Lokale Wirtschaft

Einkaufen ohne Geldbeutel und ohne EC-Karte

Den Geldbeutel nicht eingesteckt oder die PIN-Nummer der EC-Karte vergessen? Für Kunden des Weilheimer aktiv Markts stellt das künftig kein Problem mehr dar. Wer registriert ist, kann per Fingerabdruck bezahlen.

ANKE KIRSAMMER

Anzeige

WEILHEIM "Wir haben das System unter anderem auf Wunsch verschiedener Stammkunden eingeführt", erklärt der Inhaber des Geschäfts, Frank Unverricht. Denn mit dem "digiproof", wie das biometrische Verfahren heißt, entfällt das oft lästige Kramen im Portemonnaie nach dem passenden Bargeld und auch die mitunter als peinlich empfundene Aufforderung, sich auszuweisen. "Auch wenn das nur damit zu tun hat, dass jemand viel eingekauft hat unangenehm ist es den Kunden trotzdem", sagt Unverricht. Genügt bei Beträgen bis 100 Euro beim Zahlen mit der EC-Karte lediglich die Unterschrift, so muss in dem Geschäft bei höheren Summen die PIN-Nummer eingegeben werden. Aus sicherheitstechnischen Gründen bitten die Kassiererinnen zusätzlich zur Überprüfung der Identität um ein Dokument wie Personalausweis, Reisepass oder Führerschein. "Wir mussten einfach zu häufig unserem Geld nachlaufen", erklärt Unverrichts Lebensgefährtin Anke Ludwig dazu. Immer häufiger werde mit geklauten EC-Karten bezahlt oder die Konten seien nicht gedeckt.

Auch aus diesem Grund bricht in dem Markt nun in Sachen Zahlungsmodalitäten ein neues Zeitalter an. "In der Umgebung sind wir die ersten, die das System einführen", betont Unverricht stolz. Das Vorgehen ist denkbar einfach: Nach einer kurzen Meldung an der Kasse vor dem Einkauf werden im Büro für den Lastschrifteinzug einmalig Name, Adresse und Geburtsdatum des Kunden aufgenommen und die EC-Karte eingelesen. Dann wird ein Muster des Fingerabdrucks erstellt und gespeichert. Dazu wird die Kuppe des Zeigefingers der "stärkeren Hand" für fünf Sekunden auf eine graue Box gelegt, die in der Mitte mit einem Sichtfenster ausgestattet ist. Fertig ist die Prozedur. Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Kundendaten ist für Unverricht eine Selbstverständlichkeit. Sie würden sicher verwahrt, und der Ladenbesitzer habe durch das Verfahren auch keinen Einblick in die Konten. Zudem handelt es sich bei dem erstellten Muster nicht um den Fingerabdruck als Bild, sondern lediglich um die Position relevanter Punkte der Fingerlinien, die mathematisch umgewandelt und verschlüsselt gespeichert sind. Damit soll verhindert werden, dass der Original-Fingerabdruck reproduziert werden kann. Unverricht versteht das innovative Verfahren als Dienstleistung: Bei künftigen Einkäufen können die Kunden die Rechnung dank einer virtuell erstellten Karte ohne großen Aufwand "mit der Fingerkuppe begleichen". Wie gewohnt werden die Zahlungen anschließend vom Konto abgebucht. Dass "digiproof" funktioniert, bewies ein Testlauf im vergangenen Jahr im pfälzischen Rülzheim.

"Das System bietet die schnellste und unkomplizierteste Art der Bezahlung", hebt Unverricht hervor. Weil der Fingerabdruck jedes Menschen einzigartig ist, hält er die Neuheit zudem für die sicherste Methode. "Fingerprint-Sensoren", die unter anderem an Zugängen zu Hochsicherheitstrakten, zu Computern oder bei Banken eingesetzt werden, sind für den Weilheimer Beweis genug. Deshalb zögerte er mit der Umsetzung auch nicht lange. Weil ohnehin ein komplettes Umrüsten der PCs in dem Lebensmittelmarkt anstand, wurden alle fünf Kassen mit dem digiproof-System ausgestattet. Langfristig rechnet Unverricht damit, dass zehn bis 15 Prozent der Kunden den neuen Service annehmen. Bei rund 8000 Einkäufern, die sich wöchentlich in dem 1255 Quadratmeter großen Geschäft mit Lebensmitteln eindecken, eine nicht unerhebliche Zahl. Auswirken dürfte sich das auch auf kürzere Wartezeiten an der Kasse.