Lokale Kultur

E-Motion, Erotik und echte Kunst

KIRCHHEIM Es war Bewegung geboten hier war der Name Programm. "Art in motion dance company" hieß: Diverse künstlerische Ausdrucksformen in Bewegung zu sehen. Bei "Kunst und Kultur am Schloss" war auch diesmal wieder

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ALEXANDRA BOGER

Regenwetter, und die Kirchheimer Stadthalle bot Zuflucht für das Programm "moving moments".

Nicht nur die "motion", auch die "E-motionen" wollte das fast durchgehend weibliche Ensemble mit 13 Tänzerinnen und einem männlichen Statisten ansprechen, das sich international zusammensetzt. Deshalb stellte die "Dance Company" ihr Programm auch unter das Thema "bewegte Momente".

Den ersten Teil eröffnete ein großer Auftakt mit "All that jazz", das mit roten Scheinwerfern ein wenig das Milieu der Szene ankündigte. Die Zuschauer jeden Alters erwartete ein Ausflug ins Chicago der 30er-Jahre und Kostüme im Marlene-Stil, die viel Bein und Dekolletee zeigten.Bis zur Pause waren dann eher die ruhigeren, nachdenklichen Töne und Bewegungen vorherrschend. In der mehrteiligen Szene "waiting" bot als einziges Requisit eine Parkbank den Treffpunkt für verschiedene Charaktere, die warteten und wie könnte es anders sein tanzten, aber auch sangen und spielten. Die Gruppe nahm die Zuschauer mit in altbekannte Situationen, in denen es hieß Warten: Darauf, dass irgendwas passiert, sich vielleicht was bewegt und ein bisschen auch auf den Durchblick. Denn der erschloss sich erst bei der Interaktion auf der Basis von Tanz, auch in erotischer Form. Das Publikum erkannte auf der Bank eine Schlaftrunkene nach durchzechter Nacht, eine Joggerin und eine Mischung aus Vamp und Blumenkind, die tanzend-akrobatisch um etwas Platz auf der Bank händeln.

Im nachfolgenden Tango wurde die musikalische Aussage in Ballettatmosphäre getaucht. Der Solotänzerin im Fliederkleid standen im Hintergrund zwei "Backgroundtänzerinnen" zur Verfügung, die in kleinen Intermezzos auftraten. Weiterhin wartend auf der Bank, eine Bankerin und eine Obdachlose, die ihren Kontrast in einem kurzen Instrumentalstück eher spielten als tanzten. Bis zum letzten Stück vor der Pause wurde vor allem das Thema "Liebe" und sämtliche damit verbundenen Regungen in Gesang, Tanz und theatralisch inszeniert. In die Pause schickten acht "Rockladies" das Publikum mit einem Stück aus dem Soundtrack zum Film "Oceans Twelve" und einfachen, aber sehr wirkungsvoll bunten Kostümen über schwarzen Hosen.

An dem einen oder anderen Zuschauerbeispiel wurde klar, dass "Tanzen können" für eine solche Inszenierung nicht alles ist: "Die hat kräftige Schenkel" und "Die Blonde mit den Grübchen" waren aus einigen Auseinandersetzungen mit dem Stück zu entnehmen.

Nach der Pause ging es in die neueren Epochen mit "Out here on my own" und Kelly Clarkson, "Because of you", was die Zuschauer jetzt in die Musical-Richtung führte. Aber auch afrikanische Rhythmen versetzt mit Percussion und Hip-Hop-Elementen präsentierte die "Dance Company" unter choreografischer Leitung von Marilena Grafakos.

Die Besonderheit der Inszenierung war die Nähe zum Publikum, dem vermittelt wurde: Jeder könne sofort auf die Bühne kommen und mittanzen, was so mancher sicher auch gern getan hätte. Doch stecken Proben von eineinhalb Jahren, und das drei bis vier Mal pro Woche, im Stück. Jeder Akteur hat zumindest in zwei der Fächer Tanz, Gesang und Theater eine Ausbildung. Die Choreografin selbst studierte in den USA Choreografie, Theater und Musical Theater. Was sie in "moving moments" zeigt, ist, dass nicht die Perfektion oder das Akkurate im Stück wirkt, sondern die Verbindung der verschiedenen Disziplinen der Kunst und die Emotionen. Marilena Grafakos sieht das so: "Echte Kunst ist das Nicht-Perfekte". Das ist es wohl auch, was dem Zuschauer die Möglichkeit gibt, sich zu identifizieren. Auf stark Abstraktes verzichtet die Amerikanerin und fordert die Gefühle mehr heraus als das Gehirn.