Lokale Wirtschaft

Energie "made in Esslingen"

Die Rohräckerschule, die Zollberg-Realschule und die Württembergische Landesbühne werden künftig nicht nur mit erneuerbaren Energien beheizt, ihre Träger liefern den Rohstoff sogar selbst. Gestern nahmen die Stadtwerke Esslingen (SWE) das neue Biomasse-Heizwerk am Zollberg in Betrieb.

TOBIAS DORFER

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ESSLINGEN Der Fachbegriff für die neue Anlage ging nicht nur Landrat Heinz Eininger schwer über die Lippen: Mit Grüngut-Holzschnitzel-Heizungsanlage mit Gegenstrom-Vorschubrostfeuerung wird das Biomasse-Heizwerk in dem Vertrag zwischen den Stadtwerken, dem Landkreis, der Stadt Esslingen und der Württembergischen Landesbühne (WLB) beschrieben ein Begriff, den auch Wolfgang Lotz, der Technische Geschäftsführer der SWE, nicht auswendig daher sagen kann. Wenn es jedoch um die Leistung des eine Million Euro teuren Bauwerks geht, dann sprudeln die Zahlen nur so aus seinem Mund.

Ein Megawatt Leistung könne der Holzkessel erzielen. 150 Kubikmeter Holzschnitzel würden in den Silo passen. Und von den 6000 Kubikmeter Holzschnitzeln, die jährlich zum Heizen benötigt werden, blieben nur vier Prozent Asche übrig. Zudem werde mit der Photovoltaikanlage auf dem Dach noch Strom produziert. Da nickte sogar die Grünen-Stadträtin Clarissa De Ponte anerkennend mit dem Kopf.

Das Biomasse-Heizwerk versorgt künftig die Zollberg-Realschule, die Rohräckerschule und den WLB-Standort mit Wärme aus Holzschnitzeln. Diese werden von den Trägern selbst geliefert. Zwei Drittel kommen vom Landkreis, der Rest vom Grünflächenamt Esslingen. Nur die WLB kann keinen Beitrag liefern. "Unsere alten Kulissen können leider nicht verbrannt werden", meinte Verwaltungsdirektor Ulrich Heinzelmann.

Zufrieden zeigte sich auch Landrat Heinz Eininger mit der neuen Biomasse-Heizanlage. Man hätte die Einspartipps des Landesrechnungshofs konsequent umgesetzt. Mit dem neuen Heizwerk könne die Rohräckerschule, die für die Schwimm- und Therapiebecken ganzjährig Heizkraft benötige, gut versorgt werden. "Wir produzieren Energie made in Esslingen", meinte der Landrat. Auch für die neue Außenstelle der Rohräckerschule in Dettingen sei ein solches Modell geplant.

Oberbürgermeister Jürgen Zieger hob vor allem das Einsparpotenzial der neuen Anlage hervor. 700 Tonnen

CO2 würden eingespart und wenn man die steigenden Energiepreise betrachte, wird die Anlage Jahr für Jahr rentabler. Selbst für den Ernstfall ist gesorgt: Sollte "Energie made in Esslingen" kurzfristig ausfallen, hat die SWE noch einen Gasbehälter neben dem Gebäude aufgestellt. Der kann immerhin 80 Prozent des Wärmebedarfs decken.