Lokale Wirtschaft

Engagement in China

"Ist ein Engagement in China lohnend?" Dieser Frage ging eine Veranstaltung der IHK Esslingen-Nürtingen und des CDU-Stadtverbands Esslingen nach. In den Räumen der IHK Esslingen erhielten 120 Zuhörer Tipps für die Praxis.

ESSLINGEN IHK-Geschäftsführer Wolfgang Oettle berichtete von seinen Erfahrungen: "Mein China-Schock liegt lange zurück und heute sehe ich die Fakten, nämlich ein rasantes Wachstum." CDU-Chef Dirk Handler, Moderator des Abends, fügte hinzu: " . . . und wir müssen dabei sein." Auf Initiative der CDU Esslingen war die Veranstaltung zustandegekommen, um den Mittelständlern die Chancen eines Engagements in China aufzuzeigen.

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Aufklärung zur chinesischen Mentalität gab die Esslinger China-Expertin Simone Jaumann-Wang. Sie ist hauptberuflich Diplom-Übersetzerin für deutsche Unternehmen, die inChina Fuß fassen wollen. Die Kulturtrainerin verdeutlichte anschaulich verschiedene gesellschaftliche Prinzipien und konfuzianischen Lehren, deren Kenntnis für wirtschaftlichen Erfolg Voraussetzung ist: Moral und Aufrichtigkeit, der Sohn habe sich dem Vater unterzuordnen wie der Mitarbeiter dem Unternehmer und gesunder Pragmatismus. Das Schlüsselmotto: "Was sich sowieso nicht vermeiden lässt, kann man auch gleich begrüßen."

Den Lieblingsspruch der Chinesen "Lasst uns gemeinsam reich werden" haben sich namhafte Firmen aus dem Landkreis Esslingen zu eigen gemacht. Die Erfolgsunternehmen Pilz Sichere Automaten aus Ostfildern und die Festo AG aus Esslingen-Berkheim sind in China stark vertreten. Willi Stange, Vertriebsleiter der Pilz GmbH, hatte die chinesische Assistentin Wenzhu Qian zu seinem Vortrag mitgebracht. Gemäß dem Firmenmotto "Sicherheitstechnik sollte nicht als Kostenfaktor gesehen werden, sondern als Investition die Produktivität wird gesteigert", erläuterte er überzeugend die Marktstrategie seines Unternehmens. "Wir haben den Chefsessel an eine örtliche Geschäftsfrau in Shanghai vergeben", sagte Stange und lieferte die Begründung: "Einheimisches Personal auf allen Ebenen verspricht größten Erfolg." Der Vertriebschef referierte über verschiedene Rechtsformen und die Gründe für Pilz, eine Vertriebs- und Servicegesellschaft gezielt zu gründen. Ganz nebenbei stellte er mit großem Stolz fest, dass keine Arbeitsplätze des Stammhauses in Ostfildern durch den Markteintritt in China vor drei Jahren verloren gingen: "Ganz im Gegenteil wir haben unsere Wettbewerbssituation als Komplettanbieter von Sicherheitstechnik global gestärkt."

Felix Wang, Asien-Vertriebsbeauftragter der Firma Ohngemach & Baumgärtner, verkauft als geborener Chinese mit deutschem Pass Brillenkomponenten an seine Landsleute. Wang erläuterte zahlreiche Fallstricke im Umgang mit der Mentalität. Dabei ist die Anbahnung und Vereinbarung eines Gesprächstermins ein kleines Kunststück. Wang zufolge gestaltet sich die Preisverhandlung allerdings international gleich: "Feilschen gehört zum Geschäft, denn die Chinesen wollen reich werden und jeder will Geschäfte machen."

28 Stützpunkte hat Festo in China. Seit 1993 ist die Firma in allen wichtigen Industriezentren vertreten. Axel Falle, Vertriebsleiter des Unternehmens in diesem Teil der Welt, berichtete von langjährigen Kooperationen mit örtlichen Unternehmen wie auch der Universität von Tangju, die den Festo-Nachwuchs verstärkt. Er teilte mit, dass derzeit 340 Menschen für sein Unternehmen arbeiten. "Gleiche Qualitätsstandards wie in Deutschland sind für unsere Kunden von hoher Bedeutung." Die Expansion von Festo zeige sich durch den Bau einer neuen Produktionsstätte auf einer Fläche von 57 000 Quadratmetern. Nach Falle sei an eine Verlagerung der deutschen Produktion nicht gedacht: "Wir wollen für den örtlichen Markt produzieren wie unsere Wettbewerber vor Ort."