurener Musikschule bereichert, Mitherausgeber Dr. Andreas Schmauder, der selbst das Kapitel "Dörfliches Leben im 15. und 16. Jahrhundert" zu der Publikation beigesteuert hat, steigerte mit seinem Vortrag über den Aufstand des "Armen Konrad" nochmals das Interesse an der Geschichte der Trauf-gemeinden.

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Die zentrale Fragestellung des Referenten: "Wie konnte es dazu kommen, dass sich brave Untertanen im Jahr 1514 gegen die Herrschaft auflehnen?", mündete in die Beschreibung der Lebensverhältnisse in Beuren und Balzholz in der Zeit um 1500. Vor der Jahrhundertwende setzte ein starkes Bevölkerungswachstum ein, die beiden agrarisch geprägten Orte hatten in dieser Zeit etwa 600 respektive 45 Einwohner nebst einer ausgeklügelten Infrastruktur. Dennoch fiel es zunehmend schwerer, mit den Erträgen, die die Bewirtschaftung der landesherrlichen Gehöfte abwarf, eine ausreichende Grundversorgung zu gewährleisten, zudem ab 1508 heftige Missernten einsetzten. "Die Menschen waren in arger Bedrängnis, sodass die Unzufriedenheit stetig wuchs und der Idealzustand der ständischen Gesellschaft ins Wanken kam", resümierte der Landeshistoriker. Als dann noch der Landesherr, Ulrich von Württemberg, in den Kompetenzbereich der Gemeinde, die Allmende, den Wald und die Schultheißenbestellung, einzugreifen versuchte und eine Verbrauchssteuer auf Grundnahrungsmittel einführte, wuchs die Kriminalität. Schmauder: "Da kam es dann vor, dass rechtschaffene Beurener Bauern und Familienväter aus großer Not zu Wilderern wurden." Auch seien Ausschreitungen innerhalb der Bürgerschaft häufiger, die Zeiten unruhiger geworden.

Im Frühjahr 1514 bildete sich unter den Bauern die Untergrundbewegung des "Armen Konrad" mit dem Ziel, die bestehende gesellschaftliche Ordnung umzukehren, die Herrschaft zu stürzen und selbst zu regieren. Obgleich Ulrich die unliebsame Steuer wieder aufhob und ein Beschwerderecht einräumte, blieb der Widerstand im Volk bestehen, im Juni kam es strengen Verboten zum Trotz in Beuren zu einer Versammlung, die beratschlagte, wie die missliche Lage verbessert werden könne. Da viele dieser Bürger als Bauleute oder Wachen an der Landesfestung Hohenneuffen beschäftigt waren, so Schmauder weiter, wurde die Situation für den Neuffener Vogt bedrohlich, jener ersuchte beim Herzog um Rat und Schutz. Stuttgart entsandte zwei Delegierte, die sich mit den aufgebrachten Bauern zu Verhandlungen trafen, deren Inhalt oder Ergebnisse nicht überliefert sind. "Es muss sich aber für die hiesige Bürgerschaft zumindest um einen teilweisen Erfolg gehandelt haben, da bei späteren blutigen Ausschreitungen im ganzen Land nicht ein Name aus Beuren oder Balzholz verzeichnet ist, also der Widerstand aufgegeben wurde", folgert der Ravensburger Stadtarchivar.

Mit ihm zusammen trat anschließend Professor Dr. Sönke Lorenz aufs Podium, um das Zustandekommen der Ortschronik Revue passieren zu lassen. Er dankte nochmals, dass seinem "Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften" der Eberhard-Karls-Universität Tübingen die "ehrenvolle Aufgabe" zuteil geworden sei, den Schriftenband zu erstellen. Respekt gebühre allen Beteiligten, der Gemeinde, der Bürgerschaft und dem Gemeinderat, den Autoren und nicht zuletzt dem Markstein Verlag, die an der Entstehung der Publikation mitgewirkt hatten. "Das Arbeiten war nicht immer leicht, doch das Ergebnis ist alle Mühen wert gewesen", bekundete der Herausgeber, der voller Stolz Bürgermeister Erich Hartmann das erste Exemplar des stattlichen Werkes überreichte.

Für Hartmann war dann auch die Zeit des Dankens gekommen, besondere Erwähnung fand dabei das Engagement des Gemeinderatsausschusses und das der Bürgerschaft, die durch zahlreiche Erinnerungen und Bildquellen zur Lebendigkeit der Publikation beigetragen hatten. In seinen weiteren Ausführungen bemerkte Hartmann, dass sich die Gemeinde die Publikation auch in Zeiten knapper Kassen immerhin 100 000 Euro habe kosten lassen, von denen lediglich ein geringer Teil durch Verkaufserlöse zurückfließen dürfte.

Zahlenspielerei im Vergleich zum ideellen Wert, den der Schultes der Traufgemeinde, "die sich in vielem vom Normalmaß abhebt", gerade in einer Zeit des Umbruchs in der Rückbesinnung auf die Wurzeln ausmacht, ebenso als Planungsgrundlage für die Zukunft, etwa für die Realisierung der Neugestaltung der Ortsmitte betrachtet. Ihm verblieb abschließend der Wunsch, dass eine große Zahl interessierter Bürger das Buch mit Freude und Genuss zur Hand nähmen und die Ortschronik somit "in vielen Haushalten einen besonderen Platz im Bücherregal findet".

Dass dieser Wunsch nicht nur ein frommer gewesen sein dürfte, zeigte der anschließende Verkauf der druckfrischen Exemplare, die reißenden Absatz fanden.

nz