Lokale Kultur

Einladung zur intensiven Begegnung

KIRCHHEIM Zum Abschluss der Reihe "Kirchheimer Kunstweg", in deren Rahmen in loser Reihenfolge zeitgenössische Kunstwerke im öffentlichen Raum vorgestellt wurden,

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FLORIAN STEGMAIER

soll der Fokus auf fünf Plastiken in der Max-Eyth-Straße gelegt werden, die als Leihgaben das Kirchheimer Stadtbild zwar nur temporär bereichern, dennoch mit den bereits präsentierten Arbeiten in einem Zug genannt werden können.

Es handelt sich dabei um die im Laufe des einwöchigen sommerlichen Bildhauersymposiums auf dem Kirchheimer Schlossplatz zum Thema "Begegnung" entstandenen Skulpturen.

"Begegnung", so betont der Tuttlinger Bildhauer Frank Teufel, "ist Grundvoraussetzung für Kommunikation, für Entwicklung und Veränderung". In seiner rund vier Meter hohen Plastik, die aus zwei ineinander verhakten Eichenholzelementen besteht, lotet Frank Teufel in einer abstrakten, jedoch klaren und direkt erfahrbaren Formensprache die Spanne zwischen distanzierter und inniger Begegnung, zwischen Handschlag und Umarmung aus.

Der Ötlinger Steinmetz und Steinbildhauer Jochen Herzog ließ im Laufe des Symposiums eine 2,60 Meter hohe Stele aus Kalkstein von Passanten beschreiben. Die sich durch die mehrmaligen Überschreibungen ergebenden Strukturen arbeitete er dann als rund umlaufendes Relief aus. In ihrer fertigen Gestalt dokumentiert die Skulptur die bewusst nicht mehr eindeutig zu lesenden Spuren des Aufeinandertreffens verschiedener Personen und verschiedener Meinungen innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens.

Das Aufeinandertreffen polarer Prinzipien, statisch rechtwinkliger Geometrie und organischer Form steht im Mittelpunkt der Arbeit "occursus" das lateinische Wort für Begegnung des Stuttgarter Künstlers Steffen Neidhardt. Der Gegensatz, der sich in der Skulptur zu einer Einheit aufhebt, spiegelt sich auch im Material wider: ein im Querschnitt als spitz auslaufende Ellipse geformtes Holzstück als dynamischer Vertreter des Organisch-Gewachsenen und Stahl als Repräsentant des Statisch-Geometrischen.

Monika Majer, Steinbildhauerin aus Ötlingen, spaltete im Rahmen des Symposiums eine Kalksteinstele in mehrere Teile "ein Arbeitsprozess, der trotz virtuoser handwerklicher Fähigkeiten durchaus seine Risiken in sich birgt" die anschließend um ein Zentrum gruppiert wurden. Durch die verschiedenen Größen der Einzelteile entsteht Offenheit und Geschlossenheit zugleich, von allen Seiten ergeben sich unterschiedlichste An-, Ein- und Durchblicke.

"Etait bon gut war's", lautet das kurze und bündige Statement des Notzinger Holzbildhauers Samy Virmoux. Zugleich ist das auch der Titel seiner archaisch anmutenden, aus Eiche gefertigten Kopf-Skulptur, deren expressive Mimik die Aussage unmissverständlich vermittelt.

Die fünf Plastiken, die im Anschluss an das Symposium der Stadt Kirchheim auf dem Schlossplatz als einjährige Leihgabe übergeben wurden, werden voraussichtlich noch bis Ende Juli kommenden Jahres in der Max-Eyth-Straße vor dem Kornhaus präsent sein.