Lokale Kultur

Einfühlsam die Herzen erwärmt

Das Kulturprogramm der Kirchheimer Vesperkirche startet mit Filmen und Musik

Die Vesperkirche bringt nicht nur viele Menschen an einem Tisch zusammen, sondern auch zur Filmvorführung im Saal einer Bank.Fot
Die Vesperkirche bringt nicht nur viele Menschen an einem Tisch zusammen, sondern auch zur Filmvorführung im Saal einer Bank.Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Menschen an einen Tisch bringen, die im Alltag nicht viel gemein haben: Das ist die Aufgabe, der sich die Vesperkirche

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Viktoria Pardey

Kirchheim verschrieben hat. Als Teil des kulturellen Rahmenprogramms wurden Filme von Barbara und Hartmut Ibsch gezeigt. Sie boten den Zuschauern Einblicke in Lebenswirklichkeiten anderer Menschen, Gedankenspiele der Filmemacher und fremde Länder.

Rund 80 Interessierte ließen sich im Henninger-Saal der Kreissparkasse Kirchheim von den Filmen des Ehepaars Ibsch inspirieren, bilden und manchmal auch einfach nur gut unterhalten. Die sechs Kurzfilme, die zwischen drei und 15 Minuten dauerten, deckten ein breites Spektrum ab. Reiseberichte waren genauso vertreten wie Dokumentationen und amüsante Episoden.

Gemeinsam mit Barbara Ibsch, die allen Filmen ihre Stimme lieh, begab sich das Publikum auf humorvolle Spurensuche in Venedig. Die Fotoschau, die als intonierte Bildergeschichte die Zuschauer zum Lachen brachte, zeigte viele Ansichten von Venedig, die dem oberflächlichen Blick der Touristen entgehen und offenbarte das kritisch interessierte Auge der ehemaligen Redakteurin.

Journalistisch hochwertig war auch der Report über den stummen Autisten Johannes. Mancher Betrachter wollte kaum glauben, dass hier keine Profis am Werk waren. Das Paar, das seit zehn Jahren Filme macht, hatte einen beeindruckenden Film geschaffen. Sie ließen einen Mann zu Wort kommen, der nur mithilfe gestützter Kommunikation mit seiner Umwelt in Kontakt treten kann, ohne ihm Worte in den Mund zu legen. Seine Kommentare erschienen in geschriebenen Buchstaben auf der Leinwand und wirkten auch unausgesprochen nachhaltig und tief.

Schwierig hätte es sein können, sich nach einem solchen Film auf einen neuen einzulassen, doch das Accoustic-Duo „Die Zwei“ mit Jörg Weigele und Rafael Lindeke sorgte in den Pausen zwischen den Filmen für eine gelungene Abwechselung. Die bewusst ausgewählten Coversongs ließen Raum, die Eindrücke der Filme zu verarbeiten und Gedanken nachzuhängen. Die seit elf Jahren gemeinsam auftretenden Musiker trafen den richtigen Ton zwischen Melancholie und Gute-Laune-Rock und bewegten die Herzen ihrer Zuhörer.

Es scheint Barbara und Hartmut Ibschs großes Talent zu sein, sich auf Menschen einzulassen und diese feinfühlig zu porträtieren. Im Beitrag über die pädagogische Klangschalen-Arbeit im Seniorenzentrum Sankt Hedwig zeigten sie nicht nur, wie die Schwingungen der metallenen Schalen „den Panzer der Bewohner aufbrechen ließ“, sondern bewegten das Publikum spürbar.

Nehme er ein Bild mit nach Hause, so ein Zuschauer, dann die Nahaufnahme der älteren demenzkranken Dame. Dem Gesicht so nah gewesen zu sein und dem Menschen doch so fern, das habe ihn bewegt. Ein anderer hebt den Film über den Autisten hervor. Seine Ansicht von behinderten Menschen habe sich geändert. Man sollte sich nicht so rasch von Äußerlichkeiten – und dazu gehörten auch Behinderungen – beeinflussen lassen. Die Vesperkirche als Ort der Begegnung sei wichtig, um Ressentiments abzubauen. Der Film stehe damit ganz im Zeichen dieser Idee.

Doch nicht nur Lehrreiches wurde an diesem Abend geboten. So zeigten die Impressionen einer Antarktisreise des Filmemacherpaars Bilder einer fremden, unbekannten Welt und luden zum Träumen ein – Fernweh inklusive. Die Dokumentation über den Bau der Orgel in der Kirchheimer Kirche Maria Königin faszinierte mit Detailwissen und dem Aufwand des Unterfangens. Die abschließend gezeigten Gedanken einer Frau (gefangen) im Technikmuseum waren vielleicht nicht immer politisch korrekt, kamen vielleicht aber gerade deshalb bei den ergrauten Zuschauerinnen gut an. Insgesamt war es ein gelungener stimmungsvoller Abend, der für jeden etwas bereithielt.