Kirchheim

Einzelkönner im vollendeten Zusammenspiel

Konzert Das Spitzenensemble Aris-Quartett zog das Publikum in der Kirchheimer Stadthalle in seinen Bann.

Kirchheim. Das Aris-Quartett, mit Anna Katharina Wildermuth und Noémi Zipperling an der Violine, Caspar Vinzens an der Viola und Lukas Sieber am Violoncello, musiziert im zehnten Jahr zusammen. Sie haben inzwischen schon renommierte Preise gewonnen und treten in ganz Europa auf, und das bei den allerersten Adressen. Da darf man den Organisatoren der Abonnementkonzerte zu ihrem „goldenen Händchen“ gratulieren, so ein Spitzenensemble in die Stadthalle zu bringen.

Im zweiten Konzert der Reihe waren Spitzenwerke von drei Komponisten zu hören: Joseph Haydn, Felix Mendelssohn Bartholdy und Antonín Dvor˘ák. Das „Sonnenaufgangsquartett“ von Haydn, in dem der erfahrene Meister aus dem Vollen schöpfte, stand am Anfang. Im Kontrast dazu folgte das opus 13 a-Moll, das erste vollgültige Quartett des genialen achtzehnjährigen Mendelssohn. Den Schluss und Höhepunkt markierte das Quartett Nr. 13 G-Dur von Dvor˘ák, das geradezu sinfonische Dimensionen aufweist.

Schon die Werkauswahl gab dem Quartett Gelegenheit, seine Vielseitigkeit zu präsentieren. Das Anfangsstück enthielt schon alles, was die Sonderklasse dieses Ensembles ausmacht: perfektes Einzelkönnen, wundervolle, klanglich zusammenpassende Instrumente, vollendetes Zusammenspiel, verbunden mit klaren, überzeugenden Interpretationen. Ihre Spielfreude und ihre Hingabe faszinierten das Publikum von ersten bis zum letzten Ton. Deshalb sei hier das Erlebnis dieser Sternstunde nachgezeichnet.

In Haydns Quartett gelang es, die Vielschichtigkeit der Musik darzustellen: die Übergänge vom Cantablen zum spritzigen „Con spirito“ im ersten Satz; im zweiten verband sich „con anima“ mit heiterer Leichtigkeit, der dritte begann als beschauliches Tänzchen, das immer wieder durch ein rasantes Scherzo aufgefrischt wurde. Und im Finale wurden nach einem beschaulichen Rondo musikalische Raketen in mehreren Stufen gezündet. Das machte Lust auf mehr.

Staunend hörte man den meisterhaften Quartett-Erstling von Felix Mendelssohn Bartholdy. Beginnend mit aufeinanderfolgenden emotionalen Wellen gewann der Kopfsatz große Plastizität - das Quartett agierte dabei geschlossen wie ein einziges, großes Instrument. Dies setzte sich im zweiten Satz fort, und im dritten gelang dem jungen Genie etwas Eigenes, Neues: zauberhafte Klänge im „Elfenstil“.

Eine finale Steigerung bescherte der Schlusssatz, in dem „con passione“ dominierte. Das Quartett G-Dur opus 13 von Dvor˘áknahm durch seine große Länge und die unglaubliche Fülle an musikalischen Einfällen eine Sonderstellung ein. Diese hätten einem bescheidenerem Meister für ein halbes Dutzend Quartette gereicht. Das Aris-Quartett hatte das Niveau, diesen musikalischen Kosmos lebendig und mitreißend werden zu lassen. Die Buntheit des Werks führte nicht zu verwirrender Überfülle, weil der Komponist immer wieder mit Überraschungen aufwartete. Der zweite Satz bestach durch satten tiefen Klang neben zarten Canzonen in den folgenden Variationen. Das waren atemberaubende Momente vollendeter Schönheit.

Wie elektrisch aufgeladen knisterte es dann im „Molto vivace“, und der Schlusssatz im unwiderstehlich stürmenden „con fuoco“ endete eindrucksvoll im bedachtsamen Einleitungsmotiv.

Da spürte man im Saal die Faszination eines Livekonzerts. Die Zugabe, das Eingangsstück aus der „Kunst der Fuge“ von Johann Sebastian Bach, „erdete“ dann die Zuhörer wieder. Ulrich Kernen

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