Lokale Kultur

Eine Reise in das Land des Unkonventionellen

WERNAU "Ceuvres Ceramiques Keramische Kunst" stellt das französische Künstlerehepaar Jacotte und Roger Capron im Wernauer "Quadrium" aus. Die Skulpturen der Zeitgenossen und Freunde Pablo Picassos können während der Öffnungszeiten des Wernauer Rathauses besichtigt werden.

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"Leben bedeutet die Freude und die Lust, die mir meine Arbeit bietet", gesteht der 82 Jahre junge Roger Capron und man glaubt es ihm sofort, wenn man seine Arbeiten sieht, denn aus ihnen sprechen Humor, Lebenswitz und viel Leichtigkeit. Er zeichnet und formt Figuren, die Seele haben, egal ob bei Tier oder Mensch. Zuweilen scheint es fast, als lösten sie sich vom Boden und mischten sich ins Geschehen.

Roger Capron verfremdet, verzerrt und überzeichnet, ist absurd und surrealistisch, seine Figuren wirken selten melancholisch, sie stehen eher für eine ursprüngliche und poetische Welt. Die Motive seiner Objekte entstammen zumeist Bildern oder Büchern über folkloristische Darstellungen oder geschichtliche Überlieferungen einfacher Zivilisationen, etwa aus Armenien, über die Etrusker oder aus dem spanischen beziehungsweise deutschen Mittelalter.

Teilweise stehen Roger Caprons in Richtung Malerei weisenden Objekte bis heute unter dem Einfluss seines berühmten Zeitgenossen Pablo Picasso, mit dem ihn eine gemeinsame Schaffensphase aus den 40er-Jahren im französischen Keramikmekka Vallauris verbindet. Auch die Züge anderer Maler schimmern zuweilen in Roger Caprons Arbeiten durch.

Dass Keramik und Handwerk zwei Dinge sind, die eng miteinander verknüpft sind, beweist der Künstler eindrucksvoll. Der gebürtige Pariser schwört auf das japanische Raubrand-Verfahren, bei dem die einzelnen Objekte bei 980 Grad aus dem Ofen genommen werden. Damit sie wegen der starken Temperaturschwankung nicht zerbrechen, verwendet Roger Capron plastischen Ton aus drei Bestandteilen deutscher Ton, englischer Fayence-Ton und französisches Steinzeugscherbenmehl, das die Stabilität des gebrannten Materials gewährleistet.

Mit Hilfe der Raku-Technik werden die Kunstwerke ohne Sauerstoffzufuhr gebrannt. Dadurch ändern sich die Farben der Glasuren und der unglasierte Ton wird vom Rauch geschwärzt. "Diese aufwändige Technik Caprons, getrennt gebrannte Elemente zu einem Ganzen zusammenzusetzen, bewirkt die Vielfalt in Form und Farben, die den besonderen Reiz seiner Arbeiten ausmacht", erklärt Dominique Forest, Konservatorin des Museums von Vallauris. Für die richtige Abstimmung der Farbtöne und Glasuren sorgt Roger Caprons Ehefrau Jacotte, die sich dabei ganz auf ihre eigene Inspiration verlässt. "Sie arbeitet eng mit mir zusammen, ist verantwortlich für alle Farben, kritisiert und unterstützt mich", sagt der Künstler über seine Ehefrau.

Die Werke des Keramikerehepaars kommen an. Nicht nur auf der jüngsten Vernissage in Monaco, auch auf anderen Ausstellungen in New York, Seoul, Toulouse, Hamburg oder München fanden sie ein breites Publikum, und genau das wollen die Caprons mit ihrer Kunst erreichen. Es ist gewissermaßen die einzige Einschränkung, die sie sich selbst auferlegen. Mensch und Werk stimmen bei den Caprons überein. Darin mag das Geheimnis ihrer breiten Zustimmung liegen.