Lokale Wirtschaft

Elf Prozent weniger

Im ersten Quartal 2006 wurden nach Feststellung des Statistischen Landesamtes bei den Amtsgerichten in Baden-Württemberg insgesamt zwar 3 552 Insolvenzverfahren entschieden, aber nur 620 Verfahren (17 Prozent aller Insolvenzverfahren) regelten Unternehmensinsolvenzen. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum wurden 700 Verfahren insolventer Firmen entschieden.

STUTTGART Damit errechnet sich gegenüber dem ersten Quartal 2005 eine Abnahme von rund 11,4 Prozent oder 80 Verfahren. Über 70 Prozent der Unternehmensinsolvenzen wurden von den Schuldnern selbst angemeldet. Im ersten Quartal 2006 wurde bei 73 Prozent der Fälle (453 Verfahren) die Zahlungsunfähigkeit allein genannt. Über drei Fünftel (63 Prozent) der Unternehmensinsolvenzverfahren wurden eröffnet und entsprechend 37 Prozent der Verfahren mangels Masse abgewiesen.

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Ein relativ hoher Anteil eröffneter Verfahren verspricht auch eine gleichmäßige und damit gerechte Befriedigung der Forderungen der Gläubiger, ein Ziel der Insolvenzordnung. Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger summierten sich insgesamt auf 442,5 Millionen Euro. Lediglich 14 Prozent der insolventen Unternehmen (88 Fälle) hatten jedoch mehr als eine Million Schulden. Demgegenüber hatten knapp 25 Prozent der Schuldner Verpflichtungen von weniger als 50 000 Euro (153 Fälle).

Die durchschnittliche Verpflichtung lag allerdings deutlich über dem Vorjahreswert: Für das erste Quartal 2005 errechnete sich eine durchschnittliche Schuldenhöhe von 526 000 Euro, im ersten Quartal 2006 waren es durchschnittlich 714 000 Euro je Unternehmensinsolvenzverfahren. Vom Insolvenzgeschehen im 1. Quartal 2006 waren außerdem insgesamt 3 458 Beschäftigte unmittelbar betroffen.

Ihrem wirtschaftlichen Schwerpunkt zugeordnet stammten gut ein Fünftel der Konkurse (132 Verfahren) aus dem Bereich Handel: 76 Konkurse betrafen Firmen aus dem Einzelhandel, 35 insolvente Firmen waren in den Bereichen Handelsvermittlung und Großhandel tätig, weitere 21 insolvente Firmen wurden im Kfz-Handel einschließlich Reparatur von Kraftfahrzeugen und Gebrauchsgütern registriert.

Ein weiteres Fünftel der insolventen Unternehmen zählten zum heterogenen Bereich Grundstücks- und Wohnungswesen, Vermietung beweglicher Sachen, Dienstleistungen überwiegend für Unternehmen. Stärker betroffen waren hier die wirtschaftlichen Dienstleistungen sowie der Bereich Datenverarbeitung und Datenbank. Auf das Baugewerbe fielen 18 Prozent aller Unternehmenskonkurse (112 Verfahren). Für das Verarbeitende Gewerbe wurden 85 Fälle ermittelt (14 Prozent aller Unternehmen). Weitere 55 Konkursverfahren (9 Prozent) fielen auf das Gastgewerbe und 7 Prozent kamen auf Unternehmen aus dem Bereich Verkehr und Nachrichtenübermittlung.

Mehr Einblick gibt auch beim Quartalsergebnis die Insolvenzhäufigkeit, da sie die Insolvenzverfahrenszahl der Zahl der niedergelassenen Firmen in den einzelnen Branchen gegenüberstellt. Die relative Insolvenzhäufigkeit ist im ersten Quartal mit 1,5 Verfahren je 1000 Unternehmen für die Gesamtwirtschaft niedriger als für den entsprechenden Vorjahreszeitraum mit 1,7 Verfahren. Die Werte für die Bereiche sind jedoch sehr verschieden. Die höchste Insolvenzhäufigkeit errechnet sich für den Bereich Verkehr und Nachrichtenübermittlung.

Ein nahezu ebenso hoher Wert ergibt sich mit 2,8 Verfahren je 1000 Unternehmen für das Baugewerbe. Es folgt das Kredit- und Versicherungsgewerbe und jedoch mit Abstand das Verarbeitende Gewerbe. Für das Gastgewerbe errechnete sich nahezu derselbe Wert, die Insolvenzhäufigkeit lag aber deutlich höher als vor einem Jahr. In den Bereichen Baugewerbe, Verarbeitendes Gewerbe, Handel und im zusammengefassten Bereich Verkehr und Nachrichtenübermittlung war die Insolvenzhäufigkeit deutlich geringer als im 1. Quartal 2005.